VORSCHAU: Was läuft im Juni?

So. Der Weizen steht hoch auf dem Feld und die Sonne scheint – kurz vor Ramadan und Theaterpause gibt´s noch ein paar Tipps aus der Zentrale.
Da wären diesen Monat zweierlei Schlachtfeste und ein Festival, das etwas Abkühlung nach dem Blutrausch verspricht: Weiterlesen

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Ein Hörspiel mit Schminke und Mimik – „Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse“ in der Theaterkapelle

Von Gabriel Schimmeroth und Linus Westheuser

Die Kritik kann sich relativ kurz halten: Kafkas Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse (die auch auf diesem Blog bereits Thema war) ist eine über alle Maßen großartige Parabel auf die gesellschaftliche Position des Künstlers in der Moderne. In ihrem Zentrum steht eine Mäusesängerin, deren ‚Gesang‘ eigentlich nichts anderes ist, als das Pfeifen, das alle Mäuse permanent und ohne darüber nachzudenken von sich geben, und deren Aufführungen dennoch – oder gerade deswegen – Anlass für große Volksversammlungen der Mäuse sind, in denen diese sich, vermittelt über die Sängerin, ihrer Gemeinschaft vergewissern. Wer den Text nicht kennt, dem sei er dringend ans Herz gelegt.1 Wer nicht so gerne selber liest, der kann noch am Freitag den 29.11. in die Theaterkapelle gehen und sich dort eine sinnvoll gekürzte aber weitgehend unveränderte Hörspielfassung vom geübten Radiosprecher Ilja Pletner vortragen lassen. Pletner schminkt sich während diesem Vortrag, schaltet das Licht an und aus, zuletzt klettert er auf einen Tisch. So weit, so unzureichend für die Theaterbühne. Weiterlesen

VORSCHAU: Was läuft im November?

Die Tage werden duster, die letzten Blätter in Tanks gesaugt, Lou Reed ist tot und im Fernsehen zeigen sie Ohrenoperationen. Wohin gehen? Nun, ins Theater natürlich. Unruhe im Oberrang stellt ab jetzt jeden Monat eine lose Auswahl von Premieren und anderen Veranstaltungen der kleinen Berliner Bühnen vor, die wir interessant finden und uns anschauen wollen. Für Qualität kann also nicht gebürgt werden, aber wenn es schlimm wird, ist immerhin noch jemand aus der Redaktion zum Lästern da. Nun schnell zur Auswahl: Weiterlesen

Wortgewaltiges Kieztheater:„Übergewicht, Unwichtig: UNFORM“ in der Theaterkapelle

„Sucht euch einen Platz am Tresen“ und „Was darf’s denn sein?“; sind die ersten Sätze des Abends. Beim Eintreten in die Kellergewölbe der Theaterkapelle findet man sich nicht im Theater, sondern in einer schummrigen Kiezkneipe wieder.

Ein abgestoßener Holztresen mit roten Wachsflecken; darauf eine zerlesene Bildzeitung; deutscher Schlager läuft im Hintergrund. Einige Gäste sitzen mit dem Feierabendbier am Tresen. Und zwischen den Ankommenden steht die Wirtin und arbeitet sich an dieser irgendwie unpassend wirkenden Menschenansammlung ab. Nein, hier wird kein bürgerliches Erbauungstheater stattfinden; man ist nur in der Eckkneipe gelandet, die schon immer da war, doch nie betreten wurde. Weiterlesen

Eine multimediale Lesung, bei der viel herumgelaufen wird: Büchners „Lenz“ in der Theaterkapelle

Lenz geht ins Gebirg, die Natur und sein Geisteszustand zerfließen im Wahnsinn. Nachdem er Halt sucht in familiärer Alltäglichkeit beim Pfarrer Oberlin, sich vorübergehend sammelt in Gesprächen über Kunst, kurze Erlösung im Masochismus findet, verliert er gänzlich seine Handlungsfähigkeit und wird in die Stadt zurück gebracht. „So lebte er hin“ endet die Erzählung Georg Büchners, die zu inszenieren eine Herausforderung darstellt. Und das gerade wegen ihrer überwältigenden sprachlichen Plastizität, ihrer Konsequenz in der Erkundung psychotischer Erfahrungswelten, die selbst eine Grenzüberschreitung vollzieht. Die Performance des „forum fragile“ in der Theaterkapelle, kommt aber gar nicht dazu, am Text zu scheitern. Sie scheitert am Grundlegenden und an ihrer Unentschlossenheit.

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Pole-Dance in der Gruft: „Tage des Zorns“ in der Theaterkapelle

Wenn man die schweren schwarzen Vorhänge beseite drückt, die jedem Stauballergiker Angst einjagen, gelangt man in die Gruft unter der Theaterkapelle. Kerzen verbreiten Schummerlicht, aus den Boxen in den Ecken summt ein Choral, die knapp dreißig Zuschauer grüppchenweise im Raum verteilt wirken tatsächlich ein wenig verschreckt, zumindest unsicher. Schließlich fliegt die Tür auf, heiser-konspirativer Gitarrensound, Dampf und gleißendes Licht spucken die Protagonisten aus. Franziska Naumann stolziert zur Pole-Dance-Stange, die in einem Quarré aus Gaze das Zentrum der Gruft markiert und beginnt sich zu winden und ins Publikum zu schmachten. Im Konstrast zu ihrer frivolen Körperlichkeit  wirkt ihr Gesicht mütterlich-gutmütig. Ilja Pletner stülpt eifrig ein Kondom über sein Mikro, würgt es sich in den Mund und schreit „Liebe!“, Weiterlesen