VORSCHAU: Was bringt der Juni?

Vielleicht gaben sich manche zuletzt schon beim Performing Arts Festival freie-Szene-mäßig die Kante. Und vielleicht ist es überhaupt müßig im Juni, wenn sich alle Welt zum Knutschen oder Kiffen an kleinen Wasserflächen versammelt, Ausgehtipps zu geben. Aber man kann ja auch mal bekifft ins Theater. Und händchenhaltend, mit großen Augen warten, dass der Vorhang aufgeht. Wie dem auch sei: Hier eine Auswahl von Premieren und allerlei Dienliches für den Juni!

Im Ackerstadtpalast bringen die Regisseurin Yael Gaathon und die Tänzerin Vangeline das absurde Körpertheater Butoh aus Japan mit der Musik Ludwig van Beethovens zusammen. “Dancing with Ghosts” zieht seine Inspiration Weiterlesen

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Freikarten für „Algorithmen“ von Turbo Pascal und für „Schlager als Chance“ von Maria Kron #PAF16

Es gibt etwas zu gewinnen für den letzten #PAF16-Festivaltag:

Um die Freikarten zu bekommen, schreibt uns einfach bis zwei Stunden vor Aufführungsbeginn eine E-Mail mit dem Stichwort „Turbo“ bzw. mit dem Stichwort „Primel“ an: deroberrangdrehtdurch@gmail.com. Viel Spaß!

Glück auf, Glück auf, wer kommt? – „2030 – odyssee im leerraum“ im Theaterdiscounter

Sing mal mit! Ungewöhnlich: Ein Mann in Gummistiefeln und weißem Kittel betritt das Foyer des Theaterdiscounters und animiert das Publikum, „Glück auf“ zu singen. Die „odyssee im leerraum“ vom Jungen Theater Göttingen startet wie jede Tour in unbekannte Städte oder Gegenden mit einem Fremdenführer. Mühselig versuche ich, meine Aversion gegenüber Menschenmengen, die dasselbe singen, abzulegen und einfach mitzusingen. Anschließend begeben wir uns auf eine Reise nach Südniedersachsen. Kubricks Science-Fiction-Film „Odyssee im Weltraum“ wird zwar im Titel anzitiert, das Stück schlägt aber eine ganz andere Richtung ein: Zurück aufs Land, ins Dorfleben.

© Dorothea Heise

© Dorothea Heise

Dem Publikum wird vom selben Schauspieler die Region Göttingen vorgestellt, die laut einer Hochrechnung bei ähnlichem demographischen Wandel wie derzeit 2155 ausgestorben sein wird. Das ist die positive Prognose, mit der das Stück beginnt, mit der sich das Wanderlied bricht. Der Steiger kommt? Wohl eher kam der Steiger ins Harz, aber das ist lange her.

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GEWONNEN! VERLOSUNG: Jeweils 2 Freikarten für „Demetrius/Trollfabrik“ und „House of Hope“ im Theaterdiscounter

UND ES HABEN GEWONNEN:

2 x „House of Hope“ am Freitag, den 11. März = Frederike
2 x „Demetrius“ am Mittwoch, den 16. März = Claudia

Sagt einfach am Theaterabend Euren Namen an der Kasse. Viel Spaß im Theaterdiscounter! Wir freuen uns über die diesmal ganz außerordentlich sensationelle Beteiligung und sagen SORRY an alle die leer ausgegangen sind. Bleibt uns trotzdem treu und macht wieder mit, wenn’s das nächste Mal Freikarten gibt.

Und darum ging’s:

Es gibt wieder etwas zu GEWINNEN. Wir verlosen jeweils 2 Freikarten für „House of Hope“ am Freitag, den 11. März und für „Demetrius/Trollfabrik“ am Mittwoch, den 16. März. Beide Aufführungen finden um 20 Uhr im Theaterdiscounter statt.

Worum geht’s in den Stücken?

In „House of Hope“ mischt sich die Performancegruppe post theater  in den Kampf um Wohnraum ein, der in der neoliberalen Großstadt tobt: Wie könnte die bessere Stadt der Zukunft aussehen? Für die Klosterstraße wird ein Wohnturm der Superlative als Heimat für alle Bevölkerungsgruppen entworfen. Auf einem begehbaren Spielfeld entfaltet post theater Fakten und Fiktionen zur Wohnungsfrage und behauptet: „Ein House of Hope ist vorstellbar“!
Mehr Infos findet Ihr hier.

In „Demetrius/Trollfabrik“ begibt sich Regisseur Georg Scharegg mit Schillers Demetrius auf Stoffsuche in Nachrichtenbildern und Waffenarsenalen der gegenwärtigen Informationskriege Weiterlesen

VORSCHAU: 6 x Februar im Zeichen des Affen?

Es gibt für all die guten Vorsätze an Silvester ja immer noch eine zweite Chance: das chinesische Neujahr. Am 8. Februar hat das Jahr des Feuer-Affen begonnen, das u.a. für unerwartete Veränderungen steht. Als pyromanisch-undomestiziertes Blog erfüllt uns das mit Vorfreude.

In der zweiten Februarhälfte sind uns sechs Inszenierungen aufgefallen, die, eigenwillig, neugierig und selbstbewusst, nach den Qualitäten des Affen klingen. Weiterlesen

Dank (N)Olympia: Berliner Senat stellt Milliarden für Freie Szene bereit! Unsere VORSCHAU sagt, was die Beglückten im April zeigen

Eigentlich ganz schön unrühmlich hatte Berlin sich auf den letzten Metern vom März, diesem Zaudermonat zwischen Eishölle und zartem Frühlingsknospen, verabschiedet. Nicht nur, dass der gut gemeinte Vorschlag, Frank Castorf, den König Lear unter den Intendaten, einfach bis zum letzten Atemzug in der Volksbühne anzuschmieden, seit gestern eine enttäuschende Antwort erfahren hat. Es hat auch, rund 30 Tage nach dem wie zum Hohn so benannten „meteorologischen Frühlingsanfang“, neulich plötzlich wieder ganz humorlos geschneit. Als sei himmlisches Übersprungsverhalten dieser Art nicht allein schon finster genug, fehlt uns seit vergangenem Wochenende auch noche ein volle Stunde Zeit. Gut, das mag allen so gehen, aber natürlich tut es in Berlin, wo damit vor allem wertvolles Nichtstun erodiert wird, unverhältnismäßig viel mehr weh als andernorts. Außer vielleicht in, genau, Hamburg. Denn dort hat man ja nun einen ganzen Berg Arbeit innerhalb eines straffen Zeitrahmens vor sich – ein Kelch, der an Berlin glücklich vorübergegangen ist. Weiterlesen

VORSCHAU: Was erreicht der März?

Der Berliner Märzanfang wurde mit großem Hall durchs 100 Grad-Festival eingeleitet. Ehrgeizige Projekte, das war schon dem Programm abzulesen – und tatsächlich war das Festival der Freien Szene (in der Form zum letzten Mal?) ein Knaller. Das hat uns so die Sprache verschlagen, dass wir uns für die März-Vorschau gleich bis zur Monatsmitte Zeit gelassen haben. Nachlesen, was los war beim 100 Grad, lässt sich dafür auf dem 100 Wort-Blog. Das Beste: Die Gewinner-Inszenierungen der einzelnen Spielstätten werden ab April alle nochmal zu sehen sein. Los geht’s im Hau am 30.3.

Aber der Reihe nach durch die zweite Märzhälfte: Die Gefangenen der JVA Tegel melden sich ab dem 16.3. wieder zu Wort. „Klassenfeind“, ein Drama aus den 70er vom Briten Nigel Williams, bündelt die Wut der ausgegrenzter Jugendlicher in einem Klassenzimmer. Dass die Akteur_innen des Gefängnistheater Aufbruch dazu etwas zu sagen haben, steht außer Zweifel. Ob die Inszenierung eine stimmige Form findet, lässt sich beim Besuch im Knast erfahren. Achtung: Karten 5 Tage vorher reservieren!

Das Ballhaus Naunynstraße hat ein dichtes Programm. In den letzten Monaten kamen dabei aber die vom Haus entwickelten, grundsoliden Theateraufführungen zu kurz, könnte man meinen. Das ändert sich mit „Tableau“ am 18.3. Das „bitterböse Familienportrait dreier Frauengenerationen“, uraufgeführt im Januar, jetzt wieder mehrmals hintereinander zu sehen, ist die erste Produktion der jungen Autorin Reihaneh Youzbashi Dizaji am Ballhaus Naunynstraße.

Vor Kurzem haben wir von einem Theaterabend berichtet, an dem Geld verschenkt wurde. Diesmal geht’s in der Brotfabrik ums Geld. Für „geld: komplex“ haben die Künstler_innen von syn:format Berliner_innen befragt. In einem musikalisch-theatralen Experiment soll das liebe Geld nun personifiziert und zur Rede gestellt werden. Geldkritik ist ja noch keine Kapitalismuskritik, aber wer weiß: Vielleicht hält die Brotfabrik mit „geld:komplex“ am 19.3. neben Unterhaltung auch ein paar Erkenntnisse bereit.

In seiner eigenen schrullig-experimentellen Art nimmt der Theaterdiscounter das 130jährige Jubiläum der Kongokonferenz zum Anlass, mit „KoNGOland“ die verlogene weiße Charity-Selbstinszenierung gegenüber dem afrikanischen Kontinent anzugreifen – mit bösem Humor, so verspricht’s das Programm, und hoffentlich mit genug dekolonialem Background. Ab dem 26.3. in der Klosterstraße: KoNGOland.

Bereits das vierte Stück inszeniert Jan Meyer im TiK Süd. Am 27.3. fordern fünf Performerinnen den frisch erschienen Fragmenttext „Schaum“ von G.A.Beckmann heraus, bis zur Grenze der Sprache.

Woran erkennt man einen Juden? fragen die 3. und 4. Studiengänge der HfS Ernst Busch am 31.3. im BAT. Das Foto zum Stück zeigt eine Einhorn-Maske, die die antisemitische Erfindung der jüdischen Nase persifliert. Mit Texten von Max Nordau u.a. nähert sich die Inszenierung aber noch von einer anderen Seite dem Thema Antisemitismus und jüdische Identität an, nämlich vom jüdischen Ideal des Muskeljuden im Zusammenhang der Lebensreformbewegung um die Jahrhundertwende.

Bild: Die Zeit. Das Foto zeigt das Lichtschulheim Lüneburger Land  (Apropos Lebensreform…) .

Viel Werkstatt, wenig Musical – „Libretto“ im Theaterdiscounter

Die Zuschauer_innen betreten den Aufführungsraum des Theaterdiscounters, der immer etwas von Parkhauskeller hat, durch eine Schneise von grinsenden Wachsfiguren: Die fünf Darsteller_innen und zwölf mitwirkenden Laien von „Libretto – hommage total ans musical harren in eingefrorener, pathetischer Begrüßungspose aus, bis alle auf ihren Plätzen sind. Darauf folgt eine Massenchoreographie, die auch Teil einer Herbert Fritsch-Nummer oder eines Walt Disneys-Cartoons sein könnte (oder halt eines Musicals, ich kenn mich da nicht so aus) mit weit ausgestreckten Armen, mit gekünsteltem Lächeln und Winken zur schnulzig-beschwingten Klaviermusik des amerikanischen Musical-Profis David Morrow.

In diesen gemeinsamen Bewegungen aller Akteur_innen nähert sich die Musical-Studie von Paula Rosolen dem Reiz des Musicals, der großen Show, der abgeschlossenen Form am ehesten an. Weiterlesen