Die Würde des Menschen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit – Die Paulsens II im Theater im Kino

 

Paulsens II

© Girl to Guerilla

Die Familie Paulsen wohnte vor einem Jahr noch im Wedding, doch es drohte sich an, dass sie weggentrifiziert würde. Glücklicherweise konnten alle Paulsens (Mama Daniela, die Söhne Tristan, Harry, Stefan, Jörg, Harrys Sohn Dieter) bei den Movie Kingdom Studios in der Boxhagener Straße 18 in Friedrichshain Unterschlupf finden. Der Preis für die Wohnung: Sie müssen täglich Besucher_innen Zutritt in ihre Wohnung gewähren, ihren Alltag teilen und abends (natürlich ebenfalls vor Publikum) eine Sitcom drehen, deren Skript von Sohn Tristan, dem aufstrebenden Regisseur der Familie, stammt.

Das Kollektiv Girl to Guerilla erkundet mit „Die Paulsens II“ vom 11. bis zum 15. Mai das sog. „Hartz-TV“ im TIK bzw. in den Movie Kingdom Studios. Mit Raufasertapete, Holzschalen aus den 70er Jahren, einem Plasma-Bildschirm mit Playstation, Familienfotos und allerlei anderem ist die Wohnung der Familie, die abends zum Set wird, ausgestattet. Was treibt die Familie dort den ganzen Tag?

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LINK: Theaterscoutings im April und Mai: Publikumsgespräche und Spielstättentouren durch alle Berliner Bezirke

Es werden immer mehr: Theater der Freien Szene, die Theaterscoutings und damit allen interessierten Besucher_innen die Türen öffnen. Das heißt: Publikumsgespräche und Stückeinführungen anbieten oder im Rahmen von Führungen Blicke hinter die Kulissen gewähren.

Das begrüßen wir! Schließlich stellt die durch unseren Partner Theaterscoutings initiierte Theatervemittlung eine Erweiterung der Kommunikation mit den Publika dar, die natürlich nicht Kritik, wie wir sie versuchen, ersetzen kann.

Die Sophiensäle sind dabei, aber auch das TiK in Friedrichshain

Theaterscoutings lädt in den nächsten Wochen z.B. zur Nachbesprechung von „Schwarz gemacht“ oder zum Weiterlesen

Der Mai – eine kleine VOR- und große LEISTUNGSSCHAU

Wenn in der Schaperstraße die Kastanien blühen und im Garten des Hauses der Berliner Festspiele zuverlässig die größten Brillen die Gesichter verschaufenstern, wenn buntquellende Stecktücher die Herren- und kaum Tücher überhaupt die Damenbrust zieren und volle Weizengläser beim Anstoßen mehr „ploink“ als „pling“ machen, dann darf man wieder beruhigt feststellen: Der Mai ist da und mit ihm zieht es wie in jedem Jahr die Elite des deutschsprachigen Theaters nach Berlin wie die Fussel in den Bauchnabel. Das Theatertreffen ist toll – es ist die allergrößte, -schönste und -beste „Leistungsschau“, die es überhaupt gibt. So angelockt kommen sie alle und blickten in den vergangenen Jahren mit Kennermiene und umgetrieben von der beklemmenden Frage nach der Leistungsfähigkeit unserer guten, stehenden Schaubühnen auch schon auf die Darm- und Blasentätigkeit eines norwegischen Allmachtsphantasten (große Leistung!), den letzten Gruß eines bitter Vermissten (traurig-schöne Leistung!) oder auch einfach mal auf eine gut fünfstündige, halbszenische Lesung (Niemand-weiß-warum-das-eingeladen-wird-ist-aber-trotzdem-super-Leistung!).

Wem nach soviel Hochleistung die Glieder und Lider schmerzen, kann abseits des feinen Schaperstraßen-Kiez‘ und seiner Wilmersdorfer Witwen Linderung finden: In Berlin ist schließlich jeden Monat Theater, auch ohne dass man sich und alles und jeden dort treffen müsste. Das bringt im Vergleich mit dem „main act“ dieses Wonnemonats seine ganz eigenen Vorteile mit sich: Man bekommt in der Regel tatsächlich einfach so mal Karten, sitzt meistens nicht ganz so lange auf dem eigenen Hintern und – so hat man uns versichert – die Vorstellungen finden sogar statt! Also raus aus dem Taxi und rein in die rote U-Bahn-Linie; Unruhe im Oberrang führt mit einer Alternativauswahl küsschen- und proseccofrei durch den Mai. Weiterlesen