„We were wild once, don’t let them tame you!“ – Zum 100-jährigen von „Sacre du Printemps“

Wenn es nach den tanzaffinen Kulturwissenschaften geht, setzte die Moderne nicht mit der Ermordung Franz Ferdinands des I. am 28. Juni 1914 in Sarajavo ein, sondern ein Jahr zuvor in Paris. Genauer gesagt auf der Bühne des Champs-Elysées Theaters, auf welcher fünf Tänzer in folkloristischen Kostümen zur treibenden Musik rhythmisch anfangen zu springen und zu stampfen. Die Choreographie von Le Sacre du Printemps revolutioniert mit ihren asymmetrischen Bewegungen, den nach innen gekehrten Fußspitzen, einer neuen Körperschwere und seinen Anleihen bei Riten der russischen Folklore die damalige Tanzwelt. Als modernes Gesamtkunstwerk ist Sacre eine Kollaboration zwischen dem Tänzer und Choreographen Vaslav Nijinsky, dem Komponisten Igor Stravinsky, dem Leiter des Ballets Russes Sergei Diaghilev und dem Kostüm- und Bühnenbildner Nicholas Rörich. Das Werk stellt grundlegende Vorstellungen von Eleganz und Grazie im Ballett in Frage, die primitivistischen Anklänge provozieren und verstören das Publikum. Denn der Mythos Sacre speist sich nicht nur aus dem, was sich auf der Bühne oder im Konzertgraben abspielte; auch die Performance des Publikums, das vor lauter ästhetischer Überforderung im Theater randalierte [Wortwitze im Bezug auf den Namen dieses Blogs verbieten sich], trug maßgeblich zum Ruhm des Stückes bei. Weiterlesen

Werbeanzeigen