Remembering ‚Mongoflipper‘ : Ein Randgruppenkrimi im Theaterdiscounter

© Vadim Bolokowski

Am kommenden Wochenende zeigt der Theaterdiscounter erneut die streitbare Farce ‚Mongoflipper‘, die am 29. Januar Premiere hatte. ‚Mongoflipper‘ ist eine kollektive Arbeit von Regisseur Cornelius Schwalm, Dramaturgin Sophie Nikolitsch und Schauspielerin Verena Unbehaun, die unter dem Namen MARIAKRON seit 2010 gemeinsam arbeiten.
Zusammen mit fünf weiteren Schauspielern und Schauspielerinnen (tolles Ensemble!) steht Verena Unbehaun in ‚Mongoflipper‘ als Bernd auf der Bühne. Bernd scheint sich gewohnten sozialen Normen nicht anzupassen. Er verhält sich eigenbrödlerisch, unsozial, Weiterlesen

Werbeanzeigen

LINK: „Dancing in the pain“ – Zukünftige Formen der zärtlichen Komplizenschaft

Wer’s noch nicht kennt: Das sugarhigh ist ein tolles E-Mail-Magazin mit Kurzbeiträgen über die Berliner Gegenwartskultur – Theater, Kunst, Musik und vieles mehr. Im heutigen Newsletter weist das Magazin auf die Premiere von Jeremy Wades Together Forever im HAU hin – eine interaktive Multimedia-Performance, bei der es um eines der langlebigsten, aufwühlendsten und spannendsten Themen überhaupt geht: ewige Liebe. Weiterlesen

Too much! – „Show Me How“ in der Vierten Welt

Der grossen, blonden Frau in Unterhosen, die strampelnd einen Stuhl plankt und mit ihrer Rechten auf den Boden einhämmert, während sie mit ihrem Transformer-Kopf in einer am Boden stehenden Zimmerpflanze wühlt, versohlt die kleine dunkelhaarige Frau mit Hasenmaske im pinken Bikini über grünem Pulli mit dem langen Schwanz ihres schlappen Plüschtigers den fast nackten Arsch. Dazu Dubstep.

WTF?! Wie um Himmels Willen konnte es nur soweit kommen? Weiterlesen

Ich will befingert werden – „Les experts d’Internet“ im Ballhaus Ost

(Dieser Text ist viel zu lang für einen Online-Text! Langer Rede kurzer Sinn ganz unten.)

„Wir spielen heute für Sie „Die Internetexperten“ von Bertold Brecht.“

Ein Knaller ist das ja nicht, wenn ein postdramatisches Theatergrüppchen sich an Brecht orientiert. Zuschauer als Angeschauter, Wahrnehmen als Wahrzunehmendes – nix Neues. Das Publikum lacht trotzdem – Internet und Brecht, also bitte… Weiterlesen

VORSCHAU: Was geht im Februar?

Wir gehen vielleicht… weil… (Grund) / am… (Datum) / zu… (Stück) / ins… (Theater XY). / (+Zitat)

  • weil sich das gehässige Tagebuch des Philostratos hervorragend für einen Monolog eignet zum Hundertsten von Arno Schmidt am 6. Februar zu Enthymesis in die Brotfabrik (auch 7.-9.2.).

„Ist der frühe Prosatext von Arno Schmidt eine Geschichte über Weltflucht oder eine Hommage an Literatur und menschliche Phantasie?“

Keine Offenbarung – „Weissagungen“ im HAU 3

Weissagungen sind Prophezeiungen sind Prognosen der Zukunft. Propheteía ist altgriechisch und heißt für jemanden sprechen, anstelle von. So sprechen Erwachsene für Jugendliche und geben ihnen Ratschläge für die Zukunft. „Eltern spekulieren, was aus ihren Kindern wird“, sagt der Weissagungen-Flyer. Und „Politiker sagen, wer in der Arbeitswelt gebraucht wird“. Weiterlesen

Artaud erinnert sich und träumt schlecht: „artaud.research“ / INVASOR im Ackerstadtpalast

Hier ist die Basis. Wer den Hinterhof des im vorvergangenen Jahr gerade noch glücklich vor der Räumung geretteten „Schokoladen“ in der Ackerstraße betritt und Kurs auf eine Baracke mit dem Schild „Ackerstadtpalast“ nimmt, ahnt, dass hier vieles ganz weit weg ist: Die rotgepolsterte Theaterabendwärme der Berliner Renommeebetriebe sowieso, aber allemal auch manch großzügig subventionsbedachte Eisbergspitze der freien Szene, deren durchgestylte Höchstprofessionalität sich hinter kaum einer Stadttheaterbühne verstecken müsste. „Ist ja wie nach der Wende“, murmelt denn auch verlässlich (und hörbar begeistert) jemand beim Blick auf den sagenhaft zugemüllten Hof, der im Schein rotgelber Lichterketten daliegt wie ein müder Ausflugsdampfer aus dem ideologischen Vorgestern. Weiterlesen

Persönlicher Einsatz: ‚Hieu. Liebe deine Eltern‘ im Ballhaus Ost

Ich stelle mir vor, mein Vorname hätte eine Bedeutung. Ich stelle mir vor, er bedeutet: Dankbarkeit, oder genauer: Dankbarkeit gegenüber den Eltern. Wann immer jemand meinen Namen ausspräche, meine Eltern wären mit angesprochen. Meine Eltern wären dann immer bei mir. So geht es Hoang Duc Hieu, dem Performer eines sehr persönlichen Stückes, das am 5. Dezember in der dritten Etage des Ballhaus Ost Premiere hatte. Seine Eltern wollten ihn eigentlich Binh nennen, das bedeutet auf vietnamesisch Frieden, erklärt Hieu zu Beginn des Stückes. Doch sein Vater habe eingewendet, das Leben von jemandem, der Binh heißt, verlaufe so: Er zeichnet mit dem Finger eine flache horizontale Linie in die Luft. Weiterlesen

Berliner Theater-Blogs: Ganz viele Gründe, sich im Netz zu verirren und dann ins Theater zu gehen.

Blogs sind unverzichtbar. Wie hätte man sonst beispielsweise Zugang zu detailverliebten Fotostrecken mit Essen auf einem Hundekopf? Von solch einem sinnlichen Output im vergleichsweise simplen Format sind viele Theater-Blogs noch weit entfernt. Sie haben außerdem gegen einen schlechten Ruf zu kämpfen (Schludrigkeit, Unberechenbarkeit), werden von denen, die Theater machen, wegen ihrer Gehässigkeit verabscheut, bzw. kämpfen dagegen an, überhaupt keinen Ruf zu haben. Aber es gibt sie. Und sie füllen Lücken in der Dokumentation und Kritik von Theater. Sei es, weil sie über Aufführungen berichten, die sonst niemand renzensiert oder weil sie in anderen Sprachen schreiben, sei es, weil sie der zum Großteil apolitischen Theaterkritik in den etablierten Medien kritisches Handwerkszeug entgegenzusetzen vermögen oder weil sie sich einfach trauen und es sich leisten können, einen anderen Ton anzuschlagen, der nicht nach 19. Jahrhundert klingt. Ein paar Gründe für eine Liste anderer Blogs, die auch über die Berliner Theaterszene schreiben, ohne Garantie auf Vollständigkeit: Weiterlesen