Bewegung in der Freien Szene: Tag 2 der Nachwuchsplattform beim Performing Arts Festival

Nach dem heutigen Auftakt geht es morgen mit der Nachwuchsplattform auf dem Performing Arts Festival weiter.

Auch am zweiten Tag des Festivals bespielt der Nachwuchs die größeren Häuser der Freien Szene Berlins: Wer möglichst überall hineinschnuppern will, kann zwischen den Sophiensælen, dem Ballhaus Ost und dem HAU pendeln. Es bleibt so divers wie schon am ersten Tag: Installationen, Vorträge, musikalische Performances und Tanz stehen zur Auswahl. Weiterlesen

Performing Arts Festival Berlin: 6 Tage lang 279 x Freie Szene – followed by Unruhe im Oberrang

Am Montag, den 23.5. geht’s los: Das größte Festival der Freien Szene Berlins startet mit über 120 Produktionen in 279 Veranstaltungen. „Festival der Superlative“ schwärmt die taz.

Unruhe im Oberrang goes Festival!

Wir finden: Das ist ein angemessener Rahmen für die Vielfalt der Berliner Freie Szene. Deshalb ist Unruhe im Oberrang dieses Jahr Medienpartner und Unterstützerin des Festivals. Wir helfen den neugierigen Besucher_innen mit Infos&Tipps und begleiten kritisch das Festivalprogramm mit Tagesvorschauen, Kommentaren, Kurzkritiken auf Facebook und Twitter.

Schon die Spielorte des Festivals sind eine Attraktion: Von der Willner-Brauerei bis zur Studiobühne Alte Feuerwache gibt’s Kiezatmosphäre zu schnüffeln. Selten öffnen mit über 50 Spielorten so viele Kunsträume ihre Türen, um die Arbeits- und Lebenswelten Berliner Künstler_innen zu zeigen. Sogar in eine Privatwohnung im Prenzlberg werden die Besucher_innen gelockt. Alle Spielstätten finden sich hier.

Wo soll ich bloß anfangen?

Gäbe es das Programm mit Ankündigungstexten als Buch, ließen sich damit Ratten erschlagen, so breit und vielfältig ist die Auswahl an Veranstaltungen. Auf der PAF-Website findet Ihr hier das Programm. Um damit fertig zu werden und Orientierung zu bieten, veröffentlichen wir jeden Tag Vorschauen auf die spannendsten Events des folgenden Tags. Wichtig zu wissen ist außerdem: Das Festival besteht aus drei Teilen:

1. Der Nachwuchsplattform vom 23. bis 25. Mai.
2. Dem rauschenden Festivalfest am Donnerstag, den 26. Mai.
3. Dem extravaganten Hauptteil, der auch für internationales Publikum geeignet ist, vom 27. bis 29. Mai.

Das heißt also, während der ersten drei Tage kann sich jede_r langsam ans Festivalhoppen herantasten, um dann am Donnerstag wild zu feiern und sich dann mit dem Wochenendprogramm von morgens bis abends den Rest zu geben.

Was passiert morgen?

Hauptspielstätten der Nachwuchsplattform vom 23.-25. Mai sind der Theaterdiscounter, das Ballhaus Ost und das HAU2. Also ab ins Zentrum! Schon am ersten Abend wird das ganze Spektrum präsentiert: Tanz, Solotheater, Publikumsbeteiligung – alles dabei.

1. In Admission to a new reality – Eintritt in eine neue Realität experimentieren die Zeitbanditen* and friends mit Intimität, auf und vor der Bühne des Ballhaus Ost (19 Uhr). Die Frage des Abends: Was könnte ein Glaube sein jenseits von Religion?

2. Oder lieber doch in den Theaterdiscounter? Hier erforschen Sunia Asbach und Darko Radosavljev in Federn lassen choreographisch Bewegungsqualitäten und – dynamiken: Auch hier geht’s um Intimität, aber auch um Sperrigkeit. Eine Performance mit einer ehemaligen Matratze (auch 19 Uhr).

3. Danach schnell, schnell weiter. Um 21 Uhr wagt sich Lois Bartel mit Unordentliche(n) Verhältnisse(n) in beunruhigend chaotische Hörwelten im Theaterdiscounter. In der Doppelvorstellung wirft Felix Lüke in Unser Herr Kießling oder: Gedanken zur Situation Deutschlands mit Lokalkolorit um sich. Er nimmt die Perspektive eines Berliner Politikers ein, woraus eine Stadtrundfahrt der besonderen Art entsteht. Hier der spaßige Trailer.

4. Im HAU 2 hagelt’s um 21 Uhr Sozialkritik – oder doch schon wieder Kunstkritik …? In Das Stück mit der Zweckmäßigkeitsfrage stellt ScriptedReality sich der Fragen von Zweck oder Zwecklosigkeit von Kunst im Kontext von ökonomischer Krise.

5. Um 23 Uhr gibt’s im Theaterdiscounter dann die Mitternachtssuppe. Also auch dafür ist gesorgt.

Wie komm ich an Karten?

Tickets für zahlreiche Veranstaltungen des Performing Arts Festival können über Reservix online gebucht werden. Die Ticketlinks hierfür finden sich bei den jeweiligen Veranstaltungen im Programm. Aber: Für einige wenige Veranstaltungen des Performing Arts Festival ist der Ticketkauf nur direkt über die Veranstaltungsorte/Gruppen möglich. Schaut also ins Programm. Am Wochenende lohnt es sich viel zu gucken: Beim Kauf von 3 Tickets gibt’s einen Rabatt von 10 % auf den Gesamtpreis, beim Kauf von 10 Tickets sogar einen Rabatt von 20%.

Wir wünschen ganz viel Spaß beim Festival!

Eure Unruhe Im Oberrang

Perfoming Arts Festival followed and powered by Unruhe:
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Die Würde des Menschen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit – Die Paulsens II im Theater im Kino

 

Paulsens II

© Girl to Guerilla

Die Familie Paulsen wohnte vor einem Jahr noch im Wedding, doch es drohte sich an, dass sie weggentrifiziert würde. Glücklicherweise konnten alle Paulsens (Mama Daniela, die Söhne Tristan, Harry, Stefan, Jörg, Harrys Sohn Dieter) bei den Movie Kingdom Studios in der Boxhagener Straße 18 in Friedrichshain Unterschlupf finden. Der Preis für die Wohnung: Sie müssen täglich Besucher_innen Zutritt in ihre Wohnung gewähren, ihren Alltag teilen und abends (natürlich ebenfalls vor Publikum) eine Sitcom drehen, deren Skript von Sohn Tristan, dem aufstrebenden Regisseur der Familie, stammt.

Das Kollektiv Girl to Guerilla erkundet mit „Die Paulsens II“ vom 11. bis zum 15. Mai das sog. „Hartz-TV“ im TIK bzw. in den Movie Kingdom Studios. Mit Raufasertapete, Holzschalen aus den 70er Jahren, einem Plasma-Bildschirm mit Playstation, Familienfotos und allerlei anderem ist die Wohnung der Familie, die abends zum Set wird, ausgestattet. Was treibt die Familie dort den ganzen Tag?

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Der gute Mensch von WARTE11: „Heimatgefühle“ in den Spreewerkstätten

Warte11

Foto: WARTE11

Heimat, was ist das eigentlich? Gerade heutzutage, wo laut UNO-Flüchtlingshilfe mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind. Das fragt sich das Duo WARTE11 (Lea Langenfelder, Nils Kirchgeßner), das in Berlin die Performance „Heimatgefühle“ vom fünften bis zum achten Mai in den Spreewerkstätten in Mitte zeigte.

Nach einem Glas Wein im Foyer zu „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ der Knef, was immer ein heimeliges und für mich ungreifbares Gefühl des Westberlins der 60er auferstehen lässt, wird das Publikum in den Saal gelassen, der mittels Baustrahlern in ein surreal-überhelles Licht getüncht ist, das von goldenen Rettungsdecken reflektiert wird. Die Rauminstallation mit Holzbänken stammt von Marina Sylla und Florian Hauß (+Kollektiv), die Technik von Sebastian Arnd. Im Bankkreis sitzt man um die beiden Performer, die sich während der ca. 45-minütigen Performance mehrmals annähern und abstoßen, sich angrinsen oder panisch betrachten, das Publikum betrachten. Das Publikum selbst kann sich durch die Sitzanordnung ebenso im Auge behalten wie die Performer, während man sich fragt: Was sind Heimatgefühle, wenn man sie durchdekliniert?

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„AfD-Ficken“: Die Performance von Knife Knightbusch & Lores versteigert im Acker Stadt Palast einen rechten Redner zum Frustabbau ans Publikum.

Kopulation als Konfliktlösung – so wie die Bonobo-Affen soziale Spannungen im Sex entladen, möchten Knife Knightbusch & Lores dem Publikum einen AfD-Redner zum eigenen Frustabbau in einer öffentlichen Auktion anbieten. Die Performance „AfD-Ficken“ eröffnet damit die Reihe behaupten.wagen, die Diskurse zur aktuellen Politik anzetteln will. Auch durch provokante Inszenierungen: Denn wer den Zuschlag erhält, darf auf der Bühne mit dem AfDler alles anstellen; Startgebot: 10 Euro. Ist das Ernst gemeint? Wird überhaupt jemand mitbieten? Und was wird dem Schauspieler am Ende angetan?

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Zwischen Séance und Leichenschmaus – „Experimenting Müller“ am HAU

Von Marlene Schock und David Meiering

Eine Woche lang nimmt das HAU mit dem Festival Heiner Müller! die Kommunikation mit einem Toten auf: Heiner Müller.Wie viel dabei der Ikone des DDR-Theaters wirklich zugehört, oder doch eher mit sich selber gesprochen wurde, ob seine Leiche dabei genüsslich vernascht oder doch eher im Kerzenschein verehrt wurde – um das herauszufinden besuchten Marlene Schock und David Meiering den Performance-Abend „Experimenting Müller“.

Vier Stücke sind aus der Auseinandersetzung mit Heiner Müller entstanden, drei Performances und ein Film. Eine Stärke des Abends ist, dass trotz der Monothematik des Müller’schen Schaffens sehr verschiedene Aspekte herausgetrennt und in den jeweiligen Stücken behandelt wurden.

Vom Verlust der Utopie und der Einheit der Identität über die Ewige Antike, das Thema der Schuld und des gewaltsam entstellten Körpers bis hin zur Bearbeitung der (kommunistischen) Geschichte   Bruchstücke zahlreicher monumentaler Themenblöcke werden an diesem Abend in den Zuschauersaal geschleudert. Weiterlesen

GEWONNEN! VERLOSUNG: Jeweils 2 Freikarten für „Demetrius/Trollfabrik“ und „House of Hope“ im Theaterdiscounter

UND ES HABEN GEWONNEN:

2 x „House of Hope“ am Freitag, den 11. März = Frederike
2 x „Demetrius“ am Mittwoch, den 16. März = Claudia

Sagt einfach am Theaterabend Euren Namen an der Kasse. Viel Spaß im Theaterdiscounter! Wir freuen uns über die diesmal ganz außerordentlich sensationelle Beteiligung und sagen SORRY an alle die leer ausgegangen sind. Bleibt uns trotzdem treu und macht wieder mit, wenn’s das nächste Mal Freikarten gibt.

Und darum ging’s:

Es gibt wieder etwas zu GEWINNEN. Wir verlosen jeweils 2 Freikarten für „House of Hope“ am Freitag, den 11. März und für „Demetrius/Trollfabrik“ am Mittwoch, den 16. März. Beide Aufführungen finden um 20 Uhr im Theaterdiscounter statt.

Worum geht’s in den Stücken?

In „House of Hope“ mischt sich die Performancegruppe post theater  in den Kampf um Wohnraum ein, der in der neoliberalen Großstadt tobt: Wie könnte die bessere Stadt der Zukunft aussehen? Für die Klosterstraße wird ein Wohnturm der Superlative als Heimat für alle Bevölkerungsgruppen entworfen. Auf einem begehbaren Spielfeld entfaltet post theater Fakten und Fiktionen zur Wohnungsfrage und behauptet: „Ein House of Hope ist vorstellbar“!
Mehr Infos findet Ihr hier.

In „Demetrius/Trollfabrik“ begibt sich Regisseur Georg Scharegg mit Schillers Demetrius auf Stoffsuche in Nachrichtenbildern und Waffenarsenalen der gegenwärtigen Informationskriege Weiterlesen

Im Kampf gegen das Vergessen „Oblivion“ von Sarah Vanhee im HAU3

Von Gesche Beyer

Die Künstlerin Sarah Vanhee hockt auf dem Boden und packt einen Karton aus. Mit fließenden, ruhigen Bewegungen befördert sie vertrocknete Teebeutel, alte Plastikflaschen, Wattepads und leere Milchkartons ans Licht und platziert sie behutsam im Raum. Wie lange widmet sie sich bereits dieser Aufgabe? In jedem Fall war sie schon damit beschäftigt, als die ersten Zuschauer den Saal betraten.

Inzwischen hat sich eine ganze Landschaft alter, verbrauchter, nutzlos gewordener Gegenstände Weiterlesen

Schuld und Schönheit in Beton: „BLOCK: this home was once a house“ in der Vierten Welt

„Nicht ausreichend mit dem Umfeld interagiert“ – unter den dieses Jahr sowieso weitgehend von allen guten Geistern verlassenen Jury-Vorschlägen zur Basisförderung der Freien Szene durch den Berliner Senat lässt das Verdikt, mit dem der Kreuzberger Vierten Welt der Geldhahn zugedreht werden soll, besonders staunen. Jedenfalls dann, wenn man dieser Tage spät nachts die schmale Betontreppe in der Adalbertstraße am Kottbusser Tor wieder hinunter stolpert. Viel früher am Abend hatte sie den Eingang gebildet zu fast vier Stunden schönster performativer Zumutung und nun schaut man etwas benommen zurück, zwölf Stockwerke nach oben und in Richtung der scharfkantigen Balkone, Austritte und Loggias des Kreuzberger Zentrums, auf denen man vorher noch gestanden hatte, als wache man wie Batman über Gotham-Kotti. Irgendwie hat sich jetzt etwas verschoben, hier unten, wo noch immer an den Obst- und Gemüseständen die Ware im Scheinwerferlicht gelblich leuchtet. Irrt man, oder hat das Kottbusser Tor selten so einladend gewirkt wie an und nach diesem langen Abend?

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