Der Mai – eine kleine VOR- und große LEISTUNGSSCHAU

Wenn in der Schaperstraße die Kastanien blühen und im Garten des Hauses der Berliner Festspiele zuverlässig die größten Brillen die Gesichter verschaufenstern, wenn buntquellende Stecktücher die Herren- und kaum Tücher überhaupt die Damenbrust zieren und volle Weizengläser beim Anstoßen mehr „ploink“ als „pling“ machen, dann darf man wieder beruhigt feststellen: Der Mai ist da und mit ihm zieht es wie in jedem Jahr die Elite des deutschsprachigen Theaters nach Berlin wie die Fussel in den Bauchnabel. Das Theatertreffen ist toll – es ist die allergrößte, -schönste und -beste „Leistungsschau“, die es überhaupt gibt. So angelockt kommen sie alle und blickten in den vergangenen Jahren mit Kennermiene und umgetrieben von der beklemmenden Frage nach der Leistungsfähigkeit unserer guten, stehenden Schaubühnen auch schon auf die Darm- und Blasentätigkeit eines norwegischen Allmachtsphantasten (große Leistung!), den letzten Gruß eines bitter Vermissten (traurig-schöne Leistung!) oder auch einfach mal auf eine gut fünfstündige, halbszenische Lesung (Niemand-weiß-warum-das-eingeladen-wird-ist-aber-trotzdem-super-Leistung!).

Wem nach soviel Hochleistung die Glieder und Lider schmerzen, kann abseits des feinen Schaperstraßen-Kiez‘ und seiner Wilmersdorfer Witwen Linderung finden: In Berlin ist schließlich jeden Monat Theater, auch ohne dass man sich und alles und jeden dort treffen müsste. Das bringt im Vergleich mit dem „main act“ dieses Wonnemonats seine ganz eigenen Vorteile mit sich: Man bekommt in der Regel tatsächlich einfach so mal Karten, sitzt meistens nicht ganz so lange auf dem eigenen Hintern und – so hat man uns versichert – die Vorstellungen finden sogar statt! Also raus aus dem Taxi und rein in die rote U-Bahn-Linie; Unruhe im Oberrang führt mit einer Alternativauswahl küsschen- und proseccofrei durch den Mai. Weiterlesen

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VORSCHAU: Was läuft im November?

Die Tage werden duster, die letzten Blätter in Tanks gesaugt, Lou Reed ist tot und im Fernsehen zeigen sie Ohrenoperationen. Wohin gehen? Nun, ins Theater natürlich. Unruhe im Oberrang stellt ab jetzt jeden Monat eine lose Auswahl von Premieren und anderen Veranstaltungen der kleinen Berliner Bühnen vor, die wir interessant finden und uns anschauen wollen. Für Qualität kann also nicht gebürgt werden, aber wenn es schlimm wird, ist immerhin noch jemand aus der Redaktion zum Lästern da. Nun schnell zur Auswahl: Weiterlesen