Wilmersdorf! Und Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg und Schöneweide! Unsere Mai-VORSCHAU zeichnet ein Berliner Theater-Streckennetz.

Der Mai ist für die deutschsprachige Theaterlandschaft, was der Dezember für die Dienstleistenden der Weihnachtsmarktbranche ist: Man trifft sich, man misst sich, man tauscht sich aus. Dies geschieht vor allem im tiefen Westen der Stadt, beim Theatertreffen der Berliner Festspiele. Unser Autor Janis El-Bira berichtet als rasender Reporter des Theatertreffen-Blogs übrigens live über die Geschehnisse desselben.

Abgesehen von diesem Tête-à-Tête der Großen – oder der vermeintlich Großen – des Theaters haben wir einige Produktionen aufgetan, die es attraktiv machen, diesen Monat nicht dauernd in die U-Bahn zur Spichernstraße, zum Haus der Berliner Festspiele, zu steigen, sondern eben auch mal in die U8, die U2, die U6 oder die U7.  Weiterlesen

LINK: Spielzeiteröffnung 2014/15 in der Freien Szene

Noch hat die neue Spielzeit nicht überall begonnen. Während beispielsweise im Theaterdiscounter und Ballhaus Ost schon seit Anfang September der Betrieb auf Hochtouren läuft, lässt sich das HAU bis zum 1. Oktober Zeit. Wir melden uns irgendwo dazwischen zu Wort, voller Vorfreude und mit dem Verdacht, dass fast überall versucht wird, die Produktivität zu steigern. Jedenfalls stehen noch für Ende September eine Menge spannende Premieren ins Haus.

Seit Donnerstag, dem 18. September laufen in der Vierten Welt gleich zwei Stücke pro Abend: Zusammengefasst unter dem Titel „Fortschritt Karibik“ beschäftigen sich die Performances #progress#karibik und Cantina section four mit (neo-)kolonialer Geschichte in Haiti, entlarven die Ressentiments enttäuschter Entwicklungshelfer und unternehmen den Versuch einer postkolonialen Geisteraustreibung.

Um (deutsche) Kolonialgeschichte geht es auch bei Performing Back Weiterlesen

Rambo, Sex und Zuschauerinnen auf vier Beinen – Thikwa und Monster Truck präsentieren „Regie“!

Foto von Florian Krauss

Lange nachdem die letzte Zuschauerin den Hochzeitssaal verlassen hat, stehen immer noch die Akteurinnen des Theater Thikwa (Sabrina Braemer, Jonny Chambilla, Oliver Rincke) auf der Bühne der Sophiensaele und tanzen zu deutschem Schlager. Das Ende von „Regie“ unter der Produktion von Monster Truck hatte Volksfestcharakter. Es war ein offenes Ende einer scheinbar freien Regiearbeit der drei Thikwas.

Monster Truck provozierte mit „Dschingis Khan“ (2012) eine Kontroverse in der freien Theaterszene à la Love-It or Hate-It. Sie schufen eine mongolische Völkerschau-Satire und besetzten jene mit den drei Down-Syndrom-Akteurinnen des Theater Thikwa. „Regie“ wirkt nun wie ein Meta-Kommentar auf diese Kontroverse und wirft Fragen der Selbstermächtigung und Emanzipation auf. Und viel interessanter: Was ist überhaupt Regie? Und wie überbrückt man die Kluft zwischen Vorstellung und Realisierung? Weiterlesen

VORSCHAU: Die Anlageberatung für den April

Ja, die Krise. Das Wort mag so wund benutzt sein, dass ihm schon die Buchstaben abfallen, es ernähren sich davon doch ganze Sparten des Bruttosozialprodukts. Sind Sie Berater im Finanzministerium, AfD-Kassenwart oder Mittelklassenseelenklempner mit Expansionswünschen, dann ist Ihnen das bekannt. Sonnenstrahlen im Frühling sind da immer potenziell geschäftsschädigend. Was denn tun, wenn es wieder allen gut geht? Ach und wie würden sie jammern, all die Coaches, wenn ALLE nun plötzlich ins Theater laufen würden, um sich all die politisch und gesellschaftlich inspirierten Stücke und Performances anzuschauen, die auch diesen April auf den „kleinen“ Berliner Bühnen Premiere feiern werden! Für uns zumindest ist ein zweistelliges Celcius keine Ausrede. Weiterlesen

Sehen und gesehen werden: „Who’s there“ von Monster Truck in den Sophiensälen

Jedem Theater sein Festival, so scheint es beinahe. Mit „Strange Magic“ klinken sich die Sophiensaele in den Berliner Festival-Herbst ein, und stellen die Frage nach der illusionären Kraft des Theaters. Theater als Zauberkasten, oder als sichtbar gewordenes Technik-Knowhow? Wollen wir das überhaupt so genau wissen? „Strange Magic“ ist als inhaltliche Klammer zu sehen für Performances verschiedener Façon, einen hermetischen Garten sowie eine Magic Lounge inklusive.

Mit der Performance „Who’s there“ bildet das in Gießen gegründete Kollektiv Monster Truck den sehenswerten Ausklang des Festivals. Auf raffinierte Weise werden darin die Karten zwischen beobachten und beobachtet werden neu gemischt. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten – es ist magic. Und strange.

Das Festival „Strange Magic“ läuft noch bis zum 27. November.
Achtung: „Who’s there“ hat gestaffelten Einlass zwischen 18 und 22 Uhr. Vorherige Anmeldung empfiehlt sich.

NO LIMITS – Internationales Theaterfestival. Ein Porträt.

Foto: DenisDarzacq

In unregelmäßigen Abständen werden hier vereinzelte Beiträge zum NO LIMITS-Festival erscheinen. Die volle Ladung an Berichterstattung findet ihr auf dem offiziellen NO LIMITS-Blog. Zwei mitschreibende Unruhe-Autoren erdreisten sich und stellen hier gleichzeitig ihre unzensierten, unredigierten Artikel online.

NO LIMITS – Ein Porträt

Das internationale Theaterfestival NO LIMITS mit Künstler_innen mit und ohne Behinderung ist gestern in die sechste Runde gegangen. Seit 2005 findet das Festival alle zwei Jahre statt. Das Ziel? „Uns abzuschaffen.“ Sagt der Festivalleiter Andreas Meder gebetsmühlenartig seit 1997, dem Beginn seiner Arbeit im Feld integrativer Theaterfestivals. Sein Augenzwinkern nicht zu vergessen, da es ein beliebtes und oft das einzige Zitat sei, dass es in eine Berichterstattung schafft. Weiterlesen