Wer sorgt heute für’s Theater? – Besuch aus Rom im Studio Я des Gorki Theaters

Im Italienischen hat das Wort occupare eine schöne Mehrfachbedeutung. Neben besetzen meint es auch Sorge für etwas tragen, für etwas sorgen. Für das Teatro Valle, das älteste noch intakte Theater Roms (Baujahr: 1726), hat zwischen Sommer 2011 und Sommer 2014 eine Gruppe von Aktivist*innen, Künstler*innen und anderen Denker*innen gesorgt.

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Braunes Nirwana: „Fahrräder könnten eine Rolle spielen“ im Ballhaus Naunynstraße

„Fahrräder könnten eine Rolle spielen“ soll BKA-Chef Jörg Ziercke 2006 als Ermittlungsergebnis des NSU-Untersuchungsausschusses bekannt gegeben haben. So Mely Kiyaks Notizen, die als Material für die gestrige Uraufführung des neuen Stücks von Marianna Salzmann und Deniz Utlu dienten. Die Zuschauer erwartet aber kein Re-enactment und keine dokumentarisch Besonnenheit, sondern sie werden mit opulent-verspielter Fiktion beschossen, die jäh bricht und Hilfe im Appell sucht.

Die Zuschauer sitzen in schräg in die Ecken gedrückten Rängen und schauen auf ein ovales Bassin mit braunem Matsch. Alle sitzen sie drin, im widerlichen, braunen Matsch: Weiterlesen

Das Experiment entschuldigt sich, bevor es begonnen hat – „Beg your pardon“ im Ballhaus Naunynstraße

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Autogenes Training als Einbürgerungstest: „Deine Emanzipation und Individualität werden ganz schwer!“ Der Psychotherapeut, der mit dem Rücken zum Publikum sitzt, versucht seiner Patientin das Abendland in den Körper zu reden, die im nächsten Moment zur Interviewerin des Vertreters der rechtspopulistischen Volkspartei wird, um sich ein Duell mit ihm zu liefern: Er protzt mit heterosexuellem Charisma und sie bittet ihn, doch sein glattes Gesicht anfassen zu dürfen.

Bei solch lässiger Verspieltheit plus parodierter Ausländerpolitik weiß man sofort, dass man in der Naunynstraße sitzt. Wer aber meint, dies sei nun Exposition und Konflikt, hat sich geirrt. Weiterlesen