Ein Hörspiel mit Schminke und Mimik – „Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse“ in der Theaterkapelle

Von Gabriel Schimmeroth und Linus Westheuser

Die Kritik kann sich relativ kurz halten: Kafkas Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse (die auch auf diesem Blog bereits Thema war) ist eine über alle Maßen großartige Parabel auf die gesellschaftliche Position des Künstlers in der Moderne. In ihrem Zentrum steht eine Mäusesängerin, deren ‚Gesang‘ eigentlich nichts anderes ist, als das Pfeifen, das alle Mäuse permanent und ohne darüber nachzudenken von sich geben, und deren Aufführungen dennoch – oder gerade deswegen – Anlass für große Volksversammlungen der Mäuse sind, in denen diese sich, vermittelt über die Sängerin, ihrer Gemeinschaft vergewissern. Wer den Text nicht kennt, dem sei er dringend ans Herz gelegt.1 Wer nicht so gerne selber liest, der kann noch am Freitag den 29.11. in die Theaterkapelle gehen und sich dort eine sinnvoll gekürzte aber weitgehend unveränderte Hörspielfassung vom geübten Radiosprecher Ilja Pletner vortragen lassen. Pletner schminkt sich während diesem Vortrag, schaltet das Licht an und aus, zuletzt klettert er auf einen Tisch. So weit, so unzureichend für die Theaterbühne. Weiterlesen

Pole-Dance in der Gruft: „Tage des Zorns“ in der Theaterkapelle

Wenn man die schweren schwarzen Vorhänge beseite drückt, die jedem Stauballergiker Angst einjagen, gelangt man in die Gruft unter der Theaterkapelle. Kerzen verbreiten Schummerlicht, aus den Boxen in den Ecken summt ein Choral, die knapp dreißig Zuschauer grüppchenweise im Raum verteilt wirken tatsächlich ein wenig verschreckt, zumindest unsicher. Schließlich fliegt die Tür auf, heiser-konspirativer Gitarrensound, Dampf und gleißendes Licht spucken die Protagonisten aus. Franziska Naumann stolziert zur Pole-Dance-Stange, die in einem Quarré aus Gaze das Zentrum der Gruft markiert und beginnt sich zu winden und ins Publikum zu schmachten. Im Konstrast zu ihrer frivolen Körperlichkeit  wirkt ihr Gesicht mütterlich-gutmütig. Ilja Pletner stülpt eifrig ein Kondom über sein Mikro, würgt es sich in den Mund und schreit „Liebe!“, Weiterlesen

„Der Bau“ unterm Dach – Kein langweiliger Dreiakter

Einleitung

Ich komme einfach nicht los von dieser Struktur. Seit vier Semestern muss eine Hausarbeit nach der anderen geschrieben werden, immer der gleiche formale Quatsch. Die Einleitung schreibe ich natürlich wie gewohnt auch jetzt am Schluss, nur um dem ganzen Sinn zu verleihen, was der Ausblick dann utopisch oder gar wahrhaftig abrunden soll. Was dazwischen liegt, so viel sollt Ihr erfahren, ist eine Dichotomie aufbauend auf dem Doppelbegriff Bau/Dach. Derart gestaltet sich auch die Kapiteleinteilung, die auch vollkommen unabhängig, je nach Geschmack und Vorlieben, konsumiert werden können und in sich dennoch wie eine abgerundete Geschichte erscheinen. Weiterlesen