VORSCHAU: Was bringt der Juni?

Vielleicht gaben sich manche zuletzt schon beim Performing Arts Festival freie-Szene-mäßig die Kante. Und vielleicht ist es überhaupt müßig im Juni, wenn sich alle Welt zum Knutschen oder Kiffen an kleinen Wasserflächen versammelt, Ausgehtipps zu geben. Aber man kann ja auch mal bekifft ins Theater. Und händchenhaltend, mit großen Augen warten, dass der Vorhang aufgeht. Wie dem auch sei: Hier eine Auswahl von Premieren und allerlei Dienliches für den Juni!

Im Ackerstadtpalast bringen die Regisseurin Yael Gaathon und die Tänzerin Vangeline das absurde Körpertheater Butoh aus Japan mit der Musik Ludwig van Beethovens zusammen. “Dancing with Ghosts” zieht seine Inspiration Weiterlesen

Dank (N)Olympia: Berliner Senat stellt Milliarden für Freie Szene bereit! Unsere VORSCHAU sagt, was die Beglückten im April zeigen

Eigentlich ganz schön unrühmlich hatte Berlin sich auf den letzten Metern vom März, diesem Zaudermonat zwischen Eishölle und zartem Frühlingsknospen, verabschiedet. Nicht nur, dass der gut gemeinte Vorschlag, Frank Castorf, den König Lear unter den Intendaten, einfach bis zum letzten Atemzug in der Volksbühne anzuschmieden, seit gestern eine enttäuschende Antwort erfahren hat. Es hat auch, rund 30 Tage nach dem wie zum Hohn so benannten „meteorologischen Frühlingsanfang“, neulich plötzlich wieder ganz humorlos geschneit. Als sei himmlisches Übersprungsverhalten dieser Art nicht allein schon finster genug, fehlt uns seit vergangenem Wochenende auch noche ein volle Stunde Zeit. Gut, das mag allen so gehen, aber natürlich tut es in Berlin, wo damit vor allem wertvolles Nichtstun erodiert wird, unverhältnismäßig viel mehr weh als andernorts. Außer vielleicht in, genau, Hamburg. Denn dort hat man ja nun einen ganzen Berg Arbeit innerhalb eines straffen Zeitrahmens vor sich – ein Kelch, der an Berlin glücklich vorübergegangen ist. Weiterlesen

VORSCHAU: Was tut sich im Februar?

Februar in Berlin heißt für viele gerade Kino: Auf Berlinale-Parties tummeln sich mehr oder weniger wichtige Promis und feiern sich selbst. Und unzählig viel mehr Schauspieler_innen heften sich ein Badge vor die Brust, setzen ein klirrendes Lächeln auf, halten sich an Sektgläsern fest und bemühen sich, den Promis in den Arsch zu kriechen.

Wer darauf keine Lust hat, kann z.B. ins Theater gehen, in die Freie Szene. Da macht man so ähnliche Sachen, aber es wird eher Bier dabei getrunken.

1. Im Ballhaus Naunynstraße bringt die Akademie der Autodidakten DECOLONIZE BODIES! MINDS! PERCEPTIONS! auf die Bühne. Seit Herbst 2014 haben 12 junge Performer_innen unter der Leitung von Janine Jembere sich mit Rassismus Weiterlesen

VORSCHAU: Die Anlageberatung für den April

Ja, die Krise. Das Wort mag so wund benutzt sein, dass ihm schon die Buchstaben abfallen, es ernähren sich davon doch ganze Sparten des Bruttosozialprodukts. Sind Sie Berater im Finanzministerium, AfD-Kassenwart oder Mittelklassenseelenklempner mit Expansionswünschen, dann ist Ihnen das bekannt. Sonnenstrahlen im Frühling sind da immer potenziell geschäftsschädigend. Was denn tun, wenn es wieder allen gut geht? Ach und wie würden sie jammern, all die Coaches, wenn ALLE nun plötzlich ins Theater laufen würden, um sich all die politisch und gesellschaftlich inspirierten Stücke und Performances anzuschauen, die auch diesen April auf den „kleinen“ Berliner Bühnen Premiere feiern werden! Für uns zumindest ist ein zweistelliges Celcius keine Ausrede. Weiterlesen

Erfolgreiches Kidnapping – „Baba oder mein geraubtes Leben“ im Heimathafen Neukölln

Bild: Verena Edel

„Ladies and gentlemen, welcome on bord…“, die Stewardess befestigt einen riesigen, verstaubten Orientteppich an einem Seilzug. Sinan fliegt von Deutschland nach Dubai, zu seinen leiblichen Eltern. Er wird von seinen Brüdern lautstark begrüßt: Sie hauen ihm herzhaft auf den Rücken, sie kleiden ihn ein mit Kufiya und langem Gewand, stellen ihn der gesamten Verwandtschaft vor. Nebenbei bekommt Sinan eine junge Frau zur Heirat angeboten, Pläne für seine Zukunft werden geschmiedet, damit aus ihm etwas Vernünftiges wird und kein Schauspieler. Im Orientteppich allerdings klafft ein Loch durch das Sinan schlüpft: Seine Zukunft sieht er mitnichten in Dubai bei seiner aus dem Irak geflüchteten Familie…

…sondern zuhause in Deutschland. Sinan Al Kuris Leben wurde geraubt. Weiterlesen

VORSCHAU: Was blüht im März?

Für die Prophezeiung im März haben wir keine Tier geschlachtet und in deren Gedärmen gewühlt. Religiöse Orakelei ist ohnehin nicht mehr ganz zeitgemäß. Wir bedienen uns modernster Technologie und eigens entworfener Listen, und versinken im glasfasernduchzogenen Meer des Web 2.0, zapfen nach naivstem Wissen Big Data an und glauben aufs vermeintlich Unreflektierteste den Pressetexten, die am meisten Sog entwickelt haben. Alles wird gut. Weiterlesen

VORSCHAU: Was läuft im November?

Die Tage werden duster, die letzten Blätter in Tanks gesaugt, Lou Reed ist tot und im Fernsehen zeigen sie Ohrenoperationen. Wohin gehen? Nun, ins Theater natürlich. Unruhe im Oberrang stellt ab jetzt jeden Monat eine lose Auswahl von Premieren und anderen Veranstaltungen der kleinen Berliner Bühnen vor, die wir interessant finden und uns anschauen wollen. Für Qualität kann also nicht gebürgt werden, aber wenn es schlimm wird, ist immerhin noch jemand aus der Redaktion zum Lästern da. Nun schnell zur Auswahl: Weiterlesen

Rixdorfer Posse: „Zum feuchten Eck an der Sonnenallee“ im Heimathafen

Besonders in Bezug auf Neukölln bringt die Debatte um Gentrifizierung ununterbrochen verschiedene Phobien hervor. Gleichzeitig entstehen ungewöhnliche Formen der Solidarisierung und Identifikation: Spanier werden geschmäht, aber Portugiesen sind willkommen, Hip Hop ist Teil der Bezirks-Kultur, Jutesäcke Zeichen feindlicher Übernahme und die Eckkneipe wird Symbol einer vergangenen, goldenen Zeit – so oder so ähnlich tönen z.B. seit längerem Beiträge auf dem Internet-Sender “Freies Neukölln”. Und auch bei der jüngsten Uraufführung von “Zum feuchten Eck in der Sonnenallee” im Heimathafen in der Karl- Marx-Straße geht es vor allem um Identitätsstiftung und Gemeinschaftsgefühl, aber auch ganz nebenbei die Umdeutung des  (schlechten) Rufs von Neukölln.

In der aufgedrehten Musical-Komödie sieht man ein Neukölln des solidarischen weiblichen Proletariats, wobei das schablonenartige Verbraten der Protagonistinnen (die renitente Kneipière, die lüsterne Prostitu­ierte und die naive Putzfrau) an Schlüpfrigkeit kaum zu überbieten ist, wie schon der Titel erahnen lässt. Weiterlesen

Let’s break free! „Der Firmenhymnenhandel“ im Heimathafen Neukölln

 

In a world of deep confusion theres so much going on, we need a burning vision, a dream to make us strong. […] Are you ready for adventure, are you ready for something strange, are you ready for the future, are you ready for the change.“

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„Fun ist ein Stahlbad.“

Wem es abwegig erscheint, eine Verbindung zwischen diesen beiden Zitaten herzustellen, dem ist ein baldiger Besuch im Heimathafen zu empfehlen. Die Zusammenführung von den absurdesten Blüten des kapitalistischen Legitimationsbetriebs1 und Versatzstücken einer kulturkritischen Interpretation derselben2, ist Programm im Firmenhymnenhandel, dem Hybridgebilde aus Theaterstück, Musical und Videoclips von Thomas Ebermann, das am 8., 9. und 10. Dezember in Neukölln seine Berlinpremiere feiert. Weiterlesen