Dank (N)Olympia: Berliner Senat stellt Milliarden für Freie Szene bereit! Unsere VORSCHAU sagt, was die Beglückten im April zeigen

Eigentlich ganz schön unrühmlich hatte Berlin sich auf den letzten Metern vom März, diesem Zaudermonat zwischen Eishölle und zartem Frühlingsknospen, verabschiedet. Nicht nur, dass der gut gemeinte Vorschlag, Frank Castorf, den König Lear unter den Intendaten, einfach bis zum letzten Atemzug in der Volksbühne anzuschmieden, seit gestern eine enttäuschende Antwort erfahren hat. Es hat auch, rund 30 Tage nach dem wie zum Hohn so benannten „meteorologischen Frühlingsanfang“, neulich plötzlich wieder ganz humorlos geschneit. Als sei himmlisches Übersprungsverhalten dieser Art nicht allein schon finster genug, fehlt uns seit vergangenem Wochenende auch noche ein volle Stunde Zeit. Gut, das mag allen so gehen, aber natürlich tut es in Berlin, wo damit vor allem wertvolles Nichtstun erodiert wird, unverhältnismäßig viel mehr weh als andernorts. Außer vielleicht in, genau, Hamburg. Denn dort hat man ja nun einen ganzen Berg Arbeit innerhalb eines straffen Zeitrahmens vor sich – ein Kelch, der an Berlin glücklich vorübergegangen ist. Weiterlesen

Von Revolution, Kunst und Geflügel – „Große Vögel, kleine Vögel“ im Ballhaus Ost

Sein Bart ist längst nicht so schön buschig und weichkantig wie der des Originals. Beim Karl-Marx-Doppelgänger, der gegen Ende dieses Abends als Videoprojektion erscheint, wirkt das Haar eher wie mit der Heckenschere gestutzt, zerzaust und in Zacken abstehend. Ein ordentlich abgerockter Theorie-Saurier ist das und seine etwas fahrig dahingesprochenen Sätze klingen wie müde Durchhalteparolen aus der Eckkneipe: Der Sozialismus habe zwar versagt, aber der Kapitalismus sei doch längst genauso am Ende. Zweifelhafte Hoffnung auf Besserung wird beschworen, denn „nur zwölf Stunden hat die Nacht, danach kommt schon der Tag.“ Dass dieser Rechnung zufolge dem Licht ebenfalls nur zwölf magere Stunden beschieden sind, bevor die Dunkelheit es verlässlich wieder einholt, bleibt dabei ungesagt, aber unüberhörbar im Raum stehen. Weiterlesen

Schaumstoff-Exotik: „Die Schönen und die Schmutzigen“ von „Das Helmi“ im Ballhaus Ost. Ein Nachruf.

Die Puppenspielgruppe „Das Helmi“ ist spätestens seit Nicolas Stemanns „Faust I und II“ 2011 der Theaterszene ein Begriff. Was Brian Morrow, Emir Tebatebai, Florian und Felix Loyke dabei vor allem auszeichnet: Sie treten als Akteure gemeinsam mit den Puppen auf, sie schustern diese – ganz offensichtlich nicht für die Ewigkeit- aus Müllresten zusammen und es gibt kein Thema, vor dem sie zurückschrecken. Was dabei rauskommt, ist im Falle von „Die Schönen und die Schmutzigen“ im Ballhaus Ost weder Kinder- noch Erwachsenentheater, sondern eher Theater für Infantile jeden Alters (was ja zunächst einmal vielversprechend klingen sollte!).

Jeremy, ein dürrer Roma-Junge aus Schaumstoff, wird vom Jugendamt mitgenommen, nachdem er einen Späti ausgeraubt hat. Weiterlesen