Wo sind die Roboter? – L’OdYSSÉE von hotairproduction im Ballhaus Ost

Heute gehe ich mit meiner Lieblingsmaschine ins Theater. Wir hatten lange keine Zeit mehr zu zweit, aber die Vorschau verspricht Roboter als Darsteller und Musiker.

In der S-Bahn sitzt sie auf meinem Schoß und ich streichele sie zärtlich, während sie mir weiter vorliest: Maschinen auf der Suche nach ihrem Ursprung. (…) Roboter leiden, lieben und kämpfen mit den Göttern. (…) Kann ein Stück ohne Schauspieler die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewinnen und emotionale Reaktionen hervorrufen?

Im Ballhaus Ost werden wir in eine Kunstgalerie geleitet. Es hängen schwarze Bilder an den Wänden, an kleinen Tischen bekommt man von einer Dame in griechischer Tracht kostenlos Wein ausgeschenkt, ein Staubsauger-Roboter fährt eine weiße Gips-Skulptur durch die Gegend. Der Roboter spricht verzerrtes Deutsch, Englisch und Französisch:

Wir glauben an euch, die ihr uns Leben eingehaucht habt.

Als er an einem Kabel hängen bleibt, steht ein verlotterter Typ im goldenen Mantel aus einem Sessel auf und schlurft der Maschine zur Hilfe. Dann betrachtet er der die schwarzen Bilder eingehend. Hm… sagt der Typ, der einen prima Jesus von Nazareth abgeben würde oder den Dude aus The Big Lebowski, aber wo ist da der Unterschied, denke ich, beide sind Auserwählte, die mit der Welt wie sie eingerichtet ist, mächtig Probleme bekommen. Und beide sind Amerikaner, was man so hört.  Weiterlesen

#PAF16 – Teil III (Samstag) Unterwegs im Prenzlberg

Der Festival-Samstag hat die höchste Veranstaltungsdichte. Und die Veranstaltungen sind über die gesamte Stadt verteilt. Schnell stellt sich die Planungsfrage: Wie komm ich nach der Performance um 16:30 Uhr in Tempelhof zum Tanzstück in Pankow um 16 Uhr…?

Hier ein Vorschlag für den optimal ausgelasteten Tag im Prenzlauer Berg:

Option 2: Ein Tag durch den Prenzlberg

Im Prenzlauer Berg beginnt der Tag natürlich mit Kindertheater. Um 11 Uhr im Theater O.N. am Kollwitzplatz musizieren eine Bassklarinette, Wassergläser und Tenorstimme «Ein Kleines Stück Himmel» herbei. Das Musiktheaterstück reüssierte schon an der Deutschen Oper und ist für Kinder ab 2 Jahren.

stückhimmel

Danach ist genug Zeit für Mittagsnickerchen und Bio-Bärlauch-Rhabarbar-Brei. Ab 13 Uhr gibt’s dann im DOCK 11 die Chance, «15min» allein mit der Performerin Hyoung-Min Kim auf engem Raum zu verbringen und zu erfahren, was ein «Personal Space» ist.

Um 15 Uhr lädt das Ehemalige Stummfilmkino Delphi zur gemeinsamen Standortbestimmung mit der Schaubude ein. Weiterlesen

Bewegung in der Freien Szene: Tag 2 der Nachwuchsplattform beim Performing Arts Festival

Nach dem heutigen Auftakt geht es morgen mit der Nachwuchsplattform auf dem Performing Arts Festival weiter.

Auch am zweiten Tag des Festivals bespielt der Nachwuchs die größeren Häuser der Freien Szene Berlins: Wer möglichst überall hineinschnuppern will, kann zwischen den Sophiensælen, dem Ballhaus Ost und dem HAU pendeln. Es bleibt so divers wie schon am ersten Tag: Installationen, Vorträge, musikalische Performances und Tanz stehen zur Auswahl. Weiterlesen

Wilmersdorf! Und Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg und Schöneweide! Unsere Mai-VORSCHAU zeichnet ein Berliner Theater-Streckennetz.

Der Mai ist für die deutschsprachige Theaterlandschaft, was der Dezember für die Dienstleistenden der Weihnachtsmarktbranche ist: Man trifft sich, man misst sich, man tauscht sich aus. Dies geschieht vor allem im tiefen Westen der Stadt, beim Theatertreffen der Berliner Festspiele. Unser Autor Janis El-Bira berichtet als rasender Reporter des Theatertreffen-Blogs übrigens live über die Geschehnisse desselben.

Abgesehen von diesem Tête-à-Tête der Großen – oder der vermeintlich Großen – des Theaters haben wir einige Produktionen aufgetan, die es attraktiv machen, diesen Monat nicht dauernd in die U-Bahn zur Spichernstraße, zum Haus der Berliner Festspiele, zu steigen, sondern eben auch mal in die U8, die U2, die U6 oder die U7.  Weiterlesen

Dank (N)Olympia: Berliner Senat stellt Milliarden für Freie Szene bereit! Unsere VORSCHAU sagt, was die Beglückten im April zeigen

Eigentlich ganz schön unrühmlich hatte Berlin sich auf den letzten Metern vom März, diesem Zaudermonat zwischen Eishölle und zartem Frühlingsknospen, verabschiedet. Nicht nur, dass der gut gemeinte Vorschlag, Frank Castorf, den König Lear unter den Intendaten, einfach bis zum letzten Atemzug in der Volksbühne anzuschmieden, seit gestern eine enttäuschende Antwort erfahren hat. Es hat auch, rund 30 Tage nach dem wie zum Hohn so benannten „meteorologischen Frühlingsanfang“, neulich plötzlich wieder ganz humorlos geschneit. Als sei himmlisches Übersprungsverhalten dieser Art nicht allein schon finster genug, fehlt uns seit vergangenem Wochenende auch noche ein volle Stunde Zeit. Gut, das mag allen so gehen, aber natürlich tut es in Berlin, wo damit vor allem wertvolles Nichtstun erodiert wird, unverhältnismäßig viel mehr weh als andernorts. Außer vielleicht in, genau, Hamburg. Denn dort hat man ja nun einen ganzen Berg Arbeit innerhalb eines straffen Zeitrahmens vor sich – ein Kelch, der an Berlin glücklich vorübergegangen ist. Weiterlesen

Von Revolution, Kunst und Geflügel – „Große Vögel, kleine Vögel“ im Ballhaus Ost

Sein Bart ist längst nicht so schön buschig und weichkantig wie der des Originals. Beim Karl-Marx-Doppelgänger, der gegen Ende dieses Abends als Videoprojektion erscheint, wirkt das Haar eher wie mit der Heckenschere gestutzt, zerzaust und in Zacken abstehend. Ein ordentlich abgerockter Theorie-Saurier ist das und seine etwas fahrig dahingesprochenen Sätze klingen wie müde Durchhalteparolen aus der Eckkneipe: Der Sozialismus habe zwar versagt, aber der Kapitalismus sei doch längst genauso am Ende. Zweifelhafte Hoffnung auf Besserung wird beschworen, denn „nur zwölf Stunden hat die Nacht, danach kommt schon der Tag.“ Dass dieser Rechnung zufolge dem Licht ebenfalls nur zwölf magere Stunden beschieden sind, bevor die Dunkelheit es verlässlich wieder einholt, bleibt dabei ungesagt, aber unüberhörbar im Raum stehen. Weiterlesen

VORSCHAU: Was tut sich im Februar?

Februar in Berlin heißt für viele gerade Kino: Auf Berlinale-Parties tummeln sich mehr oder weniger wichtige Promis und feiern sich selbst. Und unzählig viel mehr Schauspieler_innen heften sich ein Badge vor die Brust, setzen ein klirrendes Lächeln auf, halten sich an Sektgläsern fest und bemühen sich, den Promis in den Arsch zu kriechen.

Wer darauf keine Lust hat, kann z.B. ins Theater gehen, in die Freie Szene. Da macht man so ähnliche Sachen, aber es wird eher Bier dabei getrunken.

1. Im Ballhaus Naunynstraße bringt die Akademie der Autodidakten DECOLONIZE BODIES! MINDS! PERCEPTIONS! auf die Bühne. Seit Herbst 2014 haben 12 junge Performer_innen unter der Leitung von Janine Jembere sich mit Rassismus Weiterlesen

Insight Men – Design ist keine Demokratie!

Die Anonymous-Maske ist ein Symbol, ein Zeichen, eine Marke, wie der Mercedes Stern, der Apple-Apfel oder der Coca Cola Schriftzug. Ihren Ursprung findet sie in Guy Fawkes, dem Staatsfeind, dessen Plan, das englische Parlament am 5. November 1605 mit 36 Fässern Schwarzpulver in die Luft zu jagen, nur knapp vereitelt werden konnte. Bis heute stehen seine Züge als Logo der Anonymous Bewegung für politischen Widerstand und sie in eine Reihe mit dem Apple Logo zu stellen ist pietätlose Polemik. Was würde Che Guevara dazu sagen?
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