Verträumte Architekten im Neonlicht – „Subway to Heaven“ von Torsten Holzapfel und Martin Clausen im Theater Thikwa

Ein Artikel von Gesche Beyer

Torsten Holzapfel steht vorm Spiegel. Fletscht die Zähne. Grinst. Zieht die Mundwinkel herunter, sodass sich sein Gesicht in eine Trauermiene verwandelt. Dann lehnt er sich weit nach vorne, ist seinem Spiegelbild nun ganz nah – so nah, dass er etwas zwischen seinen Zähnen entdeckt. Prompt streckt er die Hand aus, um es zu beseitigen. Oder ist es Martin Clausen, der sich in diese lautlose Kommunikation mit seinem dreidimensionalen Spiegelbild vertieft? – Wer genau uns (und sich selbst) hier eigentlich gegenübersteht, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Denn in Subway to Heaven, der neuen Inszenierung Gerd Hartmanns am Theater Thikwa, verschmelzen die beiden Performer in einem wunderbar abgestimmten, fröhlich-heiteren und doch von melancholischen Klängen durchzogenen Spiel miteinander; „Ich bin Martin Holzapfel!“, „Mein Name ist Torsten Clausen Holzapfel!“ – So und in weiteren ähnlichen Variationen stellen sie sich dem Publikum vor.

Die schlimme Kindheit in der Besenkammer Weiterlesen

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Rambo, Sex und Zuschauerinnen auf vier Beinen – Thikwa und Monster Truck präsentieren „Regie“!

Foto von Florian Krauss

Lange nachdem die letzte Zuschauerin den Hochzeitssaal verlassen hat, stehen immer noch die Akteurinnen des Theater Thikwa (Sabrina Braemer, Jonny Chambilla, Oliver Rincke) auf der Bühne der Sophiensaele und tanzen zu deutschem Schlager. Das Ende von „Regie“ unter der Produktion von Monster Truck hatte Volksfestcharakter. Es war ein offenes Ende einer scheinbar freien Regiearbeit der drei Thikwas.

Monster Truck provozierte mit „Dschingis Khan“ (2012) eine Kontroverse in der freien Theaterszene à la Love-It or Hate-It. Sie schufen eine mongolische Völkerschau-Satire und besetzten jene mit den drei Down-Syndrom-Akteurinnen des Theater Thikwa. „Regie“ wirkt nun wie ein Meta-Kommentar auf diese Kontroverse und wirft Fragen der Selbstermächtigung und Emanzipation auf. Und viel interessanter: Was ist überhaupt Regie? Und wie überbrückt man die Kluft zwischen Vorstellung und Realisierung? Weiterlesen

Zum Abschuss freigegeben – Theater Thikwa mit „Vogelfrei“ beim NO LIMITS

Foto David Baltzer

Aus dem Off eine Stimme. Sie gibt Feldpositionen vor: „3B“, „5A“, „2 grün“, „9A“, „-3“. Bestimmend führt sie ihre Spielfiguren und gibt die Bewegungen vor. Höhnisch lacht sie über die Figuren, wird herrisch, sobald sie das Kommando über die Gruppe zu verlieren scheint: „RUHE!“ Kurze Stille tritt ein, bis aus der Gruppe jemand beginnt mit dem Hocker über das graue Karree der Bühne zu rutschen und die anderen ihm folgen. Weiterlesen