Wilmersdorf! Und Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg und Schöneweide! Unsere Mai-VORSCHAU zeichnet ein Berliner Theater-Streckennetz.

Der Mai ist für die deutschsprachige Theaterlandschaft, was der Dezember für die Dienstleistenden der Weihnachtsmarktbranche ist: Man trifft sich, man misst sich, man tauscht sich aus. Dies geschieht vor allem im tiefen Westen der Stadt, beim Theatertreffen der Berliner Festspiele. Unser Autor Janis El-Bira berichtet als rasender Reporter des Theatertreffen-Blogs übrigens live über die Geschehnisse desselben.

Abgesehen von diesem Tête-à-Tête der Großen – oder der vermeintlich Großen – des Theaters haben wir einige Produktionen aufgetan, die es attraktiv machen, diesen Monat nicht dauernd in die U-Bahn zur Spichernstraße, zum Haus der Berliner Festspiele, zu steigen, sondern eben auch mal in die U8, die U2, die U6 oder die U7.  Weiterlesen

Foreign Affairs (VI) – FC Bergmanns „Van den vos“ und die Grausamkeit des Menschen

Wenn dir übel ist, trinke einen Schnaps. Altes Hausmittel! Nach der gestrigen Eröffnung des Foreign Affairs Festivals der Berliner Festspiele durch FC Bergmanns Inszenierung „Van den vos“ hatte man einen alkoholischen Downer auch dringend nötig. Es gab zwar nichts Hochprozentiges, aber kostenlosen Wein und Käse – auch gut zur Bekämpfung des flauen Gefühls, das einem nach der Vorstellung bleibt. Weiterlesen

Foreign Affairs (V) – FC Bergmann ist FA-Meister! Jetzt: „300el x50el x30el“ und Rodrigo Garcías „Gólgota Picnic“ in der Analyse.

„Wir wollen Projekte machen über Menschen, die sich bemühen ihr Leben zu gestalten, und immer wieder scheitern.“ [1]

Das Projekt, das aus diesem Satz entstand, ist 300el x50el x30el von einer Theatergruppe aus Antwerpen, deren Name es sich zu merken gilt: FC Bergman.
FC, weil ihnen die Idee eines Clubs, indem Menschen gemeinsam etwas unternehmen, gefiel und zugleich den nach eigenen Aussagen „naiven Gedanken“ eines Kollektivs aus Gleichberechtigten verwirft, da man immer „als Company“ endet, „in der jeder ihre oder seine Rolle hat.“ [1]
Bergmann, weil es Ingmar gab und Film einen großen Einfluss nimmt auf die Company, die auf den Gipfel des Berges strebt, um einen besseren Blick auf die Welt zu haben. Weiterlesen

Foreign Affairs (IV) – andcompany&Cos „Black Bismarck previsited“ als ein Lehrstück für Brett Baileys „Medeia“

Mit Black Bismarck previsited stellte andcompany&Co  im Rahmen der Foreign Affairs den ersten Zwischenstand ihrer für 2013 geplanten Produktion im HAU vor. Das Zwischenresultat, das präsentiert wurde, macht viel Lust auf mehr. Das Lecture Konzert im Haus der Berliner Festspiele wurde dabei als Konferenz gesettet und Alexander Karschina macht gleich klar in welche Richtung geblickt wird. Recherchiert wurde nicht in Afrika, recherchiert wurde hier. Hier, wo die Berliner Konferenz im Winter 1884/85 unter Otto von Bismarck mit Weltmachtfreunden stattfand, um mal schnell Nägel mit Köpfen zu machen und willkürlich gerade Linien durch Afrika zu ziehen – so wie sie bis heute bestehen. Weiterlesen

Foreign Affairs (II) – Boris Charmatz‘ „Enfant“ vs. Markus Öhrns/Institutet/Nya Rampens „We love Africa and Africa loves us“

Vor uns ein schwarzes Loch. Wir blicken tief hinein, wissen aber nicht wie tief. Neugierde macht sich in mir breit. Was wohl gleich in diesem Nichts entstehen wird? Über die Köpfe der Zuschauer arbeitet sich ein Licht nach vor ins Schwarz. Mein Blick schweift über die gelblich erleuchteten Köpfe und bleibt am Kran auf der Bühne hängen. Er bewegt sich. Ein Seil gibt ihm die Richtung vor. Er schwenkt nach rechts. Das Seil ist gespannt. Plötzlich ein Klacken, das Seil erschlafft und der Kran rotiert zurück. Langsam wird das Seil wieder gespannt. Ein Surren dringt immer klarer an mein Ohr. Es ist ein Gewinde. Es ist der Kran, der über das Seil bestimmt, nicht anders rum. Er rollt es auf, immer schneller und durch den Theaterraum hallt ein metallisches Schlagen, sobald sich das Seil aus der nächsten Verankerung löst. Immer und immer wieder reißt sich das Seil los und knallt gegen die Holz-, Metall- und Betonfassade des Bühnenraums bis am Ende des Seils ein lebloser Körper auf die Bühne gezogen wird. Bald hängen zwei leblose Körper kopfüber am Kran und werden spielerisch hoch und runter gefahren. Alles funktioniert wie am Schnürchen Weiterlesen

Foreign Affairs (I) – Symposium: Stages of Colonialism / Stages of discomfort. Oder wie eine wissenschaftliche Konferenz zu einer Bühne des Unbehagens wird.

Unter dem neuen Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, und der Kuratorin, Frie Leysen, findet zum ersten Mal das internationale Festival für Theater und performative Künste Foreign Affairs statt. Vom 28.09. – 26.10.2012 präsentieren 19 Künstler aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa in Berliner Spielstätten (Haus der Berliner Festspiele, Sophiensaele, Ballhaus Ost und Kleiner Wasserspeicher) „ihre Visionen, ihre Befürchtungen und Träume, ihre persönliche Perspektive und kritische Analyse unserer Welt, unserer Zeit und unserer Gesellschaft“, um den Worten Leysens zu folgen. Das Festival steht im Zeichen individueller künstlerischer Perspektiven, die mittels ihrer eigenen ästhetischen Sprache (skandalöse) Angelegenheiten des Fremdseins (Rassismus, Einsamkeit, Kolonialismus, etc.) behandeln.
Wie unangenehm Auseinandersetzungen mit dem Anderen und den eigenen An- und Einsichten sein können, zeigte sich gestern (03.10.2012) im Rahmen des Symposiums: Stages Colonialism / Stages of discomfort. Was die Aussagen der fünf vortragenden Akademiker und dem Regisseur Brett Bailey konstativ festhielten, entwickelte im Verlauf der wissenschaftlichen Konferenz eine performative Dynamik, die die Räumlichkeit der Berliner Festspiele in eine Bühne des Unbehagens verwandelte. Weiterlesen