PAF – Teil II: The Weekend

Nach dem Tag Pause, der zumindest alle Teilnehmenden/Feiernden eher noch erschöpfter zurück lassen wird als vorher, fängt Freitag der Hauptteil des PAF-Programms an und damit auch der Kampf gegen die Überfülle an Programmpunkten. Gerne assistieren wir von UnruheimOberrang euch bei eurem Weg durch den Festivaldschungel und präsentieren euch eine Auswahl an Stücken und Events.

Voilà:

Mit Ecole Flaneur, einer Walking Performance im öffentlichen Raum, werden wir eingeladen mit unserem ganz persönlichen Flaneur durch Berlin zu streifen (mehrfach Freitag und Samstag beim EDEN*****). Allons-y les enfants!

Ebenfalls draußen wird sich gestritten: in I am reality (die elektroschuhe) dürfen die Zuschauer_innen einem streitenden Pärchen vor dem Baumarkt zusehen; eine Wohltat für alle Singles, die sich im IKEA schon einmal nur mit Zimtrollen über ihre Einsamkeitsgefühle hinwegtrösten konnten.

Site specific wird’s in einer Wohnung im Prenzlauer Berg, in der um 16,18 und 21 Uhr (und nochmals Samstag um 16 und 18 Uhr, 21 Uhr Englisch, Sonntag 3x Englisch) Einblick gewährt wird in das Innenleben von Max Howitz, unter dem Titel: ALL TAG.

In Herakliden.Net können wir einen Vorgeschmack bekommen auf die digitale Zukunft 5.0 oder so, in der sich Computerspiel und Realität vermischen. LAN Party goes PAF! (Fast das ganze Wochenende über in der Willner-Brauerei-Berlin).

In dem von uns vorgestellten Greenhouse gibt’s zu jeder vollen Stunde ab 20 Uhr Hauen und Stechen von LWOWSKI•KRONFOTH•MUSIKTHEATERKOLLEKTIV. Wie so oft versucht das Kollektiv den Raum ihrer Aufführung miteinzubeziehen, was gerade bei dieser Location verspricht spannend zu werden.

Schlager als Chance: In meiner Bluse platzt die Primel von Verena Unbehaun und Stefan Hillebrand, zu sehen im Theaterdiscounter um 22 Uhr (Sonntags nochmal um 19 Uhr), sollte allein schon wegen des Untertitels „Minimalistisches Bürokonzert“ besucht werden.

Außerdem könnt ihr euch im ehemaligen Stummfilmkino Delphi davon überzeugen, dass auch die Oper in Berlins Freie Szene Einzug erhält und erhalten sollte. Die Berlin Opera Group führt Le nozze die Figaro auf, ein klassisches BäumchenWechselDich – Liebes Drama, mit tollem Gesang und in wunderschönen Räumlichkeiten, die für Live-Musik und -Gesang gebaut wurden.

Wem es eher nach gemütlich und weniger Drama ist, darf sich raus nach Friedrichshagen wagen, wo in den Lake Studios die workinprogress der derzeitigen artists in residency vorgestellt werden (Unfinished Fridays Performance Evening) Und wo lässt sich das allabendliche Gewitter schon besser verfolgen als direkt am See?

Also, genießt den ersten Wochenend-Festivaltag und macht euch bereit für ein dreitägiges Performancegewitter!

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Off the beaten track – der Guide zur Berliner Freien Szene

Lotte Marlene Thaa und David Meiering

Das Performing Arts Festival hat sich zum Ziel gesetzt auch unbekanntere Orte für Theater, Tanz und Performance-Kunst ins Bewusstsein der theaterinteressierten Menschen Berlins zu bringen.

Ateliers, Cafés, der „öffentliche Raum“, private Wohnzimmer – Orte, die oft nur Kunstschaffenden vorbehalten sind, werden im Rahmen des Festivals auch Normalsterblichen zugänglich gemacht und erlauben so einen erweiterten Blick auf die Stadt und ihre sehr lebendige, aber oftmals, ob freiwillig oder nicht, doch ein wenig unter sich bleibende Kunstszene. Die Unruhe-Kapazitäten erlauben es nicht, jede Spielstätte vorzustellen, aber wir haben eine kleine Auswahl von besonders exotischen Orten getroffen. Von weit außerhalb des Rings liegenden Orten bis zu Spielstättenjungfrauen wollen wir euch ermutigen, auch gerade die unbekannten Teilnehmer_innen des Festivals zu besuchen.

Greenhouse Berlin

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Wenn es das Greenhouse nicht schon gäbe, wäre die Stadt Berlin aus Imagegründen verpflichtet, eine solche Institution irgendwo aufzubauen. Mehr Berlin geht eigentlich nicht, als ein leerstehendes Arbeitsamt, das von Künstler_innen aus aller Welt als Studio, Proberaum und Bühnenspace genutzt wird – inklusive Non-Profit Café und Aussicht auf Schrebergärten.

Schon allein für dieses Panorama lohnt es sich den 8. Stock dieses Gebäudes zu besuchen, wo die PAF-Veranstaltung am Freitag stattfinden wird. Das Bonobo Café im 1.Stock bietet für die thriftigen Besucher_innen, die ihr eigenes Geschirr und Besteck mitbringen, Essen und Getränke, selbstredend alles auf Spendenbasis, wir sind hier ja schließlich nicht in London oder Paris. Die BZ verhandelte das Greenhouse unter der Überschrift: „Hippie-Kommune haust in Ex-Arbeitsamt und zahlt überhöhte Mieten.“ Auch damit ist Berlin 2016 wohl ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Wer mitreden will, sollte also schon hier gewesen sein.

Gottlieb-Dunkel-Str. 43/44, 8. Stock, 12099 Berlin | http://greenhouse-berlin.de/about.html

Agora Collective

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In der Mitte von Neukölln und doch etwas versteckt im Niemandsland zwischen Hermannstraße und Karl-Marx-Straße gelegen, bietet das Agora Collective nicht nur ein nettes Café im Grünen, sondern auch Ateliers, eine Artist Residency und einen Coworking Space. Interessant ist diese Institution auch deshalb, weil sie prominent bei der Neugestaltung des Geländes der Kindl-Brauerei vertreten ist. Nur fünf Minuten Fußweg entfernt entsteht dort die zweite Zweigstelle des Kollektivs, womit sie an einem der Neuköllner Kieze sitzen, die sich am schnellsten verändern. Erst diesen Samstag wurde die neue Treppe zwischen dem Gelände und der Isar/Neckarstraße eingeweiht, was stark nach piefiger Lokalpolitik klingt, aber mit einem Kiezfest gefeiert wurde, bei dem klar wurde, dass es durchaus eine hohe Bereitschaft gibt diesen bis dato eher ausgestorbenen Teil von Neukölln zu nutzen.

Am Freitag findet im alten Agora-Gebäude der Fachtag des PAF statt, für den man sich bis zum 25. anmelden muss; einen Café trinken kann man hier aber so gut wie immer.

Mittelweg 50, 12035 Berlin | www.agoracollective.org

District

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Zwar verschlägt es Frischzugezogene wie Alteingesessene gelegentlich ins Gewerbelabyrinth unterhalb des Südkreuzes; allerdings endet die Exkursion meistens nach kurzer Zeit mit neuen Topfpflanzen und Schreibtischlampen. Dabei verbirgt sich hinter der Betonwüste des Ikea-Parkplatzes eine regelrechte Kulturoase: die Malzfabrik. Das alte Mälzereigelände stellt mit seiner Industriearchitektur nicht nur einen perfekten Drehort für Filmproduktionen dar, sondern veranstaltet dieses Jahr auch ein Musikfestival auf der Malzwiese. Die vielen ehemaligen Produktionshallen bieten allem einen Platz, was mit Kunst und Kultur zu tun hat – darunter auch „District Berlin“, ein Kunstraum, der eine große Ausstellungshalle und Künstler_innenateliers umfasst. District bietet nicht nur jungen Künstler_innen die Chance, ein Atelierstipendium zu ergattern, sondern versucht auch mit seinen Projekten aus dem abgeschlossenen Kunstzirkel hinaus in die Stadt zu wirken. So untersuchen Künstler_innen und Kinder der Großraumsiedlung Marzahn-Hellersdorf zusammen die Bauweise der sozialistischen Stadt im aktuellen Projekt „Raumschiff Marzahn“. Für das Performing Arts Festival lädt District die Besucher_innen aber zunächst in die eigenen Räume ein: Im Rahmen der Installation „Public Speaking“ findet die Konzertperformance „Raze de Soare“ am Freitag, den 27.5. um 21 Uhr in der District-Veranstaltungshalle in Haus G statt. Der Ausbruch aus dem Berliner Ring lohnt sich!

Bessemerstraße 2-14, 12103 Berlin | www.district-berlin.com

Ehemaliges Stummfilmkino Delphi

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Zwar nicht in der geographischen Mitte, aber doch im Epizentrum der Freien Szene, befindet sich das ehemalige Stummfilmkino Delphi. Eine berlintypische Erzählung von Leerstand, Ankauf, Nachnutzung und künstlerischer Wiederbelebung, hat diese schicke Reminiszenz an die 20er und 30er hervorgebracht. Aus dieser Zeit stammt dieses wunderhübsche Gebäude, dessen Entstehungsgeschichte bereits ein wenig Tragik enthält: Wie der heutige Name andeutet als Stummfilmkino gebaut, wurde das Kino schon ein Jahr später, mit dem Aufkommen des Tonfilms, anachronistisch. Mit dem heutigen Anspruch jeglicher Form von (Performance-) Kunst einen Raum zu bieten, ist die Institution heute alles andere als anachronistisch (das belegen schon die 174 Berliner Kneipen mit ähnlich unverputzten Wänden) und verspricht, ein spannender Ort für den Kiez aber auch darüber hinaus zu werden/bleiben. In der Ruinenporn-Ästhetik-Kulisse wird hier Donnerstag und Freitag die Berlin Opera Group mit Le Nozze di Figaro das Spektrum des Festivals um ein eher ungewöhnliches Genre bereichern. Über das Entstehen einer Off-Opera Szene wird auch im Gespräch mit theaterscoutings vor der Vorstellung diskutiert werden. Irgendwie passend in einem Gebäude eines so gut wie ausgestorbenen Genres eine der (vermeintlich) altmodischsten Formen des Theaters wiederzubeleben.

Gustav-Adolf-Straße 2, 13086 Berlinhttp://ehemaliges-stummfilmkino-delphi.de/

Lake Studios Berlin

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Idyllischer geht’s kaum: wildwuchernder Garten mit Schaukel, Tanzsaal mit Deckenfenster zum blauen Himmel – in den Lake Studios in Friedrichshagen fühlt man sich wie in einer stilvollen und doch bodenständigen Künstlerkolonie auf dem Lande. In den Räumlichkeiten wohnen insgesamt 9 Künstler_innen in Kurzzeit-Residencies oder auch permanent. Dabei handelt es sich jedoch keinesfalls um einen Versuch, klösterliche Abgeschiedenheit herzustellen. Zahlreiche Tanz- und Yogakurse, Workshops und Abendveranstaltungen öffnen diesen Ort für lokales und aus dem Innern des Rings angereistes Publikum. So auch während des Performing Arts Festivals, dessen Intention, den Horizont der Berliner Theatergänger_innen zu erweitern, hier voll aufgehen dürfte. Im Gegensatz zu den zentralen Hauptstadtlocations verspricht hier auch das Miteinander nach der Vorstellung intimer auszufallen – die Kunstschaffenden wohnen schließlich hier und allzu viele hippe Alternativen für das Glas Wein oder Bier danach gibt es auch nicht. Wer also am Freitag die Zeit findet (nur 35 Minuten vom Alexanderplatz, wenn die S-Bahn funktioniert, die Peripherie rückt näher!) sollte sich die Stücke der derzeitigen Artists in Residence anschauen und im Anschluss mit ihnen darüber plaudern.

Scharnweberstr. 27, 12587 Berlin | https://lakestudiosberlin.com

Selbst wenn ihr vor lauter Hauptstadtbetriebsamkeit nicht dazu kommen solltet, euch eine der Performances im Rahmen des PAF anzugucken, solltet ihr die exotischeren Spielstätten Berlins im Blick behalten. Viele der Orte bieten regelmäßig Veranstaltungen an oder können auch von euch für eure nächste Polit-Versammlung oder Erstkommunion genutzt werden.

Performing Arts Festival Berlin: 6 Tage lang 279 x Freie Szene – followed by Unruhe im Oberrang

Am Montag, den 23.5. geht’s los: Das größte Festival der Freien Szene Berlins startet mit über 120 Produktionen in 279 Veranstaltungen. „Festival der Superlative“ schwärmt die taz.

Unruhe im Oberrang goes Festival!

Wir finden: Das ist ein angemessener Rahmen für die Vielfalt der Berliner Freie Szene. Deshalb ist Unruhe im Oberrang dieses Jahr Medienpartner und Unterstützerin des Festivals. Wir helfen den neugierigen Besucher_innen mit Infos&Tipps und begleiten kritisch das Festivalprogramm mit Tagesvorschauen, Kommentaren, Kurzkritiken auf Facebook und Twitter.

Schon die Spielorte des Festivals sind eine Attraktion: Von der Willner-Brauerei bis zur Studiobühne Alte Feuerwache gibt’s Kiezatmosphäre zu schnüffeln. Selten öffnen mit über 50 Spielorten so viele Kunsträume ihre Türen, um die Arbeits- und Lebenswelten Berliner Künstler_innen zu zeigen. Sogar in eine Privatwohnung im Prenzlberg werden die Besucher_innen gelockt. Alle Spielstätten finden sich hier.

Wo soll ich bloß anfangen?

Gäbe es das Programm mit Ankündigungstexten als Buch, ließen sich damit Ratten erschlagen, so breit und vielfältig ist die Auswahl an Veranstaltungen. Auf der PAF-Website findet Ihr hier das Programm. Um damit fertig zu werden und Orientierung zu bieten, veröffentlichen wir jeden Tag Vorschauen auf die spannendsten Events des folgenden Tags. Wichtig zu wissen ist außerdem: Das Festival besteht aus drei Teilen:

1. Der Nachwuchsplattform vom 23. bis 25. Mai.
2. Dem rauschenden Festivalfest am Donnerstag, den 26. Mai.
3. Dem extravaganten Hauptteil, der auch für internationales Publikum geeignet ist, vom 27. bis 29. Mai.

Das heißt also, während der ersten drei Tage kann sich jede_r langsam ans Festivalhoppen herantasten, um dann am Donnerstag wild zu feiern und sich dann mit dem Wochenendprogramm von morgens bis abends den Rest zu geben.

Was passiert morgen?

Hauptspielstätten der Nachwuchsplattform vom 23.-25. Mai sind der Theaterdiscounter, das Ballhaus Ost und das HAU2. Also ab ins Zentrum! Schon am ersten Abend wird das ganze Spektrum präsentiert: Tanz, Solotheater, Publikumsbeteiligung – alles dabei.

1. In Admission to a new reality – Eintritt in eine neue Realität experimentieren die Zeitbanditen* and friends mit Intimität, auf und vor der Bühne des Ballhaus Ost (19 Uhr). Die Frage des Abends: Was könnte ein Glaube sein jenseits von Religion?

2. Oder lieber doch in den Theaterdiscounter? Hier erforschen Sunia Asbach und Darko Radosavljev in Federn lassen choreographisch Bewegungsqualitäten und – dynamiken: Auch hier geht’s um Intimität, aber auch um Sperrigkeit. Eine Performance mit einer ehemaligen Matratze (auch 19 Uhr).

3. Danach schnell, schnell weiter. Um 21 Uhr wagt sich Lois Bartel mit Unordentliche(n) Verhältnisse(n) in beunruhigend chaotische Hörwelten im Theaterdiscounter. In der Doppelvorstellung wirft Felix Lüke in Unser Herr Kießling oder: Gedanken zur Situation Deutschlands mit Lokalkolorit um sich. Er nimmt die Perspektive eines Berliner Politikers ein, woraus eine Stadtrundfahrt der besonderen Art entsteht. Hier der spaßige Trailer.

4. Im HAU 2 hagelt’s um 21 Uhr Sozialkritik – oder doch schon wieder Kunstkritik …? In Das Stück mit der Zweckmäßigkeitsfrage stellt ScriptedReality sich der Fragen von Zweck oder Zwecklosigkeit von Kunst im Kontext von ökonomischer Krise.

5. Um 23 Uhr gibt’s im Theaterdiscounter dann die Mitternachtssuppe. Also auch dafür ist gesorgt.

Wie komm ich an Karten?

Tickets für zahlreiche Veranstaltungen des Performing Arts Festival können über Reservix online gebucht werden. Die Ticketlinks hierfür finden sich bei den jeweiligen Veranstaltungen im Programm. Aber: Für einige wenige Veranstaltungen des Performing Arts Festival ist der Ticketkauf nur direkt über die Veranstaltungsorte/Gruppen möglich. Schaut also ins Programm. Am Wochenende lohnt es sich viel zu gucken: Beim Kauf von 3 Tickets gibt’s einen Rabatt von 10 % auf den Gesamtpreis, beim Kauf von 10 Tickets sogar einen Rabatt von 20%.

Wir wünschen ganz viel Spaß beim Festival!

Eure Unruhe Im Oberrang

Perfoming Arts Festival followed and powered by Unruhe:
Facebook: https://www.facebook.com/PerformingArtsFestivalBerlin/?fref=ts
Twitter: https://twitter.com/PAFBerlin (@PAFBERLIN, #PAFBerlin)
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Die Würde des Menschen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit – Die Paulsens II im Theater im Kino

 

Paulsens II

© Girl to Guerilla

Die Familie Paulsen wohnte vor einem Jahr noch im Wedding, doch es drohte sich an, dass sie weggentrifiziert würde. Glücklicherweise konnten alle Paulsens (Mama Daniela, die Söhne Tristan, Harry, Stefan, Jörg, Harrys Sohn Dieter) bei den Movie Kingdom Studios in der Boxhagener Straße 18 in Friedrichshain Unterschlupf finden. Der Preis für die Wohnung: Sie müssen täglich Besucher_innen Zutritt in ihre Wohnung gewähren, ihren Alltag teilen und abends (natürlich ebenfalls vor Publikum) eine Sitcom drehen, deren Skript von Sohn Tristan, dem aufstrebenden Regisseur der Familie, stammt.

Das Kollektiv Girl to Guerilla erkundet mit „Die Paulsens II“ vom 11. bis zum 15. Mai das sog. „Hartz-TV“ im TIK bzw. in den Movie Kingdom Studios. Mit Raufasertapete, Holzschalen aus den 70er Jahren, einem Plasma-Bildschirm mit Playstation, Familienfotos und allerlei anderem ist die Wohnung der Familie, die abends zum Set wird, ausgestattet. Was treibt die Familie dort den ganzen Tag?

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Der gute Mensch von WARTE11: „Heimatgefühle“ in den Spreewerkstätten

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Foto: WARTE11

Heimat, was ist das eigentlich? Gerade heutzutage, wo laut UNO-Flüchtlingshilfe mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind. Das fragt sich das Duo WARTE11 (Lea Langenfelder, Nils Kirchgeßner), das in Berlin die Performance „Heimatgefühle“ vom fünften bis zum achten Mai in den Spreewerkstätten in Mitte zeigte.

Nach einem Glas Wein im Foyer zu „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ der Knef, was immer ein heimeliges und für mich ungreifbares Gefühl des Westberlins der 60er auferstehen lässt, wird das Publikum in den Saal gelassen, der mittels Baustrahlern in ein surreal-überhelles Licht getüncht ist, das von goldenen Rettungsdecken reflektiert wird. Die Rauminstallation mit Holzbänken stammt von Marina Sylla und Florian Hauß (+Kollektiv), die Technik von Sebastian Arnd. Im Bankkreis sitzt man um die beiden Performer, die sich während der ca. 45-minütigen Performance mehrmals annähern und abstoßen, sich angrinsen oder panisch betrachten, das Publikum betrachten. Das Publikum selbst kann sich durch die Sitzanordnung ebenso im Auge behalten wie die Performer, während man sich fragt: Was sind Heimatgefühle, wenn man sie durchdekliniert?

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„Our true inner self is full of shit.“ In „Privacy“ am HAU spielen De Warme Winkel & Wunderbaum mit den Grenzen der Intimität

Von Felix Krause und David Meiering

Was ist eigentlich das Private?

Das Stück „Privacy“ behandelt die Problematik des Privaten auf mehreren Ebenen, denn Wine Dierickx und Ward Weemhoff spielen nicht nur ein Künstlerpaar, die sich der Öffentlichkeit exponieren, sondern sind laut Programmheft auch in „Wirklichkeit“ ein Paar. Allein diese Konstellation wirft die wesentlichen Fragen des Abends auf, noch bevor er beginnt: Wo verläuft die Grenze zwischen Spiel und Realität? Spielen die beiden sich wirklich selbst? Gibt es so etwas wie „Authentizität auf der Bühne“ überhaupt?

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Zwischen Séance und Leichenschmaus – „Experimenting Müller“ am HAU

Von Marlene Schock und David Meiering

Eine Woche lang nimmt das HAU mit dem Festival Heiner Müller! die Kommunikation mit einem Toten auf: Heiner Müller.Wie viel dabei der Ikone des DDR-Theaters wirklich zugehört, oder doch eher mit sich selber gesprochen wurde, ob seine Leiche dabei genüsslich vernascht oder doch eher im Kerzenschein verehrt wurde – um das herauszufinden besuchten Marlene Schock und David Meiering den Performance-Abend „Experimenting Müller“.

Vier Stücke sind aus der Auseinandersetzung mit Heiner Müller entstanden, drei Performances und ein Film. Eine Stärke des Abends ist, dass trotz der Monothematik des Müller’schen Schaffens sehr verschiedene Aspekte herausgetrennt und in den jeweiligen Stücken behandelt wurden.

Vom Verlust der Utopie und der Einheit der Identität über die Ewige Antike, das Thema der Schuld und des gewaltsam entstellten Körpers bis hin zur Bearbeitung der (kommunistischen) Geschichte   Bruchstücke zahlreicher monumentaler Themenblöcke werden an diesem Abend in den Zuschauersaal geschleudert. Weiterlesen

Von Revolution, Kunst und Geflügel – „Große Vögel, kleine Vögel“ im Ballhaus Ost

Sein Bart ist längst nicht so schön buschig und weichkantig wie der des Originals. Beim Karl-Marx-Doppelgänger, der gegen Ende dieses Abends als Videoprojektion erscheint, wirkt das Haar eher wie mit der Heckenschere gestutzt, zerzaust und in Zacken abstehend. Ein ordentlich abgerockter Theorie-Saurier ist das und seine etwas fahrig dahingesprochenen Sätze klingen wie müde Durchhalteparolen aus der Eckkneipe: Der Sozialismus habe zwar versagt, aber der Kapitalismus sei doch längst genauso am Ende. Zweifelhafte Hoffnung auf Besserung wird beschworen, denn „nur zwölf Stunden hat die Nacht, danach kommt schon der Tag.“ Dass dieser Rechnung zufolge dem Licht ebenfalls nur zwölf magere Stunden beschieden sind, bevor die Dunkelheit es verlässlich wieder einholt, bleibt dabei ungesagt, aber unüberhörbar im Raum stehen. Weiterlesen

Der Peter Stein des Underground – „Karamasow“ in den Sophiensaelen

© Arwed Messmer

Natürlich ist Thorsten Lensing nicht wie Peter Stein. Und natürlich sind die Sophiensaele in Berlin auch kein Underground. Trotzdem gingen meiner Begleitung und mir an diesem Sonntagabend im Dezember die Fragen nicht aus dem Kopf: Wer ist denn dieser Regisseur, dessen sechs Aufführungen in den Sophiensaelen binnen kürzester Zeit so ausverkauft waren, dass unsere beiden Eintrittskarten uns regelrecht euphorisierten? Was macht denn dieser Regisseur, so dass sich regelmäßig ein imposantes Aufgebot von Tatort-Kommissaren und Sprechtheater-Profis verpflichtet, mit ihm und seinen Stückbearbeitungen durch die Halb-Off-Koproduktionsstätten des deutschsprachigen Raums zu touren? Und wer ist denn diese eingeschworene Fangemeinde, die sich schon Wochen vorher um Karten bemüht?

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Blutiger Schwank statt Rechtfertigungstheater – „Vorhaut“ im Ballhaus Naunynstraße

Das Ballhaus Naunynstraße geht mit Vorhaut so boulevardesk in die Offensive wie lange nicht mehr: Der Angriff gilt der Mehrheitsgesellschaft und den Debatten, die sie produziert und in denen sie das Wort führen will. Der Debatte, die 2012 in Deutschland um ein Verbot religiöser Beschneidungen von minderjährigen Jungen entfacht wurde und dabei von Anfang an eine Steilvorlage für antimuslimisches und antisemitisches Ressentiment bot, wird sich in Vorhaut unter brüllendem Lachen verweigert. Unter der Regie von Miraz Bezar wird stattdessen die deutsche Geburtsstation mit besoffenem Personal zur Kulisse für ein kunstblutiges Kalauerfest. Weiterlesen