Foreign Affairs (VI) – FC Bergmanns „Van den vos“ und die Grausamkeit des Menschen

Wenn dir übel ist, trinke einen Schnaps. Altes Hausmittel! Nach der gestrigen Eröffnung des Foreign Affairs Festivals der Berliner Festspiele durch FC Bergmanns Inszenierung „Van den vos“ hatte man einen alkoholischen Downer auch dringend nötig. Es gab zwar nichts Hochprozentiges, aber kostenlosen Wein und Käse – auch gut zur Bekämpfung des flauen Gefühls, das einem nach der Vorstellung bleibt. Weiterlesen

Drogen, Blut und nackte Haut – MS Schrittmachers Retrospektive zu Anita Berber im Bethanien

 

Die Tänzerin, Schauspielerin und Choreografin Anita Berber ist während des ersten Weltkrieges der Star des Berliner Nachtlebens. Sie betitelt ihre Tänze mit den Themen des Lebens: „Das Siechtum“ – „Der Selbstmord“ – „Die Schwangerschaft“ – „Kokain“. Mit ihrer Inszenierung von „Salome“, in der sie sich mit Rinderblut übergießt, schockt sie ihre Zeitgenossen. Sie braucht kein Atelier, sondern entwickelt ihre Performances in der Küche oder in der Kneipe. Mit 29 Jahren stirbt sie im Bethanien Krankenhaus in Kreuzberg. Weiterlesen

Die große Gamifizierung – „Das Spiel des Lebens“ von Prinzip Gonzo und dem Ballhaus Ost

Prinzip Gonzo haben das bekannte Brettspiel „Spiel des Lebens“ aus den 80er Jahren für die ganz große gamifizierte Bühne adaptiert und modifiziert. In den Rathenau-Hallen in Schöneweide erstreckt sich auf zwei Etagen ein interdisziplinäres Erlebnis aus Installation, Performance und Live-Rollenspiel. Ein Abenteuerspielplatz aus 18 Räumen, bespielt von 25 Performer_Innen; für bis zu 60 Mitspieler_Innen am Tag. Die Performer_Innen steuern ihre lebenden Spielfiguren mit Smartphones und dem persönlichen QR-Code, der jedem_r Besucher_In zu Beginn auf einer Karte ausgehändigt wird. In jedem Raum werden Lebensentscheidungen getroffen: Studieren oder Ausbildung? Arbeiten oder Urlaub? Kunstkurs oder Fitnessstudio? An der Bar versacken oder Kinder zeugen? Ins Gefängnis wandern oder in die Chefetage? Speeddating + Hochzeit oder doch lieber alleine durchs Leben? Jede Entscheidung ordnet das Ranking neu, das aussagt, wer das schönste Leben hat. Den Wert des eigenen Lebens kann man jederzeit auf der Skala auf einem Flachbildschirm überprüfen. Weiterlesen

Die Selbstverwirklichung opfern? She She Pop’s „Frühlingsopfer“ im HAU 1

Der Abend ist nach dem eigenen Soundtrack benannt: Igor Strawinskys „Frühlingsopfer“. Ein Schlüsselwerk der Musik des 20. Jahrhunderts, in dessen Zentrum das Opfern einer Jungfrau für den Frühlingsgott steht. Die Auserwählte tanzt sich zu Tode. She She Pop performen den gleichnamigen Abend gemeinsam mit ihren Müttern, um der Frage nachzugehen: Wie viel „Opfer“ steckt eigentlich im Muttersein? Ist es nicht auch ein rituelles Menschenopfer, ein Kind zu gebären?

She She Pop lassen ihre Mütter erst einmal erzählen. Auf vier langen Bahnen erscheinen die Videos der Mütter. Sie stellen sich vor, erzählen ihre Biografie und was sich in ihrem Leben durch das Muttersein verändert hat. Wie selbstverständlich es beispielsweise damals war (die Mütter sind inzwischen im Rentenalter) mit der Schwangerschaft auch den Beruf aufzugeben und sich ganz der Familie zu widmen. Aber auch wie schwer das war, wenn man gerne gearbeitet hat und ein Kind alleine einem zu wenig Beschäftigung bietet. Weiterlesen

Wie bin ich geworden, was ich bin? – „Hunter“ von Meg Stuart / Damaged Goods HAU

Die Frau auf der Bühne kämpft. Ihr Körper zuckt, lässt sich vom Rhythmus der Musik nach vorne werfen. Immer wieder. Manchmal wirkt sie wie ferngesteuert: Ungläubig schaut sie auf ihre Arme, die sich selbständig in die Luft recken, während sie zurückläuft. Radioansagen prasseln auf sie ein. Sie kämpft, gegen sich, gegen das Bild, das die Umwelt auf sie projiziert.

Die amerikanische Tänzerin und Choreografin Meg Stuart steht das erste Mal mit einer abendfüllenden Soloperformance auf der Bühne, die sich aus einer Serie von Selbstportraits zusammensetzt. Weiterlesen