LINK: Theaterscoutings im April und Mai: Publikumsgespräche und Spielstättentouren durch alle Berliner Bezirke

Es werden immer mehr: Theater der Freien Szene, die Theaterscoutings und damit allen interessierten Besucher_innen die Türen öffnen. Das heißt: Publikumsgespräche und Stückeinführungen anbieten oder im Rahmen von Führungen Blicke hinter die Kulissen gewähren.

Das begrüßen wir! Schließlich stellt die durch unseren Partner Theaterscoutings initiierte Theatervemittlung eine Erweiterung der Kommunikation mit den Publika dar, die natürlich nicht Kritik, wie wir sie versuchen, ersetzen kann.

Die Sophiensäle sind dabei, aber auch das TiK in Friedrichshain

Theaterscoutings lädt in den nächsten Wochen z.B. zur Nachbesprechung von „Schwarz gemacht“ oder zum Weiterlesen

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Dank (N)Olympia: Berliner Senat stellt Milliarden für Freie Szene bereit! Unsere VORSCHAU sagt, was die Beglückten im April zeigen

Eigentlich ganz schön unrühmlich hatte Berlin sich auf den letzten Metern vom März, diesem Zaudermonat zwischen Eishölle und zartem Frühlingsknospen, verabschiedet. Nicht nur, dass der gut gemeinte Vorschlag, Frank Castorf, den König Lear unter den Intendaten, einfach bis zum letzten Atemzug in der Volksbühne anzuschmieden, seit gestern eine enttäuschende Antwort erfahren hat. Es hat auch, rund 30 Tage nach dem wie zum Hohn so benannten „meteorologischen Frühlingsanfang“, neulich plötzlich wieder ganz humorlos geschneit. Als sei himmlisches Übersprungsverhalten dieser Art nicht allein schon finster genug, fehlt uns seit vergangenem Wochenende auch noche ein volle Stunde Zeit. Gut, das mag allen so gehen, aber natürlich tut es in Berlin, wo damit vor allem wertvolles Nichtstun erodiert wird, unverhältnismäßig viel mehr weh als andernorts. Außer vielleicht in, genau, Hamburg. Denn dort hat man ja nun einen ganzen Berg Arbeit innerhalb eines straffen Zeitrahmens vor sich – ein Kelch, der an Berlin glücklich vorübergegangen ist. Weiterlesen

VORSCHAU: Was erreicht der März?

Der Berliner Märzanfang wurde mit großem Hall durchs 100 Grad-Festival eingeleitet. Ehrgeizige Projekte, das war schon dem Programm abzulesen – und tatsächlich war das Festival der Freien Szene (in der Form zum letzten Mal?) ein Knaller. Das hat uns so die Sprache verschlagen, dass wir uns für die März-Vorschau gleich bis zur Monatsmitte Zeit gelassen haben. Nachlesen, was los war beim 100 Grad, lässt sich dafür auf dem 100 Wort-Blog. Das Beste: Die Gewinner-Inszenierungen der einzelnen Spielstätten werden ab April alle nochmal zu sehen sein. Los geht’s im Hau am 30.3.

Aber der Reihe nach durch die zweite Märzhälfte: Die Gefangenen der JVA Tegel melden sich ab dem 16.3. wieder zu Wort. „Klassenfeind“, ein Drama aus den 70er vom Briten Nigel Williams, bündelt die Wut der ausgegrenzter Jugendlicher in einem Klassenzimmer. Dass die Akteur_innen des Gefängnistheater Aufbruch dazu etwas zu sagen haben, steht außer Zweifel. Ob die Inszenierung eine stimmige Form findet, lässt sich beim Besuch im Knast erfahren. Achtung: Karten 5 Tage vorher reservieren!

Das Ballhaus Naunynstraße hat ein dichtes Programm. In den letzten Monaten kamen dabei aber die vom Haus entwickelten, grundsoliden Theateraufführungen zu kurz, könnte man meinen. Das ändert sich mit „Tableau“ am 18.3. Das „bitterböse Familienportrait dreier Frauengenerationen“, uraufgeführt im Januar, jetzt wieder mehrmals hintereinander zu sehen, ist die erste Produktion der jungen Autorin Reihaneh Youzbashi Dizaji am Ballhaus Naunynstraße.

Vor Kurzem haben wir von einem Theaterabend berichtet, an dem Geld verschenkt wurde. Diesmal geht’s in der Brotfabrik ums Geld. Für „geld: komplex“ haben die Künstler_innen von syn:format Berliner_innen befragt. In einem musikalisch-theatralen Experiment soll das liebe Geld nun personifiziert und zur Rede gestellt werden. Geldkritik ist ja noch keine Kapitalismuskritik, aber wer weiß: Vielleicht hält die Brotfabrik mit „geld:komplex“ am 19.3. neben Unterhaltung auch ein paar Erkenntnisse bereit.

In seiner eigenen schrullig-experimentellen Art nimmt der Theaterdiscounter das 130jährige Jubiläum der Kongokonferenz zum Anlass, mit „KoNGOland“ die verlogene weiße Charity-Selbstinszenierung gegenüber dem afrikanischen Kontinent anzugreifen – mit bösem Humor, so verspricht’s das Programm, und hoffentlich mit genug dekolonialem Background. Ab dem 26.3. in der Klosterstraße: KoNGOland.

Bereits das vierte Stück inszeniert Jan Meyer im TiK Süd. Am 27.3. fordern fünf Performerinnen den frisch erschienen Fragmenttext „Schaum“ von G.A.Beckmann heraus, bis zur Grenze der Sprache.

Woran erkennt man einen Juden? fragen die 3. und 4. Studiengänge der HfS Ernst Busch am 31.3. im BAT. Das Foto zum Stück zeigt eine Einhorn-Maske, die die antisemitische Erfindung der jüdischen Nase persifliert. Mit Texten von Max Nordau u.a. nähert sich die Inszenierung aber noch von einer anderen Seite dem Thema Antisemitismus und jüdische Identität an, nämlich vom jüdischen Ideal des Muskeljuden im Zusammenhang der Lebensreformbewegung um die Jahrhundertwende.

Bild: Die Zeit. Das Foto zeigt das Lichtschulheim Lüneburger Land  (Apropos Lebensreform…) .

VORSCHAU: Was tut sich im Februar?

Februar in Berlin heißt für viele gerade Kino: Auf Berlinale-Parties tummeln sich mehr oder weniger wichtige Promis und feiern sich selbst. Und unzählig viel mehr Schauspieler_innen heften sich ein Badge vor die Brust, setzen ein klirrendes Lächeln auf, halten sich an Sektgläsern fest und bemühen sich, den Promis in den Arsch zu kriechen.

Wer darauf keine Lust hat, kann z.B. ins Theater gehen, in die Freie Szene. Da macht man so ähnliche Sachen, aber es wird eher Bier dabei getrunken.

1. Im Ballhaus Naunynstraße bringt die Akademie der Autodidakten DECOLONIZE BODIES! MINDS! PERCEPTIONS! auf die Bühne. Seit Herbst 2014 haben 12 junge Performer_innen unter der Leitung von Janine Jembere sich mit Rassismus Weiterlesen

VORSCHAU: Was bewegt sich im Januar?

Im Januar geht es politisch zu in der Freien Szene. Fanden wir in der ersten (!) Unruhe-Monatsvorschau im November 2013 vor allem Tiere in Stücktiteln der Berliner Freien Szene wie Mäuse, Käfer, Seewolf, lesen sich die Theaterprogramme inzwischen vielerorts anders: Weniger Fauna, weniger artiness und mehr (historische) Kontextualisierung. Themen wie Migration und Arbeit dominieren in immer mehr Spielplänen. Oder ist das nur Einbildung? Jedenfalls kommen hier zu den aktuellen Anlässen auf die Straße zu gehen, einige Anlässe, der Freien Szene treu zu bleiben:

Kunst und soziale Bewegung

Vom 9. bis 11. Januar findet im HAU der Kongress statt. Der Kongress bringt über zwanzig von Künstler_innen gegründete Organisationen zusammen, die über singuläre Kunstprojekte hinaus Strukturen aufbauen für „Formen des Widerstandes Weiterlesen

GEWONNEN! VERLOSUNG: 2 Freikarten für „Vorhaut“ im Ballhaus Naunynstraße!

Zwei Freikarten für „Vorhaut“ gewonnen hat: Myssi. Danke für die Einsendungen!

Und hierum ging’s:

Noch … Tage bis Weihnachten und wir haben das fehlende Geschenk! Und auch an alle, die nicht Weihnachten feiern: Wir verlosen mit Unterstützung des Ballhaus Naunynstraße 2 Freikarten für das Stück „Vorhaut“ am 30.12. 2014 um 20 Uhr.

Was ist zu tun?

Die Teilnahme funktioniert so: Ihr schickt uns bis Samstag, den 20. Dezember um 15 Uhr eine Mail an deroberrangdrehtdurch[at]gmail.com. In die Mail schreibt Ihr 1.) den Namen der Kostümbildnerin des Stücks (Weil Kostümbilder_innen auf Unruhe im Oberrang oft zu kurz kommen) und 2.) einen Nickname (bitte dabei koscher / halal bleiben). Wir verlosen mit Zettel und Hut und geben noch am selben Abend bekannt, wer gewonnen hat.

Was ist das für ein Stück?

„Grottenschlechtes (Post-) Migrantenstadl.“ (Berliner Zeitung)

„Ein sehr lustiger Abend.“ (RBB)

Unruhe im Oberrang findet: „Das Ballhaus Naunynstraße bleibt sich treu“. Und weiter: „Die maßlose Übertreibung mit Clownskostüm und hysterischem Geschrei, der Spaß an vulgären Nahostkonflikt-Witzen gipfelt in einer Kunstblutorgie. Eimerweise klatscht das Blut gegen eine Glaswand, hinter der sich der vermeintliche Kreissaal verbirgt – eine performative Mauerschau im Splatter-Stil, wenn man so will. Das Publikum prustet und juchzt, abwechselnd. Es ließe sich symptomatisch deuten, dass ganz unterschiedlich gelacht wird, mal vorsichtig, mal überdreht, mal unterdrückt.“

Die ausführliche Besprechung des Hits der laufenden Ballhaus-Spielzeit findet sich hier.

Foto: Ute Langkafer / Maifoto

Die VORSCHAU im Dezember als vorfreudiger Kalender

Advent Advent ein Theater brennt

Advent, Advent, ein Theater brennt…

Zum Abschied gibt es eine Vorschau im Adventskalenderkleid. Hinter jedem Bildchen versteckt sich ein Schokoladenstück Theater des jeweiligen Tages. Es gibt viel zu tun im Dezember, also schmeißt Euch in den flüchtigen Theaterkonsum: Sieben Premieren, zwei Uraufführungen, Gastspiele, Lesungen, Konzerte, ein Festival, ein Film, eine Lizenz und eine öffentliche Performance versüßen die Vorfreude auf die Feiertage und das neue Jahr. Weiterlesen

Verträumte Architekten im Neonlicht – „Subway to Heaven“ von Torsten Holzapfel und Martin Clausen im Theater Thikwa

Ein Artikel von Gesche Beyer

Torsten Holzapfel steht vorm Spiegel. Fletscht die Zähne. Grinst. Zieht die Mundwinkel herunter, sodass sich sein Gesicht in eine Trauermiene verwandelt. Dann lehnt er sich weit nach vorne, ist seinem Spiegelbild nun ganz nah – so nah, dass er etwas zwischen seinen Zähnen entdeckt. Prompt streckt er die Hand aus, um es zu beseitigen. Oder ist es Martin Clausen, der sich in diese lautlose Kommunikation mit seinem dreidimensionalen Spiegelbild vertieft? – Wer genau uns (und sich selbst) hier eigentlich gegenübersteht, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Denn in Subway to Heaven, der neuen Inszenierung Gerd Hartmanns am Theater Thikwa, verschmelzen die beiden Performer in einem wunderbar abgestimmten, fröhlich-heiteren und doch von melancholischen Klängen durchzogenen Spiel miteinander; „Ich bin Martin Holzapfel!“, „Mein Name ist Torsten Clausen Holzapfel!“ – So und in weiteren ähnlichen Variationen stellen sie sich dem Publikum vor.

Die schlimme Kindheit in der Besenkammer Weiterlesen