die einen, die anderen.

Am Anfang dieses  Abends bei cie. toula limnaios & cia. gira dança stand mein Vorsatz für längere Zeit von Tanzperformances Abstand zu nehmen, deren Inhalt sich mit den Worten *nackt* und *Atmung* relativ präzise zusammenfassen lässt.

Ich hatte mal wieder Lust auf ‚was Schönes‘, wo auch ‚richtig getanzt‘ wird, gern auch leicht kitschige Duette und so. Trotzdem auch kein dröger Schautanz, ein bisschen was Überraschendes, bitte.

Ein begründeter Verdacht führte mich in die Halle Tanzbühne und ohne lange Vorrede: Ich wurde nicht enttäuscht. Die einen, die anderen erfüllte nicht nur mein Bedürfnis nach wunderschön getanzten Figuren und virtuosem Zusammenspiel von Musik und Bewegung sondern barg auch Unerwartetes. Die Zuschauer_innen erwartet nicht nur eine sondern gleich zwei Kompanien.

Die Kooperation mit der brasilianischen Gruppe gira dança ist mehr als ein dezentes Anstupsen zur Auseinandersetzung mit Körpernormen. Die Parallelisierungen, Wiederholungen und Kontraste mit denen das Stück spielt fordern einen geradezu körperlich heraus. Eine fast brutale Konfrontation mit eigenen Vorstellungen von „normal“ und „behindert“ ist nahezu unvermeidlich. Es ist ein ungeheures Verdienst nicht nur zu schockieren oder Inklusivität vorzuspielen sondern offenzulegen, wie groß in Wahrheit der Möglichkeitsraum ist, der diese Begriffe mühelos hinter sich lässt. Dieser besitzt dann tatsächlich einen utopischen Kern, den im Vergleich zu diesem energiegeladenen Tanzspektakel die Foucault Zitate, die zu Anfang des Stücks verlesen werden, nur mangelhaft andeuten.

Die Ergänzung durch Video ist stellenweise überfordernd, aber die meiste Zeit bereichernd. Die Musik ist zurückhaltend, gerade aufgrund ihrer Passgenauigkeit, die jede Stimmung unterstützt, aber nicht aufzwingt. Jedem Tänzer und jeder Tänzerin wird so viel Aufmerksamkeit gewidmet, dass man am Ende glaubt sie alle ein wenig zu kennen.

Wer also ein bisschen Schönheit sucht, sich aber dennoch nicht mit Schwanensee im Friedrichstadt Palast abfinden möchte; Wer beim Wort ‚Performance‘ kurz zusammenzuckt und sich nach viel verschwendeter Lebenszeit ab jetzt immer nur direkt neben den Ausgang setzt, ist hier genau richtig. Garantiert keine Fremdscham oder Langeweile. Dafür berührende Choreographien und beeindruckende Tänzer.

 

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Das Stück läuft Donnerstag bis Sonntag im Rahmen des PAF jeweils um 20:30 in der Halle Tanzbühne im Prenzlauer Berg.

Photos © Dieter Hartwig

PAF 2017

Freund_innen der Off-Szene, der abwegigen Spielorte und der PAF Wortspiele: das große Festival der Berliner Freien Szene ist wieder zurück!

Dieses Mal gibt es zwar keine close-up, twitter-galore, en detail permanent Berichterstattung von uns [zum Schaden aller Beteiligten haben ausnahmslos alle Oberrang-Mitglieder unbefristete & überbezahlte Stellen im Kulturbetrieb ergattern können] aber einige Empfehlungen, Kommentare und besagte PAF-Wortspiele wollen wir euch auch dieses Mal nicht vorenthalten.

Schaut einfach in den nächsten Tagen hier vorbei. Die ersten Veranstaltungen gabs schon heute, das Programm gibt Aufschluss über die Fülle der noch kommenden Veranstaltungen!

#PAFthemagicdragon #PAFillicous

PAF – Teil II: The Weekend

Nach dem Tag Pause, der zumindest alle Teilnehmenden/Feiernden eher noch erschöpfter zurück lassen wird als vorher, fängt Freitag der Hauptteil des PAF-Programms an und damit auch der Kampf gegen die Überfülle an Programmpunkten. Gerne assistieren wir von UnruheimOberrang euch bei eurem Weg durch den Festivaldschungel und präsentieren euch eine Auswahl an Stücken und Events.

Voilà:

Mit Ecole Flaneur, einer Walking Performance im öffentlichen Raum, werden wir eingeladen mit unserem ganz persönlichen Flaneur durch Berlin zu streifen (mehrfach Freitag und Samstag beim EDEN*****). Allons-y les enfants!

Ebenfalls draußen wird sich gestritten: in I am reality (die elektroschuhe) dürfen die Zuschauer_innen einem streitenden Pärchen vor dem Baumarkt zusehen; eine Wohltat für alle Singles, die sich im IKEA schon einmal nur mit Zimtrollen über ihre Einsamkeitsgefühle hinwegtrösten konnten.

Site specific wird’s in einer Wohnung im Prenzlauer Berg, in der um 16,18 und 21 Uhr (und nochmals Samstag um 16 und 18 Uhr, 21 Uhr Englisch, Sonntag 3x Englisch) Einblick gewährt wird in das Innenleben von Max Howitz, unter dem Titel: ALL TAG.

In Herakliden.Net können wir einen Vorgeschmack bekommen auf die digitale Zukunft 5.0 oder so, in der sich Computerspiel und Realität vermischen. LAN Party goes PAF! (Fast das ganze Wochenende über in der Willner-Brauerei-Berlin).

In dem von uns vorgestellten Greenhouse gibt’s zu jeder vollen Stunde ab 20 Uhr Hauen und Stechen von LWOWSKI•KRONFOTH•MUSIKTHEATERKOLLEKTIV. Wie so oft versucht das Kollektiv den Raum ihrer Aufführung miteinzubeziehen, was gerade bei dieser Location verspricht spannend zu werden.

Schlager als Chance: In meiner Bluse platzt die Primel von Verena Unbehaun und Stefan Hillebrand, zu sehen im Theaterdiscounter um 22 Uhr (Sonntags nochmal um 19 Uhr), sollte allein schon wegen des Untertitels „Minimalistisches Bürokonzert“ besucht werden.

Außerdem könnt ihr euch im ehemaligen Stummfilmkino Delphi davon überzeugen, dass auch die Oper in Berlins Freie Szene Einzug erhält und erhalten sollte. Die Berlin Opera Group führt Le nozze die Figaro auf, ein klassisches BäumchenWechselDich – Liebes Drama, mit tollem Gesang und in wunderschönen Räumlichkeiten, die für Live-Musik und -Gesang gebaut wurden.

Wem es eher nach gemütlich und weniger Drama ist, darf sich raus nach Friedrichshagen wagen, wo in den Lake Studios die workinprogress der derzeitigen artists in residency vorgestellt werden (Unfinished Fridays Performance Evening) Und wo lässt sich das allabendliche Gewitter schon besser verfolgen als direkt am See?

Also, genießt den ersten Wochenend-Festivaltag und macht euch bereit für ein dreitägiges Performancegewitter!

Off the beaten track – der Guide zur Berliner Freien Szene

Lotte Marlene Thaa und David Meiering

Das Performing Arts Festival hat sich zum Ziel gesetzt auch unbekanntere Orte für Theater, Tanz und Performance-Kunst ins Bewusstsein der theaterinteressierten Menschen Berlins zu bringen.

Ateliers, Cafés, der „öffentliche Raum“, private Wohnzimmer – Orte, die oft nur Kunstschaffenden vorbehalten sind, werden im Rahmen des Festivals auch Normalsterblichen zugänglich gemacht und erlauben so einen erweiterten Blick auf die Stadt und ihre sehr lebendige, aber oftmals, ob freiwillig oder nicht, doch ein wenig unter sich bleibende Kunstszene. Die Unruhe-Kapazitäten erlauben es nicht, jede Spielstätte vorzustellen, aber wir haben eine kleine Auswahl von besonders exotischen Orten getroffen. Von weit außerhalb des Rings liegenden Orten bis zu Spielstättenjungfrauen wollen wir euch ermutigen, auch gerade die unbekannten Teilnehmer_innen des Festivals zu besuchen.

Greenhouse Berlin

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Wenn es das Greenhouse nicht schon gäbe, wäre die Stadt Berlin aus Imagegründen verpflichtet, eine solche Institution irgendwo aufzubauen. Mehr Berlin geht eigentlich nicht, als ein leerstehendes Arbeitsamt, das von Künstler_innen aus aller Welt als Studio, Proberaum und Bühnenspace genutzt wird – inklusive Non-Profit Café und Aussicht auf Schrebergärten.

Schon allein für dieses Panorama lohnt es sich den 8. Stock dieses Gebäudes zu besuchen, wo die PAF-Veranstaltung am Freitag stattfinden wird. Das Bonobo Café im 1.Stock bietet für die thriftigen Besucher_innen, die ihr eigenes Geschirr und Besteck mitbringen, Essen und Getränke, selbstredend alles auf Spendenbasis, wir sind hier ja schließlich nicht in London oder Paris. Die BZ verhandelte das Greenhouse unter der Überschrift: „Hippie-Kommune haust in Ex-Arbeitsamt und zahlt überhöhte Mieten.“ Auch damit ist Berlin 2016 wohl ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Wer mitreden will, sollte also schon hier gewesen sein.

Gottlieb-Dunkel-Str. 43/44, 8. Stock, 12099 Berlin | http://greenhouse-berlin.de/about.html

Agora Collective

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In der Mitte von Neukölln und doch etwas versteckt im Niemandsland zwischen Hermannstraße und Karl-Marx-Straße gelegen, bietet das Agora Collective nicht nur ein nettes Café im Grünen, sondern auch Ateliers, eine Artist Residency und einen Coworking Space. Interessant ist diese Institution auch deshalb, weil sie prominent bei der Neugestaltung des Geländes der Kindl-Brauerei vertreten ist. Nur fünf Minuten Fußweg entfernt entsteht dort die zweite Zweigstelle des Kollektivs, womit sie an einem der Neuköllner Kieze sitzen, die sich am schnellsten verändern. Erst diesen Samstag wurde die neue Treppe zwischen dem Gelände und der Isar/Neckarstraße eingeweiht, was stark nach piefiger Lokalpolitik klingt, aber mit einem Kiezfest gefeiert wurde, bei dem klar wurde, dass es durchaus eine hohe Bereitschaft gibt diesen bis dato eher ausgestorbenen Teil von Neukölln zu nutzen.

Am Freitag findet im alten Agora-Gebäude der Fachtag des PAF statt, für den man sich bis zum 25. anmelden muss; einen Café trinken kann man hier aber so gut wie immer.

Mittelweg 50, 12035 Berlin | www.agoracollective.org

District

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Zwar verschlägt es Frischzugezogene wie Alteingesessene gelegentlich ins Gewerbelabyrinth unterhalb des Südkreuzes; allerdings endet die Exkursion meistens nach kurzer Zeit mit neuen Topfpflanzen und Schreibtischlampen. Dabei verbirgt sich hinter der Betonwüste des Ikea-Parkplatzes eine regelrechte Kulturoase: die Malzfabrik. Das alte Mälzereigelände stellt mit seiner Industriearchitektur nicht nur einen perfekten Drehort für Filmproduktionen dar, sondern veranstaltet dieses Jahr auch ein Musikfestival auf der Malzwiese. Die vielen ehemaligen Produktionshallen bieten allem einen Platz, was mit Kunst und Kultur zu tun hat – darunter auch „District Berlin“, ein Kunstraum, der eine große Ausstellungshalle und Künstler_innenateliers umfasst. District bietet nicht nur jungen Künstler_innen die Chance, ein Atelierstipendium zu ergattern, sondern versucht auch mit seinen Projekten aus dem abgeschlossenen Kunstzirkel hinaus in die Stadt zu wirken. So untersuchen Künstler_innen und Kinder der Großraumsiedlung Marzahn-Hellersdorf zusammen die Bauweise der sozialistischen Stadt im aktuellen Projekt „Raumschiff Marzahn“. Für das Performing Arts Festival lädt District die Besucher_innen aber zunächst in die eigenen Räume ein: Im Rahmen der Installation „Public Speaking“ findet die Konzertperformance „Raze de Soare“ am Freitag, den 27.5. um 21 Uhr in der District-Veranstaltungshalle in Haus G statt. Der Ausbruch aus dem Berliner Ring lohnt sich!

Bessemerstraße 2-14, 12103 Berlin | www.district-berlin.com

Ehemaliges Stummfilmkino Delphi

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Zwar nicht in der geographischen Mitte, aber doch im Epizentrum der Freien Szene, befindet sich das ehemalige Stummfilmkino Delphi. Eine berlintypische Erzählung von Leerstand, Ankauf, Nachnutzung und künstlerischer Wiederbelebung, hat diese schicke Reminiszenz an die 20er und 30er hervorgebracht. Aus dieser Zeit stammt dieses wunderhübsche Gebäude, dessen Entstehungsgeschichte bereits ein wenig Tragik enthält: Wie der heutige Name andeutet als Stummfilmkino gebaut, wurde das Kino schon ein Jahr später, mit dem Aufkommen des Tonfilms, anachronistisch. Mit dem heutigen Anspruch jeglicher Form von (Performance-) Kunst einen Raum zu bieten, ist die Institution heute alles andere als anachronistisch (das belegen schon die 174 Berliner Kneipen mit ähnlich unverputzten Wänden) und verspricht, ein spannender Ort für den Kiez aber auch darüber hinaus zu werden/bleiben. In der Ruinenporn-Ästhetik-Kulisse wird hier Donnerstag und Freitag die Berlin Opera Group mit Le Nozze di Figaro das Spektrum des Festivals um ein eher ungewöhnliches Genre bereichern. Über das Entstehen einer Off-Opera Szene wird auch im Gespräch mit theaterscoutings vor der Vorstellung diskutiert werden. Irgendwie passend in einem Gebäude eines so gut wie ausgestorbenen Genres eine der (vermeintlich) altmodischsten Formen des Theaters wiederzubeleben.

Gustav-Adolf-Straße 2, 13086 Berlinhttp://ehemaliges-stummfilmkino-delphi.de/

Lake Studios Berlin

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Idyllischer geht’s kaum: wildwuchernder Garten mit Schaukel, Tanzsaal mit Deckenfenster zum blauen Himmel – in den Lake Studios in Friedrichshagen fühlt man sich wie in einer stilvollen und doch bodenständigen Künstlerkolonie auf dem Lande. In den Räumlichkeiten wohnen insgesamt 9 Künstler_innen in Kurzzeit-Residencies oder auch permanent. Dabei handelt es sich jedoch keinesfalls um einen Versuch, klösterliche Abgeschiedenheit herzustellen. Zahlreiche Tanz- und Yogakurse, Workshops und Abendveranstaltungen öffnen diesen Ort für lokales und aus dem Innern des Rings angereistes Publikum. So auch während des Performing Arts Festivals, dessen Intention, den Horizont der Berliner Theatergänger_innen zu erweitern, hier voll aufgehen dürfte. Im Gegensatz zu den zentralen Hauptstadtlocations verspricht hier auch das Miteinander nach der Vorstellung intimer auszufallen – die Kunstschaffenden wohnen schließlich hier und allzu viele hippe Alternativen für das Glas Wein oder Bier danach gibt es auch nicht. Wer also am Freitag die Zeit findet (nur 35 Minuten vom Alexanderplatz, wenn die S-Bahn funktioniert, die Peripherie rückt näher!) sollte sich die Stücke der derzeitigen Artists in Residence anschauen und im Anschluss mit ihnen darüber plaudern.

Scharnweberstr. 27, 12587 Berlin | https://lakestudiosberlin.com

Selbst wenn ihr vor lauter Hauptstadtbetriebsamkeit nicht dazu kommen solltet, euch eine der Performances im Rahmen des PAF anzugucken, solltet ihr die exotischeren Spielstätten Berlins im Blick behalten. Viele der Orte bieten regelmäßig Veranstaltungen an oder können auch von euch für eure nächste Polit-Versammlung oder Erstkommunion genutzt werden.

Performing Arts Festival Berlin: 6 Tage lang 279 x Freie Szene – followed by Unruhe im Oberrang

Am Montag, den 23.5. geht’s los: Das größte Festival der Freien Szene Berlins startet mit über 120 Produktionen in 279 Veranstaltungen. „Festival der Superlative“ schwärmt die taz.

Unruhe im Oberrang goes Festival!

Wir finden: Das ist ein angemessener Rahmen für die Vielfalt der Berliner Freie Szene. Deshalb ist Unruhe im Oberrang dieses Jahr Medienpartner und Unterstützerin des Festivals. Wir helfen den neugierigen Besucher_innen mit Infos&Tipps und begleiten kritisch das Festivalprogramm mit Tagesvorschauen, Kommentaren, Kurzkritiken auf Facebook und Twitter.

Schon die Spielorte des Festivals sind eine Attraktion: Von der Willner-Brauerei bis zur Studiobühne Alte Feuerwache gibt’s Kiezatmosphäre zu schnüffeln. Selten öffnen mit über 50 Spielorten so viele Kunsträume ihre Türen, um die Arbeits- und Lebenswelten Berliner Künstler_innen zu zeigen. Sogar in eine Privatwohnung im Prenzlberg werden die Besucher_innen gelockt. Alle Spielstätten finden sich hier.

Wo soll ich bloß anfangen?

Gäbe es das Programm mit Ankündigungstexten als Buch, ließen sich damit Ratten erschlagen, so breit und vielfältig ist die Auswahl an Veranstaltungen. Auf der PAF-Website findet Ihr hier das Programm. Um damit fertig zu werden und Orientierung zu bieten, veröffentlichen wir jeden Tag Vorschauen auf die spannendsten Events des folgenden Tags. Wichtig zu wissen ist außerdem: Das Festival besteht aus drei Teilen:

1. Der Nachwuchsplattform vom 23. bis 25. Mai.
2. Dem rauschenden Festivalfest am Donnerstag, den 26. Mai.
3. Dem extravaganten Hauptteil, der auch für internationales Publikum geeignet ist, vom 27. bis 29. Mai.

Das heißt also, während der ersten drei Tage kann sich jede_r langsam ans Festivalhoppen herantasten, um dann am Donnerstag wild zu feiern und sich dann mit dem Wochenendprogramm von morgens bis abends den Rest zu geben.

Was passiert morgen?

Hauptspielstätten der Nachwuchsplattform vom 23.-25. Mai sind der Theaterdiscounter, das Ballhaus Ost und das HAU2. Also ab ins Zentrum! Schon am ersten Abend wird das ganze Spektrum präsentiert: Tanz, Solotheater, Publikumsbeteiligung – alles dabei.

1. In Admission to a new reality – Eintritt in eine neue Realität experimentieren die Zeitbanditen* and friends mit Intimität, auf und vor der Bühne des Ballhaus Ost (19 Uhr). Die Frage des Abends: Was könnte ein Glaube sein jenseits von Religion?

2. Oder lieber doch in den Theaterdiscounter? Hier erforschen Sunia Asbach und Darko Radosavljev in Federn lassen choreographisch Bewegungsqualitäten und – dynamiken: Auch hier geht’s um Intimität, aber auch um Sperrigkeit. Eine Performance mit einer ehemaligen Matratze (auch 19 Uhr).

3. Danach schnell, schnell weiter. Um 21 Uhr wagt sich Lois Bartel mit Unordentliche(n) Verhältnisse(n) in beunruhigend chaotische Hörwelten im Theaterdiscounter. In der Doppelvorstellung wirft Felix Lüke in Unser Herr Kießling oder: Gedanken zur Situation Deutschlands mit Lokalkolorit um sich. Er nimmt die Perspektive eines Berliner Politikers ein, woraus eine Stadtrundfahrt der besonderen Art entsteht. Hier der spaßige Trailer.

4. Im HAU 2 hagelt’s um 21 Uhr Sozialkritik – oder doch schon wieder Kunstkritik …? In Das Stück mit der Zweckmäßigkeitsfrage stellt ScriptedReality sich der Fragen von Zweck oder Zwecklosigkeit von Kunst im Kontext von ökonomischer Krise.

5. Um 23 Uhr gibt’s im Theaterdiscounter dann die Mitternachtssuppe. Also auch dafür ist gesorgt.

Wie komm ich an Karten?

Tickets für zahlreiche Veranstaltungen des Performing Arts Festival können über Reservix online gebucht werden. Die Ticketlinks hierfür finden sich bei den jeweiligen Veranstaltungen im Programm. Aber: Für einige wenige Veranstaltungen des Performing Arts Festival ist der Ticketkauf nur direkt über die Veranstaltungsorte/Gruppen möglich. Schaut also ins Programm. Am Wochenende lohnt es sich viel zu gucken: Beim Kauf von 3 Tickets gibt’s einen Rabatt von 10 % auf den Gesamtpreis, beim Kauf von 10 Tickets sogar einen Rabatt von 20%.

Wir wünschen ganz viel Spaß beim Festival!

Eure Unruhe Im Oberrang

Perfoming Arts Festival followed and powered by Unruhe:
Facebook: https://www.facebook.com/PerformingArtsFestivalBerlin/?fref=ts
Twitter: https://twitter.com/PAFBerlin (@PAFBERLIN, #PAFBerlin)
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Sacré postcolonial : „Mon élue noire“ im 104 in Paris – Eine Fortsetzung der Gedanken zu Sacré im HAU

English version below!

Vorab die Entschuldigung, dass Menschen, die sich in Berlin aufhalten, sich das Stück, um das es gleich gehen wird, nur angucken könnten, wenn sie es in unter 8 Stunden nach Paris schaffen würden und selbst dann wär’s ausverkauft. Je suis desolée. Ich konnte mich trotzdem nicht zurückhalten, nicht nur weil das Stück auch noch im August in Genf zu sehen ist (das wäre ab jetzt selbst zu Fuß mit „ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm…“ zu schaffen), sondern weil es wie eine zwingende Fortsetzung zu den an dieser Stelle veröffentlichten Gedanken zu Sacré erschien. Außerdem wurde das Stück in Potsdam entwickelt und uraufgeführt, vielleicht also auch eine Erinnerung daran, dass Berlin auch für andere Dinge als Waldspaziergänge und Seeaufenthalte verlassen werden kann. So. Genug der Vorabentschuldigung.

Alles ist dunkel. Ein Feuerzeug leuchtet auf, eine Pfeife wird angezündet, kurzes Flackern der Flamme, ein rotes Glimmen, dann wieder Dunkelheit. Dieses Spiel wiederholt sich einige Male, während die ersten Takte von Sacré bereits den Raum füllen. Die Pfeife ist das Markenzeichen von Germaine Acogny, senegalesische Choreographin und Tänzerin Weiterlesen

Kimimiz! Tehata is langweilich aussa is von uns! – Die politische Manifestation der Neuköllner Avantgarde

Kombiniere Feminismus at its best, musikalische und schauspielerische Glanzleistungen, politisches Engagement gegen Polizei- und Staatswillkür, Elemente des  X-Wohnungen Konzepts mit einer durch und durch charmanten Entschlossenheit, die in dieser Form vielleicht nur 8-12 jährigen, unfassbar coolen Mädchen zu eigen ist.

Kimimiz! Tehata is langweilich aussa is von uns!, ein Projekt des Schilleria Mädchencafés und der Künstlerinnen Vera Buhß, Ada Labahn und Katrina Martinez Marrupe überzeugt in jeder Hinsicht. Weiterlesen

„If there’s anything you need…“ – ‚Together Forever‘ im HAU

Foto: Gerhard F. Ludwig

Ganz im Sinne des Leitthemas ‚Zusammensein‘ handelt es sich bei der neusten Performance des Choreografen Jeremy Wade um eine Kooperation mit den Tanz- und Peformancekolleg_Innen Jared Gradinger, Igor Koruga, Liz Rosenfeld und Michael Keuper. Das kollektive Kunstprodukt ‚Together Forever‘ wurde am 28. Februar im HAU uraufgeführt. Nachdem das Medien- und Blogecho überwiegend positiv bis ironisch distanziert ausfiel („nette Wochenendeinstimmung“), hier einige nachträgliche Reflexionen aus dem Oberrang.

In der ersten Szene dieser von Anfang bis Ende als Mitmachspaß angelegten Performance wird das Publikum mit sich selbst als lebendigem Bühnenbild konfrontiert, die Zuschauer_Innen blicken mit einer Mischung aus Neugier und leichtem Unwohlsein auf ihr Spiegelbild. Als Jared Gradinger anfängt Einzelne mit Namen anzusprechen und gewollt intime Fragen zu stellen, schlägt das Pendel eindeutig in Richtung Unwohlsein aus. Weiterlesen

„We were wild once, don’t let them tame you!“ – Zum 100-jährigen von „Sacre du Printemps“

Wenn es nach den tanzaffinen Kulturwissenschaften geht, setzte die Moderne nicht mit der Ermordung Franz Ferdinands des I. am 28. Juni 1914 in Sarajavo ein, sondern ein Jahr zuvor in Paris. Genauer gesagt auf der Bühne des Champs-Elysées Theaters, auf welcher fünf Tänzer in folkloristischen Kostümen zur treibenden Musik rhythmisch anfangen zu springen und zu stampfen. Die Choreographie von Le Sacre du Printemps revolutioniert mit ihren asymmetrischen Bewegungen, den nach innen gekehrten Fußspitzen, einer neuen Körperschwere und seinen Anleihen bei Riten der russischen Folklore die damalige Tanzwelt. Als modernes Gesamtkunstwerk ist Sacre eine Kollaboration zwischen dem Tänzer und Choreographen Vaslav Nijinsky, dem Komponisten Igor Stravinsky, dem Leiter des Ballets Russes Sergei Diaghilev und dem Kostüm- und Bühnenbildner Nicholas Rörich. Das Werk stellt grundlegende Vorstellungen von Eleganz und Grazie im Ballett in Frage, die primitivistischen Anklänge provozieren und verstören das Publikum. Denn der Mythos Sacre speist sich nicht nur aus dem, was sich auf der Bühne oder im Konzertgraben abspielte; auch die Performance des Publikums, das vor lauter ästhetischer Überforderung im Theater randalierte [Wortwitze im Bezug auf den Namen dieses Blogs verbieten sich], trug maßgeblich zum Ruhm des Stückes bei. Weiterlesen

Mama said: Don’t stop the Dance!

The bleak shotcrete interior of a typical late sixties West German church provides the setting for New York choreographer Trajal Harrell’s piece Judson Church is Ringing in Harlem (Made-to-Measure)/Twenty looks or Paris is Burning at the Judson Church (M2M), most definitively one of the highlights of this year’s Tanz im August program. The former place of worship doesn’t just allow an absolute focus on the three performers, it also alludes to the historical role of Judson Church.  In the Sixties this congregation as well as art space in Greenwich Village opened up its doors to artists from various genres, offering them a space for their art and freeing them from financial and/or political constraints. The resulting Judson Dance Theatre turned into the cradle of post-modern dance, with contributions by dance icons such as Trisha Brown, Lucinda Childs, Steve Paxton and Yvonne Rainer. Ever since its first performance in 1962 the company played a major role in revolutionizing the world of dance.

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