GRANDE FINALE: Der letzte Tag des Performing Arts Festivals

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© HEARTS IV ♥

Anstatt nun in konjunktivische Wehmut zu verfallen, welche Performance man doch unbedingt hätte sehen müssen, Schluss damit: Es gibt von morgens bis tief in die Nacht am letzten Tag des Performing Arts Festivals genug zu tun/sehen/hören/staunen. Hier unsere Tipps, sortiert nach Kiezen, dann müsst ihr euch theoretisch nicht mal groß vom Fleck rühren, was bei fast 30 Grad mit Sicherheit nicht verkehrt ist! (Sorry Schlachtensee, Wannsee usw. – ihr müsst leider bis Montag warten!)

1. NEUKÖLLN
Es geht los um 12 Uhr im Klunkerkranich über den Dächern (hoffentlich mit reichlich regenerierendem Sonnenschein!) mit dem Festivalbrunch für die ganze Festival-Familie, auch euch!
Ein paar Schritte weiter (direkt am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße) versammeln sich im Theaterprobensaal VHS um 15.00 Uhr alle möglichen Beteiligten des Festivals zu einer Rückmeldung und damit Vorausplanung für 2017. Zurück in die Zukunft sozusagen.
Alternativ kann man auch Richtung Hermannplatz ins Tatwerk zu „CAPTURING A WHITE BIRD. THAT IS ALL THE SAME AS CAPTURING THE BLUE SKY“ (15.30) von 4 Rude spazieren, wo es um Utopien und das Versinken im Sand geht.

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© 4RUDE. „Capturing a white bird“ im TATWERK.

Wieder zurück in der Karl-Marx-Straße geht es zum George Tabori Preis 2016, der um 17 Uhr im Heimathafen verliehen wird. Der Preis stellt die höchste bundesweite Auszeichnung für Ensembles und Künstler*innen aus der freien Theaterszene dar.
Ebenfalls in der Nähe vom Hermannplatz folgt um 18 Uhr im URBANRAUM die Performance „Hearts IV ♥“ zum Thema Künstlerhearts und zum homofonen „basic surviving kit“.

2. NORD-OST
Im Prenzlauer Berg und in Pankow beginnt das Programm noch früher: Weiterlesen

I see. Und was wir sehen: Der letzte Tag der Nachwuchsplattform des Performing Arts Festivals

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© Technocandy

Gefühlt könnte es noch ewig so weitergehen mit dem Performing Arts Festival. Mit dem dritten Tag läutet sich aber nun der letzte Tag der „Nachwuchsplattform“ ein. Am Donnerstag folgt dann eine kurze Verschnaufpause, gefolgt von einem geballten Wochenende.

Die jungen Performance-Gruppen bespielen heute Kreuzberg und Mitte: das HAU und die Sophiensæle.
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Die Würde des Menschen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit – Die Paulsens II im Theater im Kino

 

Paulsens II

© Girl to Guerilla

Die Familie Paulsen wohnte vor einem Jahr noch im Wedding, doch es drohte sich an, dass sie weggentrifiziert würde. Glücklicherweise konnten alle Paulsens (Mama Daniela, die Söhne Tristan, Harry, Stefan, Jörg, Harrys Sohn Dieter) bei den Movie Kingdom Studios in der Boxhagener Straße 18 in Friedrichshain Unterschlupf finden. Der Preis für die Wohnung: Sie müssen täglich Besucher_innen Zutritt in ihre Wohnung gewähren, ihren Alltag teilen und abends (natürlich ebenfalls vor Publikum) eine Sitcom drehen, deren Skript von Sohn Tristan, dem aufstrebenden Regisseur der Familie, stammt.

Das Kollektiv Girl to Guerilla erkundet mit „Die Paulsens II“ vom 11. bis zum 15. Mai das sog. „Hartz-TV“ im TIK bzw. in den Movie Kingdom Studios. Mit Raufasertapete, Holzschalen aus den 70er Jahren, einem Plasma-Bildschirm mit Playstation, Familienfotos und allerlei anderem ist die Wohnung der Familie, die abends zum Set wird, ausgestattet. Was treibt die Familie dort den ganzen Tag?

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Der gute Mensch von WARTE11: „Heimatgefühle“ in den Spreewerkstätten

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Foto: WARTE11

Heimat, was ist das eigentlich? Gerade heutzutage, wo laut UNO-Flüchtlingshilfe mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind. Das fragt sich das Duo WARTE11 (Lea Langenfelder, Nils Kirchgeßner), das in Berlin die Performance „Heimatgefühle“ vom fünften bis zum achten Mai in den Spreewerkstätten in Mitte zeigte.

Nach einem Glas Wein im Foyer zu „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ der Knef, was immer ein heimeliges und für mich ungreifbares Gefühl des Westberlins der 60er auferstehen lässt, wird das Publikum in den Saal gelassen, der mittels Baustrahlern in ein surreal-überhelles Licht getüncht ist, das von goldenen Rettungsdecken reflektiert wird. Die Rauminstallation mit Holzbänken stammt von Marina Sylla und Florian Hauß (+Kollektiv), die Technik von Sebastian Arnd. Im Bankkreis sitzt man um die beiden Performer, die sich während der ca. 45-minütigen Performance mehrmals annähern und abstoßen, sich angrinsen oder panisch betrachten, das Publikum betrachten. Das Publikum selbst kann sich durch die Sitzanordnung ebenso im Auge behalten wie die Performer, während man sich fragt: Was sind Heimatgefühle, wenn man sie durchdekliniert?

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Glück auf, Glück auf, wer kommt? – „2030 – odyssee im leerraum“ im Theaterdiscounter

Sing mal mit! Ungewöhnlich: Ein Mann in Gummistiefeln und weißem Kittel betritt das Foyer des Theaterdiscounters und animiert das Publikum, „Glück auf“ zu singen. Die „odyssee im leerraum“ vom Jungen Theater Göttingen startet wie jede Tour in unbekannte Städte oder Gegenden mit einem Fremdenführer. Mühselig versuche ich, meine Aversion gegenüber Menschenmengen, die dasselbe singen, abzulegen und einfach mitzusingen. Anschließend begeben wir uns auf eine Reise nach Südniedersachsen. Kubricks Science-Fiction-Film „Odyssee im Weltraum“ wird zwar im Titel anzitiert, das Stück schlägt aber eine ganz andere Richtung ein: Zurück aufs Land, ins Dorfleben.

© Dorothea Heise

© Dorothea Heise

Dem Publikum wird vom selben Schauspieler die Region Göttingen vorgestellt, die laut einer Hochrechnung bei ähnlichem demographischen Wandel wie derzeit 2155 ausgestorben sein wird. Das ist die positive Prognose, mit der das Stück beginnt, mit der sich das Wanderlied bricht. Der Steiger kommt? Wohl eher kam der Steiger ins Harz, aber das ist lange her.

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