LINK: „Inklusion – Was’n ditte?“ Gesprächsrunde am Samstag, den 5. April im Theater RambaZamba

Zusammen mit Theater der Zeit lädt das Theater RambaZamba in der Kulturbrauerei zur Gesprächsrunde unter dem Titel „Inklusion – Was’n ditte?“ ein. Der Schauspieler Thomas Thieme, der Berliner Fotograf David Baltzer und die RambaZamba-Chefin Gisela Höhne erzählen von der Erfolgsgeschichte des Theater RambaZamba und diskutieren „die Möglichkeiten eines Theaters mit und von Behinderten zwischen Integration und künstlerischer Autonomie“.

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Artistisches Coming of Age – „Flip“ im Chamäleon

Verlegene Umarmungen, eine kitschige Abschiedshymne. Die sechs Freunde, in liebenswürdiger Tapsigkeit, verlassen einander, um in die Welt hinauszugehen. Traurige Mienen. An einem Seil, den knackigen Oberkörper entblößt, schwinkt einer der Akteure hin und her, um sich plötzlich in Drehungen unter die Bühnendecke zu winden und sich wieder fallen zu lassen, dass es einem den Atem raubt. Wir sehen ihm bei Erwachsen-Werden zu, oder so ähnlich.

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Erfolgreiches Kidnapping – „Baba oder mein geraubtes Leben“ im Heimathafen Neukölln

Bild: Verena Edel

„Ladies and gentlemen, welcome on bord…“, die Stewardess befestigt einen riesigen, verstaubten Orientteppich an einem Seilzug. Sinan fliegt von Deutschland nach Dubai, zu seinen leiblichen Eltern. Er wird von seinen Brüdern lautstark begrüßt: Sie hauen ihm herzhaft auf den Rücken, sie kleiden ihn ein mit Kufiya und langem Gewand, stellen ihn der gesamten Verwandtschaft vor. Nebenbei bekommt Sinan eine junge Frau zur Heirat angeboten, Pläne für seine Zukunft werden geschmiedet, damit aus ihm etwas Vernünftiges wird und kein Schauspieler. Im Orientteppich allerdings klafft ein Loch durch das Sinan schlüpft: Seine Zukunft sieht er mitnichten in Dubai bei seiner aus dem Irak geflüchteten Familie…

…sondern zuhause in Deutschland. Sinan Al Kuris Leben wurde geraubt. Weiterlesen

LINK: Proteste gegen Sarrazin im Berliner Ensemble

Der Protest gegen Thilo Sarrazins Auftritt im Berliner Ensemble am 2. März 2014 war erfolgreich. Die Buchvorstellung von „Der neue Tugendterror“, Sarrazins jüngster Versuch, seine rechtspopulistischen und rassistischen Thesen gegen eine vermeintliche „linke Meinungsdiktatur“ zu verteidigen, wurde nach lautstarken Protesten vor und im Foyer des BE abgeblasen, bevor Sarrazin überhaupt zu Wort kommen konnte. Das ist eine gute Nachricht für alle, die Rassismus für inakzeptabel halten.

Umso erstaunlicher die Reaktionen in den Mainstream-Medien, die fast einhellig Sarrazin das Wort reden. Weiterlesen

Angst vorm Spiegelbild? „Ich rufe meine Brüder“ im Ballhaus Naunynstraße

Es ist der Tag nach dem Selbstmordanschlag in Stockholm 2010, der jetzt überall im Fernsehen besprochen wird. Amor (Jerry Hoffmann) streift von Paranoia getrieben durch die Stadt, sein Handy in der einen, sein Messer in der anderen Tasche. Von Telefonaten und Erinnerungen heimgesucht ruft er seine „Brüder“ an. Aber wer ist tatsächlich ein Bruder? Was passiert, wenn die Paranoia sich nach innen wendet? Weiterlesen

Berliner Theater-Blogs: Ganz viele Gründe, sich im Netz zu verirren und dann ins Theater zu gehen.

Blogs sind unverzichtbar. Wie hätte man sonst beispielsweise Zugang zu detailverliebten Fotostrecken mit Essen auf einem Hundekopf? Von solch einem sinnlichen Output im vergleichsweise simplen Format sind viele Theater-Blogs noch weit entfernt. Sie haben außerdem gegen einen schlechten Ruf zu kämpfen (Schludrigkeit, Unberechenbarkeit), werden von denen, die Theater machen, wegen ihrer Gehässigkeit verabscheut, bzw. kämpfen dagegen an, überhaupt keinen Ruf zu haben. Aber es gibt sie. Und sie füllen Lücken in der Dokumentation und Kritik von Theater. Sei es, weil sie über Aufführungen berichten, die sonst niemand renzensiert oder weil sie in anderen Sprachen schreiben, sei es, weil sie der zum Großteil apolitischen Theaterkritik in den etablierten Medien kritisches Handwerkszeug entgegenzusetzen vermögen oder weil sie sich einfach trauen und es sich leisten können, einen anderen Ton anzuschlagen, der nicht nach 19. Jahrhundert klingt. Ein paar Gründe für eine Liste anderer Blogs, die auch über die Berliner Theaterszene schreiben, ohne Garantie auf Vollständigkeit: Weiterlesen

Schutzraum? Und wenn ja, wie viele? „Schwarz tragen“ im Ballhaus Naunynstraße

„Ich spiele jetzt in so einem Film mit!“ berichtet Joy euphorisch am Küchentisch. Der dauere zwar nur fünf Minuten, aber sie habe sogar Text: „Hilfe! Hilfe!“und „Ich liebe dieses Land!“. Sie solle eine Asylbewerberin spielen. Sie lacht und fragt in die Runde: „Wie kann man das Land lieben, wenn man es gar nicht kennt?“ Nach dem teils gefälligen, teils bitteren Theater-Abend im Ballhaus Naunynstraße , an dem Alltagsrassismus beim Frühstück besprochen wird, lässt sich diese Frage in verschiedene Richtungen wenden, auch in diese: Wie kann man als weiße_r Deutsche_r Berlin lieben, wenn man es gar nicht kennt?

…zumindest nicht aus der Perspektive der Schwarzen WG aus Elisabeth Blonzens „Schwarz tragen“ in der Inszenierung der Filmemacherin Branwen Okpako kennt. Weiterlesen

Schaumstoff-Exotik: „Die Schönen und die Schmutzigen“ von „Das Helmi“ im Ballhaus Ost. Ein Nachruf.

Die Puppenspielgruppe „Das Helmi“ ist spätestens seit Nicolas Stemanns „Faust I und II“ 2011 der Theaterszene ein Begriff. Was Brian Morrow, Emir Tebatebai, Florian und Felix Loyke dabei vor allem auszeichnet: Sie treten als Akteure gemeinsam mit den Puppen auf, sie schustern diese – ganz offensichtlich nicht für die Ewigkeit- aus Müllresten zusammen und es gibt kein Thema, vor dem sie zurückschrecken. Was dabei rauskommt, ist im Falle von „Die Schönen und die Schmutzigen“ im Ballhaus Ost weder Kinder- noch Erwachsenentheater, sondern eher Theater für Infantile jeden Alters (was ja zunächst einmal vielversprechend klingen sollte!).

Jeremy, ein dürrer Roma-Junge aus Schaumstoff, wird vom Jugendamt mitgenommen, nachdem er einen Späti ausgeraubt hat. Weiterlesen

LINK: Alle Berliner Theater!

 

Eine Liste aller Berliner Theater? Gibt’s bisher nicht. Wo man auch sucht, nirgendwo hat sich mal jemand daran gemacht zu zählen, wie viele Theater es in Berlin tatsächlich gibt.

Hier kommt nun endlich der Versuch, ohne Rücksicht auf Qualität alle Spielstätten aufzuzählen, die aktuell Sprechtheater im Repertoire haben. Rausgeflogen sind bei dieser Zusammenstellung Veranstalter von Festivals, Theaterorganisationen ohne feste Spielstätte oder Theater ohne Website.

Was genau ist ein Theater?

Aussortiert wurde ebenso Tanz, Show und Revue, Musical, Oper, Kabarett, Konzerthäuser, Figurentheater, Amateurtheater (welches sich auch so nennt) und Kinder- und Jugendtheater. Bis auf das BAT der HfS Ernst Busch sind auf dieser Liste nicht die Studiobühnen der verschiedenen Schauspielschulen berücksichtigt. Rechnete man all diese Bühnen mit, wäre man bald enseits der 200. In unserer strengeren Auswahl von Sprechthteatern mit zumindest rudimentärem Institutionalisierungsanspruch sind immerhin knapp 70 Theater übrig geblieben. Bitte ergänzen! Weiterlesen

Spurensuche im Abwasser: „V“ im Ballhaus Ost

Von einer erhöhten Tribüne aus schaut man auf eine mit Plastikfolie und Neonröhren ausgelegte Bühne, drei mal so breit wie tief. Das Ballhaus Ost scheint dadurch in eine Sportarena verwandelt. Und es findet tatsächlich ein Langstreckenlauf über knapp vier Stunden statt, in welchem Regisseur Daniel Schrader versucht, der Breite und den vielen Nebenschauplätzen von V., Thomas Pynchons Debütroman, gerecht zu werden.

Die Vorteile eines Romans bestehen zuallerst darin, endlos Material schichten und Handlungen gleichzeitig stattfinden lassen zu können, ohne dabei chronologisch vorgehen zu müssen. Mit der Bühne wurde hierauf eine plausible Antwort gefunden. Weiterlesen