VORSCHAU August: #immernochkeinsommerloch

 

Das Gute am Sommer, wenn kein Sommer ist: Es gibt ganz neue Optionen! An die Stelle von See, Federball und Sonnenbrand rücken in diesen kaltnassen „Sommer“-Tagen: endlich mal den Péter Nádas lesen (indoors!), Toni Erdmann im Neuen Off schauen, mit Googles Algorithmus DeepDream rumexperimentieren (siehe Foto), Angela Merkel und Christoph Schlingensief in Der heiße Stuhl von 1992 anschauen und – die Bühnen dieser Stadt!

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Das Gold auf der anderen Seite des Mondes. „Zangesi“ in der Staatsoper Berlin, oder wie die Bühne die Zukunft für sich entdeckt.

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„In der Inszenierung kommt Stroboskop-Licht zum Einsatz“, warnt ein Schild an der Tür. Der Raum ist in blau-violettes Licht getaucht und mit verspiegelten Kuben ausgestattet. An der Bühnen-Rückwand ist eine Projektion zu sehen, die an den Bildschirmschoner mit den fliegenden Sternen von Windows 98 erinnert. Die SchauspielerInnen tragen orange Overalls und weiße Snowboardboots. Darunter, das wird im Verlauf des Abends sichtbar werden, stecken sie in weißer Funktionsunterwäsche, die aussieht wie von Globetrotter. Weiterlesen

„Der Botschafter“ von Gintersdorfer/Klaßen im HAU – Demütigungstherapie in Dur

der_botschafter_01Botschafter und Theater: Zwei Experten der Repräsentation trafen gestern im HAU 2 aufeinander: Während für den Botschafter die Repräsentation zu den essentiellsten Aufgaben zählt, wie es die Schauspielerin Anne Tismer gleich zu Beginn des Abends in einer lässigen musikalischen (!) Einlage darlegt, sieht es das Theater im Berlin des 21. Jahrhunderts mit der Repräsentation nicht mehr ganz so eng. Weiterlesen

Wer sorgt heute für’s Theater? – Besuch aus Rom im Studio Я des Gorki Theaters

Im Italienischen hat das Wort occupare eine schöne Mehrfachbedeutung. Neben besetzen meint es auch Sorge für etwas tragen, für etwas sorgen. Für das Teatro Valle, das älteste noch intakte Theater Roms (Baujahr: 1726), hat zwischen Sommer 2011 und Sommer 2014 eine Gruppe von Aktivist*innen, Künstler*innen und anderen Denker*innen gesorgt.

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Erinnerung dekolonisieren – die performative Stadtführung „Dauerkolonie Berlin“ vom Ballhaus Naunynstraße

© Wagner Carvalho

Als ich heute Vormittag bei Edeka in meinem Kiez einkaufen ging, fiel mir wieder ein, wofür die Buchstaben der gelb-blauen Supermarktkette stehen: Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler. Die Spuren deutscher Kolonialgeschichte sind im Berliner Stadtraum manifest: Sie zeigen sich in Straßennamen, im „Afrikanischen Viertel“ im Wedding, in Humboldt-Forum und –Box und in der Sarotti-Schokolade.

Deutschland kontrollierte zwischen 1884 und 1918 weltweit mehr als 10 Kolonien, vor allem in Afrika und in Südostasien. Die verheerende Berliner Konferenz, bei der internationale Großmächte über die Aufteilung des afrikanischen Kontinents entschieden, fand zwischen November 1884 und Februar 1885 in Berlin statt. Das Netz von Landesgrenzen, das im Rahmen dieser Konferenz reißbrettartig über dem Kontinent verteilt wurde, ist großenteils bis heute gültig. Weiterlesen

Der Peter Stein des Underground – „Karamasow“ in den Sophiensaelen

© Arwed Messmer

Natürlich ist Thorsten Lensing nicht wie Peter Stein. Und natürlich sind die Sophiensaele in Berlin auch kein Underground. Trotzdem gingen meiner Begleitung und mir an diesem Sonntagabend im Dezember die Fragen nicht aus dem Kopf: Wer ist denn dieser Regisseur, dessen sechs Aufführungen in den Sophiensaelen binnen kürzester Zeit so ausverkauft waren, dass unsere beiden Eintrittskarten uns regelrecht euphorisierten? Was macht denn dieser Regisseur, so dass sich regelmäßig ein imposantes Aufgebot von Tatort-Kommissaren und Sprechtheater-Profis verpflichtet, mit ihm und seinen Stückbearbeitungen durch die Halb-Off-Koproduktionsstätten des deutschsprachigen Raums zu touren? Und wer ist denn diese eingeschworene Fangemeinde, die sich schon Wochen vorher um Karten bemüht?

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Ich feier meine Freunde. Ich feier die hart. – «Société des amis. Tindermatch im Oderbruch» im Ballhaus Ost

© Hannah Dörr

Schade, jetzt ist es schon vorbei. Am vergangenen Wochenende zeigten sechs Freunde ihre Version der Fünf Freunde, frei nach den Abenteuergeschichten von Enid Blyton.

„So jugendlich!“ ist so ein Satz, der mir am Wochenende immer wieder in den Kopf kam, dachte ich zurück an den Donnerstagabend, an die Premiere von „Société des amis. Tindermatch im Oderbruch“ im Ballhaus Ost. Jugendlich nicht nur die Stimmung des Abends, jugendlich auch das Konzept.
Jan Koslowski hat zusammen mit fünf seiner Freunde eine eigenwillige Interpretation der berühmten Fünf Freunde von Enid Blyton vorgelegt. (Wobei hier die zahlreichen an der Produktion beteiligten Freunde, die im Anschluss an die Vorstellung zum Verbeugen auftraten, unterschlagen sind!) Jan führte Regie, für die Dramaturgie zeichnete Nele Stuhler verantwortlich. Die Texte wurden kollektiv im Ensemble entwickelt, sie erzählen von Freundschaft, Gemeinschaft und Abenteuer. Der Enid Blyton-Sprech wird darin aufgegriffen (klar!), sowie diverse Termini des Denkers Michel Foucault (auch: klar!), vor allem aus dessen Überlegungen „Von der Freundschaft als Lebensweise„. Wie passend, dass ich mir vorgenommen habe, als eine Freundin des Produktionsteams von dem Stück zu berichten. Kein einfaches Setting, denn so inspiriert ich mich dazu fühle, so befangen bin ich, natürlich. Freundschaften sind empfindliche Strukturen, das zeigt auch dieser Abend.

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Remembering ‚Mongoflipper‘ : Ein Randgruppenkrimi im Theaterdiscounter

© Vadim Bolokowski

Am kommenden Wochenende zeigt der Theaterdiscounter erneut die streitbare Farce ‚Mongoflipper‘, die am 29. Januar Premiere hatte. ‚Mongoflipper‘ ist eine kollektive Arbeit von Regisseur Cornelius Schwalm, Dramaturgin Sophie Nikolitsch und Schauspielerin Verena Unbehaun, die unter dem Namen MARIAKRON seit 2010 gemeinsam arbeiten.
Zusammen mit fünf weiteren Schauspielern und Schauspielerinnen (tolles Ensemble!) steht Verena Unbehaun in ‚Mongoflipper‘ als Bernd auf der Bühne. Bernd scheint sich gewohnten sozialen Normen nicht anzupassen. Er verhält sich eigenbrödlerisch, unsozial, Weiterlesen