Einer kam nicht mehr zurück – Kritik und Empfehlung für „Wetterhaus (mit Pflanze)“, dieses Wochenende im Milchhof in Mitte

Ein Mann und eine Frau sitzen in einer Forschungsstation, dem Wetterhaus. Besorgt beobachten sie das Gewitter, das draußen aufzieht. „Geh jetzt!“, sagt sie. „Und nimm die Kamera mit! Dann bin ich bei dir, wenn was nicht stimmt.“ Darauf erwidert er zynisch: „Hast du das auch ihm gesagt?“

Milchhof

Das Kollektiv ON AIR spielte Wetterhaus (mit Pflanze) gestern in der Aula des Ateliervereins Milchhof und heute und morgen zum vorläufig letzten Mal. Seit 1991 ist der Verein in der Schwedter Straße in Mitte ein Austauschort verschiedener Künste. Frauke Havemann, zugleich für Regie wie auch Text- und Videomontage von Wetterhaus zuständig, gründete ON AIR vor zwölf Jahren, um sich den Dialog-Möglichkeiten von Performance, Video und Sound zu widmen. In Wetterhaus (mit Pflanze) kombiniert ein Live-Cutter (Eric Schefter) das Spiel zweier Performer mit Video und Sound, damit die Zuschauer „ihre Gewohnheiten und Erwartungen befragen und mit ihnen spielen“ können. Weiterlesen

Mein Enkel geht morgen in den Discounter!

Morgen ist Karsamstag. Tag der Christi Höllenfahrt. Jesus flog gleich in der Nacht nach seiner Kreuzigung runter in den Limbus, den Schoß Abrahams. In einer Rakete. Hier, am Rand der Hölle, befreite er alle Seelen, die ohne eigenes Verschulden (!) nicht in den Himmel durften. Die Seelen der Gerechten.
Schöne
 Geschichte. Aber: reine Spekulation! Resultat von Dogmen! Weder Teil der kirchlichen Lehre noch des hier angekündigten Theaterstücks! Außer der Rakete. Und dem Datum natürlich. Ostern sells! Weiterlesen

LINK: „Dancing in the pain“ – Zukünftige Formen der zärtlichen Komplizenschaft

Wer’s noch nicht kennt: Das sugarhigh ist ein tolles E-Mail-Magazin mit Kurzbeiträgen über die Berliner Gegenwartskultur – Theater, Kunst, Musik und vieles mehr. Im heutigen Newsletter weist das Magazin auf die Premiere von Jeremy Wades Together Forever im HAU hin – eine interaktive Multimedia-Performance, bei der es um eines der langlebigsten, aufwühlendsten und spannendsten Themen überhaupt geht: ewige Liebe. Weiterlesen

Too much! – „Show Me How“ in der Vierten Welt

Der grossen, blonden Frau in Unterhosen, die strampelnd einen Stuhl plankt und mit ihrer Rechten auf den Boden einhämmert, während sie mit ihrem Transformer-Kopf in einer am Boden stehenden Zimmerpflanze wühlt, versohlt die kleine dunkelhaarige Frau mit Hasenmaske im pinken Bikini über grünem Pulli mit dem langen Schwanz ihres schlappen Plüschtigers den fast nackten Arsch. Dazu Dubstep.

WTF?! Wie um Himmels Willen konnte es nur soweit kommen? Weiterlesen

Ich will befingert werden – „Les experts d’Internet“ im Ballhaus Ost

(Dieser Text ist viel zu lang für einen Online-Text! Langer Rede kurzer Sinn ganz unten.)

„Wir spielen heute für Sie „Die Internetexperten“ von Bertold Brecht.“

Ein Knaller ist das ja nicht, wenn ein postdramatisches Theatergrüppchen sich an Brecht orientiert. Zuschauer als Angeschauter, Wahrnehmen als Wahrzunehmendes – nix Neues. Das Publikum lacht trotzdem – Internet und Brecht, also bitte… Weiterlesen

Keine Offenbarung – „Weissagungen“ im HAU 3

Weissagungen sind Prophezeiungen sind Prognosen der Zukunft. Propheteía ist altgriechisch und heißt für jemanden sprechen, anstelle von. So sprechen Erwachsene für Jugendliche und geben ihnen Ratschläge für die Zukunft. „Eltern spekulieren, was aus ihren Kindern wird“, sagt der Weissagungen-Flyer. Und „Politiker sagen, wer in der Arbeitswelt gebraucht wird“. Weiterlesen