Postausgang: „Bloody, medium oder durch“ im Ballhaus Naunynstraße

Liebe Interessierte aus der Crew,

Ich habe mir am Freitag BLOODY, MEDIUM ODER DURCH von Anestis Asaz (und Ensemble) angeschaut und fand es ziemlich gut.

Doku-fiktionales Stück über die Gastroszene in Berlin, mit 5 authentischen Menschen auf der Bühne, miteinander verbunden durch die Arbeit in der Gastro und ihr neues Ankommen in Berlin.
Die Gastro wird dabei klug als erste Anlaufstelle herausgearbeitet, niedrigschwellig, aber auch (selbst)ausbeuterisch und nicht komplexfrei.

Da gibts den Geflüchteten aus Syrien, ehemaliger Business Man in Dubai, der jetzt die arabische Küche in der Notunterkunft Tempelhof managt, die Frau aus Japan, die hier erst eine eigene berufliche Existenz hat, seit sie ein japanisches Cateringunternehmen führt, Nicole aus Italien, Schauspielerin und Kellnerin, hadert mit ALG2, den jungen Hipster-Koch aus Irland, der sowieso kein deutsch lernen muss, weil er von einer Küche in die nächste jettet + den jungen Schauspieler aus Griechenland, der wegen der Krise dort gar nichts mehr verdient und hier zwischen Theater, ALG2 und Küchenjobs changiert.

Die Form ist dialogisch, während die Menschen auf der Bühne ein Essen zubereiten, befragen sie sich gegenseitig und erzählen, gescripteter Text mit fiktionalen Elementen.
Der Brückenschlag Immigration-Gastronomie-Theaterberuf entfaltet sich selbstverständlich und die Auseinandersetzung führt zu Themen wie kultureller Identität, Arbeit, Sozialsystem in Deutschland, Arbeit als Druckmittel zur Integration, Lohndumping…….. per Videoclips kommen auch Gewerkschaften und andere Stimmen zu Wort und es gibt einen Moment der Publikumsbefragung zu unserer Zufriedenheit mit dem Job, Bezahlung, Erfahrung mit Arbeitslosigkeit etc. (per Handheben), den ich ehrlich spannend und unpeinlich fand.

Ähnlich, wie ich das bei den Putzfrauen von Anestis Asaz und Prodromos Tsinikoris empfunden habe (Clean City), ist es vor allem ein wirklich interessanter Abend. Die Figuren und Storys, die entwickelt wurden, waren für mich total fesselnd, sie sind mir ungewöhnlich stark im Kopf geblieben, ich musste am WE noch viel an den Abend denken. Die theatrale Form / Ästhetik / inszenatorischen Ideen treten deutlich in den Hintergrund, bzw. sind denke ich verbesserungswürdig. Manchmal fand ich die Situationen arg gefällig. Aber das hat mich letztlich kaum gestört.

Es war auf jeden Fall super, dass Asaz hier mit den authentischen Figuren gearbeitet hat. Selbst die 2 Schauspieler auf der Bühne erzählen ihre eigenen Geschichten (wieviel davon auch immer stimmt), das ist natürlich das Kluge an der Verschränkung. Diese Setzung, also ein Thema zu nehmen, das auch die Schauspieler*innen selbst tangiert, ist wahrscheinlich der einzig interessante Weg, wenn man mit Schauspielern und Anderen ein gemeinsames dokumentarisch angelegtes Projekt macht, oder?

Ich hoffe, die Premiere gestern war toll.
Viele Grüße in die Runde! Bis bald.

xx

Elena

PS: „Bloody, medium oder durch“ läuft heute Abend, 23.1., noch im Ballhaus Naunynstraße. Unbedingt anschauen!

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