Wo sind die Roboter? – L’OdYSSÉE von hotairproduction im Ballhaus Ost

Heute gehe ich mit meiner Lieblingsmaschine ins Theater. Wir hatten lange keine Zeit mehr zu zweit, aber die Vorschau verspricht Roboter als Darsteller und Musiker.

In der S-Bahn sitzt sie auf meinem Schoß und ich streichele sie zärtlich, während sie mir weiter vorliest: Maschinen auf der Suche nach ihrem Ursprung. (…) Roboter leiden, lieben und kämpfen mit den Göttern. (…) Kann ein Stück ohne Schauspieler die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewinnen und emotionale Reaktionen hervorrufen?

Im Ballhaus Ost werden wir in eine Kunstgalerie geleitet. Es hängen schwarze Bilder an den Wänden, an kleinen Tischen bekommt man von einer Dame in griechischer Tracht kostenlos Wein ausgeschenkt, ein Staubsauger-Roboter fährt eine weiße Gips-Skulptur durch die Gegend. Der Roboter spricht verzerrtes Deutsch, Englisch und Französisch:

Wir glauben an euch, die ihr uns Leben eingehaucht habt.

Als er an einem Kabel hängen bleibt, steht ein verlotterter Typ im goldenen Mantel aus einem Sessel auf und schlurft der Maschine zur Hilfe. Dann betrachtet er der die schwarzen Bilder eingehend. Hm… sagt der Typ, der einen prima Jesus von Nazareth abgeben würde oder den Dude aus The Big Lebowski, aber wo ist da der Unterschied, denke ich, beide sind Auserwählte, die mit der Welt wie sie eingerichtet ist, mächtig Probleme bekommen. Und beide sind Amerikaner, was man so hört. Hm… sagt der Dude-Jesus wieder und kratzt sich den Bart. Offensichtlich ist er mit den Kunstwerken nicht zufrieden. Er bittet uns, ihm in den nächsten Raum zu folgen.

Dort ist es heiß. Zwei Menschen in hautengen Anzügen stehen auf einem schwarzen Fußboden. Wir setzen uns um sie herum. Verzerrte Töne und Stimmen, wieder in Deutsch, Englisch und Französisch, rinnen aus den Boxen. Ich schnappe die Worte Götter, Produktionsmittel und Mensch auf. Der Dude zieht seinen Mantel aus und stellt seine Badeschlappen ab. Er nebelt mit einer Nebelmaschine, bis wir nichts mehr sehen können und stellt sich dazu. Ach so, er ist Odysseus! denke ich. Die beiden Anderen bewegen sich langsam und abgehackt. Der Flip-Flop-Odysseus macht erst eine Weile mit, erstarrt dann zu einer Statue und schaut zu. Einmal muss er sich an der Nase kratzen, während die beiden Anderen maschinengleich den Boden treten, über unsere Köpfe hinweg an die Wand starren oder sich immer schneller um sich selber drehen.

Eine Fliege surrt, eine Frau checkt ihre Emails auf ihrer Lieblingsmaschine, mein Nachbar dünstet sein Bier aus, irgendwo gluckert ein Magen. Alle hier sind keine Roboter.

Odysseus zieht seine Plastik-Sandalen wieder an und bittet uns, in einem dritten Raum die Reise fort zu setzen. Dort erwarten uns verhangene Möbel, ein Odyssee-Spielteppich und an den Wänden Bilder von Wall-E und einer Gang-Bang-Party. Odysseus bläst in eine Maschine, die Wind erzeugt. Er singt My way , weil von der Holzschallplatte, die er aufgelegt hat, nur ein kratzender Ton zu hören ist. Er steckt Stecker ein und aus, wirft eine Vogelmaschine an und versorgt einen sich drehenden Sessel mit Strom. Mit einer Fernbedienung, die er aus einer Schrottkiste kramt, schaltet er das Licht aus.

Ende.

Und, wie fand’st du’s? frage ich meine Lieblingsmaschine unten in der Bar. Ich habe es leider nicht verstanden. antwortet Sie. Ist das ok, wenn Menschen sich anmaßen Maschinen darzustellen? frage ich. Die Handlung war der Mensch! ruft eine Dame vom Nebentisch. Dann spielt der Barmann Time of my life.

 

L’OdYSSÉE von hotairproduction

Heute wieder 20h im Ballhaus Ost

Karten 13 / 8 Euro
auf Deutsch / Englisch / Französisch
VON UND MIT SAMUEL ESCHMANN / PETER FEILER / NELLY HAKKARAINEN / KOLJA KUGLER / CONRAD RODENBERG / CHRISTOPH VIOL / MAUDE VUILLEUMIER TEXT CHRISTIAN VALERIUS MUSIK WOLFGANG SEIDEL ROBOTERBAU KARL HEINZ JERON
EINE PRODUKTION VON HOTAIRPRODUCTION IN KOOPERATION MIT DEM BALLHAUS OST
GEFÖRDERT DURCH DAS BEZIRKSAMT PANKOW VON BERLIN, AMT FÜR WEITERBILDUNG UND KULTUR – FACHBEREICH KUNST UND KULTUR UND DIE INITIATIVE NEUE MUSIK BERLIN E. V.

 

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