Freie Szene Berlin = Lohnbetrug und Wirtschaftskriminalität?

„Das Kühlhaus nutzt Kultur, um Subventionen zu erhalten und sich zu profilieren, während MitarbeiterInnen um ihren Lohn betrogen werden und die Finanzen und Immobiliengeschäfte, die damit zusammenhängen, intransparent bleiben.“, heißt es in einem Schreiben einer Gruppe von ehemaligen Mitarbeiter_innen des Kühlhauses am Gleisdreieckpark, das seit 2010 beliebter Ort für Ausstellungen und Konzerte ist und demnächst die re:publica zu Gast hat. Die Kulturarbeiter_innen fordern: „Keine Kultur, keine Subventionen und keine Werbung für Häuser, die sich nicht an soziale Regeln halten!“

Die Vorwürfe gegenüber dem Kühlhaus häufen sich und haben es in sich. Zwar kennt wohl der Großteil der Künstler_innen die x!!@$¿!-Arbeitsbedingungen des Kulturprekariats nur zu gut aus eigener Erfahrung und seit ein paar Jahren werde diese art but fair sei Dank auch zunehmend dokumentiert und skandalisiert – was im Kühlhaus passiert, erreicht jedoch, glaubt man den MitarbeiterInnen und den Recherchen des Anwaltsbüros Resch, völlig neue Dimensionen:

Ein Unternehmen kauft in Berlin Immobilien und bedient sich dabei aus einem millionenschweren Kleinanleger-Fonds, beteiligt die Anleger aber zu einem viel zu geringen Anteil, schluckt also das Geld.
Dadurch dass die größte Immobilie zur Kulturinstitution umgebaut wird, ergeben sich für die Unternehmer Abschreibungsmöglichkeiten, Subventionen und ein gutes Image als „Kulturförderer“. Zudem verspricht Kultur Aufwertung – ein Zusammenhang, der in Berlin so offensichtlich ist, wie vielleicht sonst nirgendwo. Die Leute, die die Arbeit machen, Ausstellungen, Modeschauen, Filmfestivals, Konzerte etc. auf die Beine stellen, werden aber systematisch nicht oder nur teilweise bezahlt – so der Vorwurf. Auch Handwerker und Architekten und andere sollen offene Forderungen haben.

Vor einiger Zeit berichtete schon das Neue Deutschland über Ausbeutung im Kühlhaus. Nun ist letzte Woche nach den ersten Gerichtsprozessen, in denen die Mitarbeiter_innen Recht gegeben wurde, ein Beitrag beim RBB erschienen, der die Zustände im Kühlhaus anprangert.

In ihrem Schreiben bitten die Mitarbeiter_innen um Solidarität und fordern einen Boykott von Kulturinstitutionen, die soziale Standards nicht einhalten. Das klingt sinnvoll. Es scheint mehr denn je notwendig, dass die Berliner Kulturarbeiter_innen näher zusammenrücken, sich disziplinübergreifend für ihre Rechte einsetzen und dabei nicht nur neue Fördermittel wie die City Tax einfordern, sondern auch dafür kämpfen, dass die Gelder tatsächlich bei Ihnen ankommen, statt bei dubiosen Immobilienunternehmen zu versacken.

Bild: Kühlhaus Berlin

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