Mit Kurt Cobain im Theaterdiscounter: SCHLAGZEUG (AT) von FUX

Die machen das einfach. Die spielen dreimal in der Performance den gleichen Song. DACH AUS LIEBE. Mit Billo-Schlagzeug und Synthie. Und zweistimmigen Vocals. Die behaupten, das sei ein Hit. Die haben den selbst geschrieben. Die machen auch noch andere Sachen. FUX.

FUX setzt sich zusammen aus Stephan Dorn, Falk Rößler und Nele Stuhler. Das Gießener Kollektiv hat sich am dortigen Institut für Angewandte Theaterwissenschaften zusammengefunden. Bevor sie in diesem Oktober mit dem Langzeitprojekt FUX GEWINNT im Theaterdiscounter aufkreuzen werden, fangen sie nochmal bei Null an. Letzte Woche zeigten sie dem Berliner Publikum ihre Debütproduktion SCHLAGZEUG (AT), die 2011 im Audimax der Gießener Universität Premiere hatte.

Das macht Sinn, denn auch die Performance fängt gewissermaßen bei Null an. Die drei von FUX erzählen mit SCHLAGZEUG (AT) vom Urschleim, dem sie und ihre in den ’90ern aufgewachsenen Zeitgenossen entwachsen sind: vom Traum von Rock und Pop. Kurt Cobain kommt da vor, Herbert Grönemeyer klingt an, und von A-ha wird gesprochen.

Vor allem aber geht es um den Traum, selbst Musik zu machen. „Irgendwann fängt jeder einmal an, Gitarre zu spielen“, behaupten FUX in ihrer Ankündigung, und hauen selbst während der Performance gehörig in die Tasten. Die Performer sind Dorn und Rößler. Der eine am Keyboard-Wagen, der andere am Schrottschlagzeug und an den Leading Vocals – das hat schon Charme. Die Songs kommen daher, als seien sie dem deutschsprachigen Liedgut entwendet. Tatsache ist: Die sind selbst geschrieben. FUX hat sich dabei so genau an das gängige Strickmuster eines Popsongs gehalten, dass jeder Song wirkt wie 1000mal gehört. DACH AUS LIEBE? Den Song gibt’s doch wirklich! Oder??

Neben der Livemusik wird in SCHLAGZEUG (AT) eine Gitarre zertrümmert. Und Bühnenakrobatik gemacht, in schwarzer Kleidung und mit lächerlicher Körperspannung. Gesprochen wird ausschließlich mit verhülltem Gesicht und in Monologform: Entweder stecken Rösler und Dorn ihre Köpfe dazu in einen ausgehölten Röhrenfernseher, oder Dorn stülpt sich ein T-Shirt mit aufgedruckter Kurt-Cobain-Visage so über’s Gesicht, dass der Nirvana-Frontmann in schlechtem Englisch tatsächlich aus ihm zu sprechen scheint. Sie erzählen anekdotisch von ihrer musikalischen Sozialisation und von Popkultur, klären auf über die Genesis von Musik (ein gefallener Baum war demnach das erste Musikstück!) und teilen abgedroschene wie absurde Weisheiten über’s Musikmachen mit dem Publikum.

SCHLAGZEUG (AT) spielt mit Plattitüden. Mit Pathos auch. Längen. Daneben die ein oder andere Steigerung. Diese Elemente sind in der Performance so gewählt eingesetzt, dass sie sich stets als Mittel zu erkennen geben. SCHLAGZEUG (AT) ist dadurch souverän und unterhaltsam. Ein klug gebautes Fragment über Rock und Jugend, und über eine Generation von Menschen, die an der spannenden Schnittstelle von analog und digital aufgewachsen ist.

TÖTET HELMUT KOHL. Röhrenfernseher. Kurt Cobain. Grunge. All das hat man lange nicht gesehen. All das wirkt ein bisschen angestaubt. Und auf all das hat man irgendwie auch mal wieder Bock. Selina, Miri, wenn ihr das hier lest: Ich will auch mal wieder mit euch Musik machen.

FUX ist am 16.10.2015 mit FUX GEWINNT wieder im Theaterdiscounter zu sehen. Vom 05.–15.10. lassen sie sich täglich von 10–18h im Theaterdiscounter besuchen. Weitere Infos hier.

Foto: Johannes Dietschi

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