VORSCHAU: Was rumort im Juni?

Der Sommer ist endlich da. Dem Reflex, der Arbeit fernzubleiben, zu streiken, Schule oder Uni schwänzen, in der Sonne zu faulenzen, sind oft Grenzen gesetzt: Immer mehr Menschen geben an, keine Zeit mehr zum Streiken zu haben, da sie so viel zu tun hätten. Aber dann in der Freizeit auch noch ins Theater zu gehen, statt sich mit ’ner Molle an den Landwehrkanal zu setzen oder einfach mal auf dem Tempelhofer Feld ’ne Drohne steigen zu lassen, scheint nicht so plausibel.

Open-Air-Theater

Das Problem ergibt sich aber gar nicht zwingend, zieht man all die Theateraufführungen in Betracht, die im Juni draußen an der Berliner Luft stattfinden. Zum Beispiel spricht am 13. Juni Kabarett Kosovo dafür, sich mal ins Amphitheater im Monbijoupark zu trauen. Das Gastspiel aus dem Nationaltheater Priština unterlegt die Geschichte der geteilten Stadt Mitrovica im Norden des Kosovo mit Balkanbeats. Wir finden: Theater könnte öfter um 21:20 Uhr beginnen. Da schafft man es vielleicht sogar noch, sich vorher die Shakespeare Company anzuschauen, die seit 2011 die Zuschauer_innen in Scharen in den Naturpark Schöneberger Südgelände zieht. Die Sommersaison wird dieses Jahr mit Ein Sommernachtstraum am 9. Juni eröffnet.

„Wir fassen uns an“

Geräte, Tiere, Sensationen – So liest sich derweil das Programm vom Processing-Festival der Theaterpädagogik an der UdK. Vom 16. bis 21. Juni bespielen über 50 Akteur_innen Vagantenbühne, Villa Störtebeker und Hoftheater Kreuzberg, interagieren dabei mit Geräten und veranstalten ein 24-stündiges Ponyreiten. Ebenfalls draußen kann man das B_Tour-Festival erleben. Das junge Festival fragt vom 26. – 28. Juni in ungewöhnlichen Stadttouren unter anderem: Wo wird gibt es Hoffnung auf die kollektive Mitgestaltung städtischer Strukturen? Und wie lässt sich die Berliner Mauer essen?

Und drinnen?

Das Format Festival dominiert vielleicht schon längst alle Spielplankonzepte, auch außerhalb der Freien Szene – ließe sich auf die Debatte um den zukünftigen Intendanten der Volksbühne und die damit einhergehenden Angst vor einer „Eventkultur“ der Theater antworten. Wie schlimm oder super das ist… dafür ist in der Vorschau kein Platz. In jedem Fall sehen wir im HAU eine Freie Szene-Agentur, die ein Festival nach dem anderen veranstaltet: Bis zum 25. Juni läuft noch The Power of Powerlessness, wo man zwar nicht Ponyreiten darf, aber zumindest einen Esel als Hauptakteur auf der Bühne sieht, der den Regieanweisungen trotzt. Balthazar trat auch schon auf Kampnagel auf, gehört mittlerweile zu den Theaterstars unter den Eseln und das gerade weil er nicht ganz domestiziert ist.

Domestizieren und Gentrifizieren – das läuft ja meist auf das Gleiche hinaus. Wandra Dubau inszeniert über das Neukölln der Verdrängung und der Widerspenstigkeit am 13. Juni mit Neukölln sanieren eine nachbarschaftliche Revue als Teil der Reihe „Golden society“ im Heimathafen Neukölln. Das klingt nach einem liebevollen Neukölln-nahen Abend. Sogar mit Abendbrot, nicht Buffett. Fastenbrechen „mit Datteln und Teigtaschen“ gibt’s dagegen am 25. Juni im Theater im Aufbauhaus. Eingerahmt in ein Programm aus Filmvorführung, Ausstellung und Lesung, befragt das deutsch-irakische Tanz-/Theaterstück Interview aus Bagdad die irakische Gesellschaft nach der Rolle der Frauen in einer sich transformierenden Gesellschaft und setzt sich mit dem IS auseinander.

Viel Freude und einen schön Juni!

Unruhe im Oberrang

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