VORSCHAU: Was tut sich im Februar?

Februar in Berlin heißt für viele gerade Kino: Auf Berlinale-Parties tummeln sich mehr oder weniger wichtige Promis und feiern sich selbst. Und unzählig viel mehr Schauspieler_innen heften sich ein Badge vor die Brust, setzen ein klirrendes Lächeln auf, halten sich an Sektgläsern fest und bemühen sich, den Promis in den Arsch zu kriechen.

Wer darauf keine Lust hat, kann z.B. ins Theater gehen, in die Freie Szene. Da macht man so ähnliche Sachen, aber es wird eher Bier dabei getrunken.

1. Im Ballhaus Naunynstraße bringt die Akademie der Autodidakten DECOLONIZE BODIES! MINDS! PERCEPTIONS! auf die Bühne. Seit Herbst 2014 haben 12 junge Performer_innen unter der Leitung von Janine Jembere sich mit Rassismus in verschiedenen Zeichensystemen auseinandergesetzt: Welche Rolle spielt Hautfarbe für Blinde? Gibt es rassistische Gesten in der Gebärdensprache? Am 6. Februar ist Premiere.

2. Einen Akt der physischen und psychischen Dislokation probiert die Gruppe SCHRAAK im Ballhaus Ost. Und zwar ver- bzw. entsetzt sie sich nach Brandenburg. Die WANDERUNGEN DURCH DIE MARK BRANDENBURG am 7. Februar bedienen sich mit situationistischen Methoden bei Fontane – durchschreiten mit einer falschen Landkarte eine fremde Gegend – um „kulturelle Erfahrungen zunächst einmal auch als körperliche Erkenntnis zu begreifen“.

3. Außer Warten auf Godot bekommt man ja selten die Gelegenheit die experimentellen und absurden Dramen Becketts auf der Bühne zu sehen. Mit Alex Novaks Inszenierung von GLÜCKLICHE TAGE im Ackerstadtpalast kehrt Beckett am 12. Februar in den zwielichtigen Hinterhof der Ackerstraße ein.

4. Am Freitag, den 13. Februar, zeigt das V-Day collective THE VAGINA MONOLOGUES. Die englischsprachige Collage aus Interviews mit mehr als 200 Frauen, die die feministische Aktivistin Eve Ensler als Autorin bekannt machte, bekommt durch 16 Performerinnen im Acud-Theater empowernde Gestalt. Danach gibt’s Party.

5. Ein Stück für nur eine_n Zuschauer_in, das schon vor über 5000 Personen gespielt wurde, gibt es ab dem 13. Februar im Hoftheater Kreuzberg zu sehen. Bei ÖDIPUS: TRAGÖDIE DER SINNE für einen Zuschauer wird man nicht nur mit den Akteur_innen allein gelassen, man kriegt auch noch die Augen verbunden. Was „Tragödie der Sinne“ tatsächlich sinnlich bedeutet… das lässt sich wahrscheinlich nur vor Ort herausfinden. Die Performance gibt’s auf Deutsch und Englisch, zehnmal pro Tag, jeweils eine halbe Stunde.

6. Vor vierzig Jahren wurde Pier Pablo Pasolini unter mysteriösen Umständen umgebracht. Den widerständigen Dichter und Autor ehrt die Brotfabrik am 19.2. mit dem Abend DICHTER DER ASCHE.

7. Gleichzeitig versucht sich BRAND im Heimathafen Neukölln an einer kleinen Berliner Geschichte politischer Kämpfe. Der Verein für theatrale Feldforschung spannt in DEMOKRATIE MEINEN ENKELN ERKLÄRT am 19. Februar den Bogen von den 68er-Bewegungen bis zur Stasi. Aus welcher Perspektive dies geschieht, verrät der Programmtext nicht. Kluger, kritischer Abend oder seichtes Kabarett?

8. Am 21. Februar feiert schließlich PARSIVAL UND ANIMA Premiere am BAT. Florian Hein vom Regie-Studiengang der Ernst Busch inszeniert den mittelalterlichen Heldenroman als Aufeinandertreffen von Parsival und Anima in einer „krankenden Männergesellschaft“. Anima stellt sich als weibliche Antagonistin dem Helden entgegen und macht den Betrachter zum Betrachteten. Klingt doch nach einer anständigen Sache.

9. Wichtigstes Event im Februar ist die elfte Ausgabe des 100 GRAD-FESTIVALS: Vom 21. bis 24. Februar werden Sophiensäle, HAU und erstmals auch Ballhaus Ost Gastgeber für über 120 Aufführungen. Ein Theatermarathon mit Performances im Stundentakt. Wir werden natürlich auch unseren Senf zum Gesehenen dazugeben.

Foto: Silja Korn

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