VORSCHAU: Was bewegt sich im Januar?

Im Januar geht es politisch zu in der Freien Szene. Fanden wir in der ersten (!) Unruhe-Monatsvorschau im November 2013 vor allem Tiere in Stücktiteln der Berliner Freien Szene wie Mäuse, Käfer, Seewolf, lesen sich die Theaterprogramme inzwischen vielerorts anders: Weniger Fauna, weniger artiness und mehr (historische) Kontextualisierung. Themen wie Migration und Arbeit dominieren in immer mehr Spielplänen. Oder ist das nur Einbildung? Jedenfalls kommen hier zu den aktuellen Anlässen auf die Straße zu gehen, einige Anlässe, der Freien Szene treu zu bleiben:

Kunst und soziale Bewegung

Vom 9. bis 11. Januar findet im HAU der Kongress statt. Der Kongress bringt über zwanzig von Künstler_innen gegründete Organisationen zusammen, die über singuläre Kunstprojekte hinaus Strukturen aufbauen für „Formen des Widerstandes, der Emanzipation und der (Self)-Governance“. In Panels zu „Solidarity & Unionising“ oder „State & Statelessness“ treffen Gruppen aufeinander wie etwa das Jewish Renaissance Movement in Poland, das die Rückkehr von 3,3 Millionen Juden nach Polen fordert oder Gulf Labor, das die Ausbeutung von Arbeitsmigranten in Abu Dhabi dokumentiert oder das Zentrum für Politische Schönheit. Mit teilnehmenden Gruppen aus u.a. den Phillippinen, Griechenland, der Ukraine, Argentinien und Mali nennt sich der Kongress zu Recht international. Den Kongress kann man auch im Livestream verfolgen.

Im Ballhaus Naunynstraße läuft derweil ununterbrochen das Festival WE ARE TOMORROW. Vom 15. November 2014 bis zum 26. Februar 2015 widmet das Festival dem 130jährigen Jubiläum der Berliner Afrikakonferenz Filmvorführungen, Lesungen, Ausstellungen, Konzerte u.v.m. Spätestens angesichts der eingeladenen Tanzperformances wie etwa STILL / LIFE von Qudus Onikeku am 13. und 14. Januar sollte man sich genau überlegen, ob man den Januar verstreichen lassen will, ohne ins Ballhaus Naunynstraße zu gehen.

Die Generation Y hat in Deutschland Naziopas

WARUM BIN ICH HEIMLICH SO VERDAMMT STOLZ AUF MEINEN NAZIOPA?, fragt eine Stückentwicklung des 4. Studienjahres Schauspiel der Ernst Busch-Schule. Moritz Kienemann versucht als Solo-Performer ein Portrait der Generation Y. Die jungen Leute von heute als Thema – das mag müde klingen. Aber wo kann sowas gelingen, wenn nicht bei jungen Leuten am BAT? Premiere ist am 15. Januar.

Dafür benutzt man Zwischenüberschriften eigentlich nicht, aber: Mir fällt gerade auf, wie schön eigentlich die Theaternamen Heimathafen, Ackerstadtpalast und Vierte Welt sind.

Im Ackerstadtpalast und in der Vierten Welt schauen zwei Inszenierungen jeweils am 17. und 18. Januar aus unterschiedlichen Richtungen auf Flucht und Asylsuche: GOODBYE, EDEN im Palast in der Ackerstraße unternimmt es, die Geschichten Geflüchteter mit persönlichen Erinnerungen der Akteur_innen zu verzahnen und geschichtlich den Bogen bis zum 2. Weltkrieg zu spannen; THERAN, die dritte Performance der Reihe Ausnahmezustand nach dem gleichnamigen Buch Navid Kermanis, möchte aus der Vierten Welt am Kotti einen Ort der Gastfreundschaft machen.

Am 21. Januar schließlich geht der Heimathafen Neukölln in die nächste Runde und erweitert die viel besuchten und preisgekrönten Asyl-Monologe zu ASYL DIALOGE[]N. Das dokumentarische Theater der Bühne für Menschenrechte berichtet dabei von erfolgreichem Aktivismus gegen Abschiebungen.

Die Armut und das Schweinesystem

Die Zukunft am Ostkreuz ist vor allem Club und Kino. Doch immer wieder fallen sie mit Theaterprojekten auf, die man ansonsten in Friedrichshain u.a. nach der Schließung der Theaterkapelle vermisst. Am 18. und 20. Januar wird das Musical 120 MINUTEN ARMUT vom Ensemble aus „Refugees, Anwohnern und Laien“ auf die Bühne gewuppt. Ein Anlass, die Zukunft kennenzulernen. Ach ja, Ausstellungen gibt es dort auch.

Ein Stück über „Heimat, Heimweh, Agression“ brüllen die Akteur_innen vom Obdachlosentheater RATTEN 07 dem Publikum in der Brotfabrik entgegen. Zumindest im Trailer. Mit HEIDIZEIT + HALLUZINATIVER ABEND IM GASOMETER meldet sich am 24. Januar endlich die berüchtigte Theatergruppe zurück, die durch Kooperationen mit der Volksbühne bekannt geworden ist.

Und am Ende des Monats? Geht’s z.B. ins Theater im Aufbau-Haus: Mit SCHWEINESYSTEM wagen Studierende der UdK unter der Regie von Bernadette Sonnenbichler eine Uraufführung. Der 2014 erschienene Roman von Christine Koschmieder wird als Live-Hörspiel umgesetzt: RAF, FBI, Lippenstift und Cadillac kommen vor.

Viel Spaß im Januar!

Foto: Paul Wagner (zu sehen sind Aktivist_innen des Zentrums für Politische Schönheit)

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