Drogen, Blut und nackte Haut – MS Schrittmachers Retrospektive zu Anita Berber im Bethanien

 

Die Tänzerin, Schauspielerin und Choreografin Anita Berber ist während des ersten Weltkrieges der Star des Berliner Nachtlebens. Sie betitelt ihre Tänze mit den Themen des Lebens: „Das Siechtum“ – „Der Selbstmord“ – „Die Schwangerschaft“ – „Kokain“. Mit ihrer Inszenierung von „Salome“, in der sie sich mit Rinderblut übergießt, schockt sie ihre Zeitgenossen. Sie braucht kein Atelier, sondern entwickelt ihre Performances in der Küche oder in der Kneipe. Mit 29 Jahren stirbt sie im Bethanien Krankenhaus in Kreuzberg.

Das Künstlerkollektiv MS Schrittmacher widmet der Tänzerin jetzt eine Retrospektive: Zehn Tage lang, mit fünf Formaten im heutigen Kunstquartier Bethanien. Den Auftakt gab am Donnerstag die Performance „Anita Berber – Sie trägt die Nacktheit im Gesicht“. Zwei Tänzerinnen und eine Schauspielerin nehmen das Publikum mit auf die Reise durch das Leben und Wirken Anita Berbers. Drei Frauen – drei Facetten einer Tänzerin. Maria Walser, die junge, impulsive Anita Berber ist voller Energie und Aggressionen gegen die Zuschreibungen, die ihr die Gesellschaft macht.  „Ich bin keine Nackttänzerin, nur weil ich mich einmal ausgezogen habe“.
Brit Rodemund als künstlerische Persönlichkeit, die zurücktritt hinter den technisch ausgefeilten Bewegungen – Anita Berbers Tanz ihren Körper leiht. Und dann Cora Frost als erwachsene, deutlich von Drogen gezeichnete Anita Berber. Die Schauspielerin leitet auch textlich durch den Abend. Das Publikum sitzt im Studio 1 zwischen zwei Bühnen, die Künstlerinnen bewegen sich durch den Zuschauerraum auf dem Weg zu ihrer jeweiligen Spielstätte.

Diese Nähe wirkt bestechend und erhöht die Sogwirkung des Stückes. Unterlegt ist die Performance mit elektronischen Klängen und Musik aus den zwanziger Jahren und verstärkt damit das Gefühl in einem Live-Film über Anita Berber zu sitzen. Empfehlung zum Wochenende: Hingehen und sich verführen und abstoßen lassen von der wilden Zeit der zwanziger Jahre und einer Frau, die versucht hat mit Ihrer Kunst gegen die Sichtweisen ihrer Zeit anzukämpfen.

Foto: MS Schrittmacher

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