Remembering ‚Mongoflipper‘ : Ein Randgruppenkrimi im Theaterdiscounter

© Vadim Bolokowski

Am kommenden Wochenende zeigt der Theaterdiscounter erneut die streitbare Farce ‚Mongoflipper‘, die am 29. Januar Premiere hatte. ‚Mongoflipper‘ ist eine kollektive Arbeit von Regisseur Cornelius Schwalm, Dramaturgin Sophie Nikolitsch und Schauspielerin Verena Unbehaun, die unter dem Namen MARIAKRON seit 2010 gemeinsam arbeiten.
Zusammen mit fünf weiteren Schauspielern und Schauspielerinnen (tolles Ensemble!) steht Verena Unbehaun in ‚Mongoflipper‘ als Bernd auf der Bühne. Bernd scheint sich gewohnten sozialen Normen nicht anzupassen. Er verhält sich eigenbrödlerisch, unsozial, und gelegentlich hat er Tourette-artige Anfälle. Ist er als Mensch mit Behinderung zu bezeichnen? Und lassen sich zusätzliche Förderungen einheimsen, wenn man ihn in einem Theaterstück besetzt? Diese Fragen werden in ‚Mongoflipper‘ kess formuliert.

Pascal und Bernd

In der Konstruktion von ‚Mongoflipper‘ soll Bernd in einem Theaterprojekt mitwirken. In einem Stück-im-Stück spielt er Pascal, eine Figur, die ebenfalls mit ihrem Anderssein zu kämpfen hat.
In eben diesem Theaterstück befinden wir uns während des ersten Drittels von ‚Mongoflipper‘, vorgetragen in grüner Kunstrasen-Kulisse. Doch schon bald mischt sich der fingierte Regisseur (Matthias Rheinheimer) manisch in das Geschehen ein, und das Theaterprojekt stößt trotz seiner ach so großen Offenheit an die Grenzen der political correctness. Die Situation eskaliert postdramatisch, und aus Pascal wird Bernd.

Heiße Debatten um Bernds Verhalten entflammen innerhalb der Theatergruppe. Dieser wird darin zur Symbolfigur für eine gegenwärtige Theaterkultur, die sich dezidiert ‚Randgruppen‘-Thematiken öffnet, und dabei doch in exklusiven und ausschließenden Strukturen verhaftet bleibt. Von postmigrantischem Theater, Menschen mit Behinderung auf der Bühne, dem andauernden Konflikt von Stadttheater versus Freie Szene bis hin zum Klischee des ‚armen Künstlers‘ : Die Assoziationsmaschinerie ‚Mongoflipper‘ lässt in dieser aufgeheizten Schlammschlacht kaum einen Konfliktherd des gegenwärtigen Theaterdiskurses aus. Als selbsternannter ‚Randgruppenkrimi‘ treibt die Inszenierung diese Themen selbstreflexiv auf die Spitze.

Entstanden ist dabei ein Theaterabend, der, stellenweise deutlich überladen, stellenweise zynisch, stellenweise peinlich, in seiner Heterogenität doch sehenswert ist.

Weitere Vorstellungen am 20. / 21. / 22. März sowie am 15. / 16. / 17. Mai um jeweils 20 Uhr.

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