VORSCHAU: Was geht im Januar?

Eine Vorschau für den ersten Monat des Jahres zu schreiben, kommt einem Hindernisparcours gleich, allenthalben muss ausgelutschten Formeln à la Neubeginn, guten Vorsätzen und Jahresbilanzen ausgewichen werden. Dabei spricht eigentlich nichts dagegen, sich der Übermacht des gregorianischen Kalenders einfach trotzig zu widersetzen, das Theaterjahr folgt seinen eigenen Gesetzen! Der Beginn des Theaterjahres wird von jeder Bühne fröhlich anarchisch selbst bestimmt, ganz ohne Bürgerkriegsaudiokulisse. In diesem Sinne: Schmeißt die Klumpen Blei und Glückskekse aus dem Fenster! Frohe 2- 3 ½ monatige Spielzeit!

1. Eine der begrüßenswerten selbsterfundenen Traditionen des Berliner Kulturbetriebs sind die alljährlichen Tanztage in den Sophiensaelen. Vom 4. bis 14. Januar können sich Besucher_innen ein Bild davon machen, was die zeitgenössische Choreographieszene so (um)treibt. Das vielfältige Programm, das sich selbst als mögliche Antwort darauf, wie sich der zeitgenössische Tanz in Berlin definiert, betrachtet, reicht von der dreiminütigen Performance bis zum Gastspiel des ersten Residenz-Programms in Polen. Wer sich nicht von den verschwurbelten Beschreibungen abschrecken lässt, kann sich frei nach dem Motto: „- be a witness, be inspired, be initiated!“ von der Formenvielfalt der Tanzszene überzeugen lassen.

2. Quasi parallel gibt es in Adolfo Assors Garn Theater fast durchgängig vom 2. bis zum 13. Januar die Aufzeichnungen aus der Unruhe nach Fernando Pessoa zu sehen, von und mit Adolfo Assor.

3. Im Ballhaus Naunynstraße werden im Rahmen der Serie Rauş- neue deutsche Stücke vom 10.-12 Januar die Ergebnisse eines post-migrantischen Theaterworkshops präsentiert. Am 10. Januar gibt es mit „Du weißt ich muss gehen“ von Hakan Savaş Mican und „Abkommen“ von Deniz Utlu zwei Stücke, die sich mit Generationenkonflikten im postmigrantischen Kontext auseinandersetzen. An den beiden weiteren Abenden gibt es jeweils andere Stücke aus dieser Kooperationsarbeit mit dem Maxim-Gorki Theater zu sehen, es besteht also keine Wiederholungsgefahr.

4. Für diejenigen unter uns, denen Ringbahnausfall und gefrorene Hundescheiße nicht ausreichen als Jahreszeitseinstimmung, gibt es im Theater unterm Dach ab dem 10. Januar eine Szenische Version des Liederzyklus Winterreise von Franz Schubert zu sehen.

5. Wer Lust hat, mit einem der Unruheredakteur_innen in den tiefen tiefen Westen zu ziehen, kann sich am 14.1. in der Vagantenbühne in Charlottenburg ein Bild von der Stimmung zu Beginn des Ersten Weltkriegs machen. In der Revue Hurra! 1914 soll mit „patriotischen Hurra-Liedern und heldenhafte[r] Kitschlyrik“ die phrenetische Begeisterung am Rande des Abgrunds rekonstruiert werden.

6. Potentiell spannende Verbindungen werden in der Brotfabrik eingegangen, wenn Brechts episches Theater mit aktuelleren Formen des Improvisationstheaters zusammengeführt wird. Von den Ergebnissen dieses Experiments eines Theaters ohne Probe im Sinne von: Brecht könnt ihr euch am 16. Januar überzeugen lassen.

7. Zum Ende des Monats hin widmet sich das Theaterkollektiv Turbo Pascal in Zusammenarbeit mit der Hector-Peterson-Schule (Kreuzberg) im HAU 3 Fragen nach der Möglichkeit und Konsequenz von Zukunftsprognosen und wie aus ihnen ausgebrochen werden kann. Weissagungen läuft vom 29. bis zum 31. Januar.

8. Ebenfalls am 29.1 und ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt: Das Ensemble Mariakron inszeniert mit Mongoflipper „Theater im Theater als Expertenendzeitkomödie“ und versucht sich auf diesem Wege auch Fragen von (Nicht-)Behinderung im Theaterbetrieb zu stellen.

9. Am letzten Januartag wird die Unruhe gleich in zwei Premieren des BAT, des Studiotheaters der Ernst Busch Hochschule, einziehen. Ihr steht vor der Wahl, euch entweder in Das blaue blaue Meer zu stürzen oder dem Kampf des N… und der Hunde beizuwohnen.

Also, nicht vom Überangebot abschrecken lassen und auf zur Erkundung der zahlreichen Theater Berlins!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s