VORSCHAU: Was läuft im Dezember?

Den Monatsanfang bemerkt man meist durch die fällige Miete. Und durch die Monatsvorschau von Unruhe im Oberrang. Dass auch Theater Miete zahlen und deswegen (gerade die kleinsten) durch Gentrifizierung bedroht sind, war u.a. Thema der letzten tip-Ausgabe mit einem lesenwerten Artikel von Peter Laudenbach. Allerdings: Die hier formulierten Lösungsansätze haben nicht mehr viel mit den kleinen Theatern zu tun und um Gentrifizierung geht’s am Ende sowieso nicht mehr. Wir gehen derweil ins Theater, ob sie schon als Standortfaktor gelten oder nicht.  Aus der Aufführungsvielfalt der kleinen Berliner Bühnen haben wir – ganz skrupellos – für den Dezember eine Handvoll Premieren herausgeklaubt. Wie immer gilt: Hingehen auf eigene Gefahr, es können gute Stücke darunter sein!

1. Der Theaterdiscounter widmet gleich drei Premieren, nein, Erstaufführungen, vor Weihnachten dem Thema „Liebe“ und zwar fern klassischer Romantik in der „Absurdität des digitalen Kerzenscheins“. Die Performance Save your love  (am 4., 5. und 6.) droht im Programm damit, zu einer „kollektiven Paartherapie“ zu werden, bei der der „poptraumatische Bühnenraum“ auseinanderbricht. In love.abz  (am 12., 13. und 14.) wird im Live-Experiment mit Google-Translator erprobt, wie viel Liebe übrig bleibt im Dialog von Mensch und Maschine und Neue Liebe  (19., 20. und 21.) wühlt nach Ready Mades im romantischen Internet der Partnerbörsen und youtube-Schnulzen. Keine Angst, das ist diesmal kein Festival, klingt aber vielversprechend.

2. Ein außergewöhnliches Festival findet dafür vom 4. bis 12. im Aufbau-Theater und im Tiyatrom in Kreuzberg sowie im Theaterhaus Mitte statt: TIGRIS, das irakisch-kurdische Theatertreffen, bringt Gastspiele aus Bagdad, Duhok, Sulaimaniyah und aus Schweden nach Berlin. Neben den Aufführungen gibt es Diskussionen und Workshops. Hier das gesamte Programm.

3. Im Theater unterm Dach  lässt man im Dezember nix anbrennen: Patentöchter (am 14. und 15.) bringt den Dialog Angehöriger von RAF-Opfern und -Tätern auf die Bühne (wobei offen ist, ob hier kritische Auseinandersetzung oder Talk-Show-Sentimentalität auf dem Plan steht) und Schlachthof 5 (am 19. und 20.) spult Sciene-Fiction-Kopfkino zwischen 2. Weltkrieg, bürgerlichem Nachkriegsamerika und dem fremden Planeten Tralfamadore ab.

4. In gleich zwei verschiedenen Versionen lässt sich Krankheit der Jugend, das bekannteste Stück des Renaissance-Theater-Gründers Ferdinand Bruckner sehen, in dem sich ein Haufen junger Student_innen Exzessen hingibt, zum Einen gespielt von Studierenden der Ernst Busch-Hochschule im BAT (am 20. und 21.) und zum Anderen von (größtenteils) Studierenden der Schauspielschule Charlottenburg im ACUD (auch am 20. und 21., also in direkter Konkurrenz!).

5. Wie sehr muss man seine Eltern eigentlich lieben? Im Ballhaus Ost verspricht Hieu: Liebe deine Eltern! Eine Familienaufstellung  (am 5., 6., 7. und 8.) die „Keimzelle der Gesellschaft“ zu mikroskopieren und zu hinterfragen. Von schwierigen familiären Verhältnissen geht auch Krach im Hause Gott  (11., 12., 13., 14. und 15., by the way die einzige Nicht-Premiere auf dieser Liste) im Theaterforum Kreuzberg aus, da beruft, ein bisschen biederer anmutend, Gott(-vater) persönlich die Familiensitzung ein. Halten wir fest: Familie und (heterosexuelle) Liebe… das vorweihnachtliche Programm weist Parallelen auf, ebenso im Theater unterm Turm, auf der Vagantenbühne oder in der Vierten Welt.

Na dann, ab ins Theater! Eine schöne Adventszeit im Warmen wünscht

Unruhe im Oberrang

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