VORSCHAU: Was läuft im November?

Die Tage werden duster, die letzten Blätter in Tanks gesaugt, Lou Reed ist tot und im Fernsehen zeigen sie Ohrenoperationen. Wohin gehen? Nun, ins Theater natürlich. Unruhe im Oberrang stellt ab jetzt jeden Monat eine lose Auswahl von Premieren und anderen Veranstaltungen der kleinen Berliner Bühnen vor, die wir interessant finden und uns anschauen wollen. Für Qualität kann also nicht gebürgt werden, aber wenn es schlimm wird, ist immerhin noch jemand aus der Redaktion zum Lästern da. Nun schnell zur Auswahl:

1. Bereits in vollem Gange ist das Theaterfestival NO LIMITS, von dem zwei unserer Autoren laufend berichten, porträtieren und kritisieren. Genaueres ist im bereits erschienenen Porträt zu lesen. Das Festival läuft noch bis zum 11. November an unterschiedlichen Spielstätten, u.a. HAU 1-3 und dem Theater Rambazamba.

2. In den Sophiensaelen wird mit Herculaneum der Beweis erbracht, dass die Weltuntergangsbegeisterung kein Sonderphänomen unserer Tage ist. Die Oper, die 1859 mit großem Erfolg in Paris uraufgeführt wurde, machte aus der Verschüttung der dekadenten Stadt gleichen Namens ein tosend gefeiertes Finale. Am 15. November hat sich gezeigt, ob gleiches auch für die Inszenierung von Johannes Müller und Philine Rinnert gilt.

3. Wer will kann sich im nächsten Monat außerdem gleich dreimal Kafka ansehen. Der Heimathafen Neukölln lässt in Der Käfer Gregor Samsa in der sozialen Hängematte aufwachen, Diagnose: Burnout. Wie der Parasit lernt, wieder auf seine sechs Beine zu kommen und dabei dem Todeszappeln der Arbeitsgesellschaft entkommt, ist noch am 19. und 24. November zu sehen.
Die von uns schon wiederholt besprochene Theaterkapelle in Friedrichshain nutzt die famose Erzählung Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse für eine Reflektion der Rolle der Kunst in harter Zeit. Eine Mäusesängerin, die nichts kann als pfeifen und quieken, „wozu brauchen wir das?“ Man sehe selbst – und zwar am 27. November.
Zuletzt bringt auch das Nachwuchsensemble der Volksbühne (P14) eine vielversprechende Produktion der Verwandlung auf die Bühne. Premiere ist zwar erst am 12. Dezember, doch sollte es in der Reihe nicht fehlen.

4. Wer am 27. nicht in der Theaterkapelle ist und einen aktuellen Personalausweis besitzt, der gehe direkt in die JVA Tegel, zum Gefängnistheater aufBruch. Der Seewolf. Einmal im Leben verarbeitet einen ebenso raubeinigen wie spannenden Bestsellerroman von Jack London aus den Nullerjahren des 20. Jahrhunderts. Harte Männer, zusammengepfercht auf hoher See, eine Gemeinschaft, in der allein das Recht des Stärkeren Geltung hat – der Ankündigungstext macht aus den Analogien des Stoffs zur Gefängnissituation keinen Hehl. Ob das gut ist oder eher gut gemeint, kann am 27. November beurteilt werden (Achtung: Karten müssen bis eine Woche vor der Aufführung vorbestellt werden).

5. Vom 14. bis 17. November steht außerdem eine Konferenz zur 100-jährigen Uraufführung von Le Sacre du Printemps an. Vortragende aus Tanz und Theorie, Choreographie und Wissenschaft besprechen das Jahrhundertwerk aus allen erdenklichen Blick- und Schrittachsen. Mit dabei ist auch der hier bereits besprochene Laurent Chétouane sowie aller Wahrscheinlichkeit nach eine Unruhe-Redakteurin mit gespitztem Bleistift. Die Konferenz ist zwar öffentlich, aber leider ausgebucht, eine Nachakkreditierung vor Ort ist aber möglich.

Soviel von uns für den November. Viel Spaß im Theater und alles Gute wünscht

Unruhe im Oberrang

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