die einen, die anderen.

Am Anfang dieses  Abends bei cie. toula limnaios & cia. gira dança stand mein Vorsatz für längere Zeit von Tanzperformances Abstand zu nehmen, deren Inhalt sich mit den Worten *nackt* und *Atmung* relativ präzise zusammenfassen lässt.

Ich hatte mal wieder Lust auf ‚was Schönes‘, wo auch ‚richtig getanzt‘ wird, gern auch leicht kitschige Duette und so. Trotzdem auch kein dröger Schautanz, ein bisschen was Überraschendes, bitte.

Ein begründeter Verdacht führte mich in die Halle Tanzbühne und ohne lange Vorrede: Ich wurde nicht enttäuscht. Die einen, die anderen erfüllte nicht nur mein Bedürfnis nach wunderschön getanzten Figuren und virtuosem Zusammenspiel von Musik und Bewegung sondern barg auch Unerwartetes. Die Zuschauer_innen erwartet nicht nur eine sondern gleich zwei Kompanien.

Die Kooperation mit der brasilianischen Gruppe gira dança ist mehr als ein dezentes Anstupsen zur Auseinandersetzung mit Körpernormen. Die Parallelisierungen, Wiederholungen und Kontraste mit denen das Stück spielt fordern einen geradezu körperlich heraus. Eine fast brutale Konfrontation mit eigenen Vorstellungen von „normal“ und „behindert“ ist nahezu unvermeidlich. Es ist ein ungeheures Verdienst nicht nur zu schockieren oder Inklusivität vorzuspielen sondern offenzulegen, wie groß in Wahrheit der Möglichkeitsraum ist, der diese Begriffe mühelos hinter sich lässt. Dieser besitzt dann tatsächlich einen utopischen Kern, den im Vergleich zu diesem energiegeladenen Tanzspektakel die Foucault Zitate, die zu Anfang des Stücks verlesen werden, nur mangelhaft andeuten.

Die Ergänzung durch Video ist stellenweise überfordernd, aber die meiste Zeit bereichernd. Die Musik ist zurückhaltend, gerade aufgrund ihrer Passgenauigkeit, die jede Stimmung unterstützt, aber nicht aufzwingt. Jedem Tänzer und jeder Tänzerin wird so viel Aufmerksamkeit gewidmet, dass man am Ende glaubt sie alle ein wenig zu kennen.

Wer also ein bisschen Schönheit sucht, sich aber dennoch nicht mit Schwanensee im Friedrichstadt Palast abfinden möchte; Wer beim Wort ‚Performance‘ kurz zusammenzuckt und sich nach viel verschwendeter Lebenszeit ab jetzt immer nur direkt neben den Ausgang setzt, ist hier genau richtig. Garantiert keine Fremdscham oder Langeweile. Dafür berührende Choreographien und beeindruckende Tänzer.

 

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Das Stück läuft Donnerstag bis Sonntag im Rahmen des PAF jeweils um 20:30 in der Halle Tanzbühne im Prenzlauer Berg.

Photos © Dieter Hartwig

PAF 2017

Freund_innen der Off-Szene, der abwegigen Spielorte und der PAF Wortspiele: das große Festival der Berliner Freien Szene ist wieder zurück!

Dieses Mal gibt es zwar keine close-up, twitter-galore, en detail permanent Berichterstattung von uns [zum Schaden aller Beteiligten haben ausnahmslos alle Oberrang-Mitglieder unbefristete & überbezahlte Stellen im Kulturbetrieb ergattern können] aber einige Empfehlungen, Kommentare und besagte PAF-Wortspiele wollen wir euch auch dieses Mal nicht vorenthalten.

Schaut einfach in den nächsten Tagen hier vorbei. Die ersten Veranstaltungen gabs schon heute, das Programm gibt Aufschluss über die Fülle der noch kommenden Veranstaltungen!

#PAFthemagicdragon #PAFillicous

Zwischen dem besinnlichen Fest und der großen Party -> 6 Theatertipps!

Die letzten Geschenke werden einpackt, die Silvesterpläne gegeneinander abgewogen, der Glühwein warm und der Sekt kalt gestellt. Während die einen die Jahres To-Do Liste noch schell akribisch abarbeiten, sind die anderen schon im Entspannungsmodus. Die Zeit zwischen dem besinnlichen Fest und der großen Party scheint ihre ganz besondere Dynamik zu haben. Aber wie sieht es denn damit in der freien Szene aus?!

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„Terror – Ihr Urteil“: Vom Verflachen des Gerichtstheaters auf dem Flachbildschirm des Unterhaltungsfernsehens

Das interaktive TV-Experiment „Terror – Ihr Urteil“ bringt eine moralphilosophische Debatte ins Unterhaltungsfernsehen. Das fürs Öffentlich-Rechtliche adaptierte Theaterstück steht dabei in einer Traditionslinie mit dem Gerichtstheater: Von Aischylos’ Orestie bis hin zu Peter Weiss’ Ermittlung sollte das Publikum in die Lage versetzt werden, ein ausgewogenes Urteil über die Handlung zu fällen und so zu einer politischen Haltung zu kommen. Doch unter der Maske juristischer Klarheit verkommt dieses einstmals aufklärerische Genre in „Terror – Ihr Urteil“ zu einem diffusen und effektheischenden Spektakel.

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„Selbstbeschwichtigung“ von Turbo Pascal in den Sophiensaelen

„Werden wir unser Verhalten in Zukunft in irgendeiner Form verändern?“, steht im letzten Absatz der Postkarte zum Stück „Selbstbeschwichtigung“ des Berliner Theater- und Performancekollektivs Turbo Pascal, das seine Premiere am 29.09.2016 in den Sophiensaelen feierte.

Die Antwort gleich vorweg: nein, werden wir vermutlich nicht. Zumindest nicht, solange wir uns selbst beschwichtigen. Was zunächst als Schwachstelle, als nicht eintreffende Intension der Gruppe, vermutet werden kann, entpuppt sich bei nochmaliger Reflexion allerdings als ein stimmiges Konzept. Denn mit dieser Schlussfolgerung ist das Stück in sich aufgegangen. Und das ohne erhobenen Zeigefinger.

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White Noise und die Überreizung des Publikums – „Quantified Me 3D. Die Instrumentalisierung meines Schuldgefühls“ im Ballhaus Ost

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Die Inszenierung „Quantified Me 3D“ von virtuellestheater berlin im Ballhaus Ost nimmt sich das Phänomen der Quantified-Self Bewegung zum Thema. Quantified-Self ist ein Phänomen, dessen Wirkung mittlerweile in den verschiedensten Bereichen unseres Lebens zu spüren ist. Die Quantified-Self Bewegung entstand zuerst als eine kleine Community im Internet, die die Daten ihrer Körper archiviert, teilt und vergleicht. Das Datensammeln über die eigene Person und das eigene Leben wird dabei zum Fetisch und die Daten selbst zum Produkt.

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Hex hex im Matriarchat – „Grrrrrl“ in den Sophiensälen

Die vier Performer*innen des Kollektivs Henrike Iglesias kreieren an diesem Abend in den Sophiensälen einen utopischen Raum namens Fort Grrrrrl, in dem das Patriarchat ausgeschaltet ist und Konnotationen des Bösen, die Weiblichkeit zugeschrieben werden, ausgelebt werden können. Sie spielen tabuisierte und negativ assoziierte Themen wie Masturbation, Menstruation, sexuelle Selbstbestimmtheit, was es bedeutet eine „gute“ Mutter zu sein, kraftvoll und unterhaltsam durch. Weiterlesen