VORSCHAU: #immernochkeinsommerloch

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Das Gute am Sommer, wenn kein Sommer ist: Es gibt ganz neue Optionen! An die Stelle von See, Federball und Sonnenbrand rücken in diesen kaltnassen „Sommer“-Tagen: endlich mal den Péter Nádas lesen (indoors!), Toni Erdmann im Neuen Off schauen, mit Googles Algorithmus DeepDream rumexperimentieren (siehe Foto), Angela Merkel und Christoph Schlingensief in Der heiße Stuhl von 1992 anschauen und – die Bühnen dieser Stadt! Weiterlesen

Wo sind die Roboter? – L’OdYSSÉE von hotairproduction im Ballhaus Ost

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Heute gehe ich mit meiner Lieblingsmaschine ins Theater. Wir hatten lange keine Zeit mehr zu zweit, aber die Vorschau verspricht Roboter als Darsteller und Musiker.

In der S-Bahn sitzt sie auf meinem Schoß und ich streichele sie zärtlich, während sie mir weiter vorliest: Maschinen auf der Suche nach ihrem Ursprung. (…) Roboter leiden, lieben und kämpfen mit den Göttern. (…) Kann ein Stück ohne Schauspieler die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewinnen und emotionale Reaktionen hervorrufen?

Im Ballhaus Ost werden wir in eine Kunstgalerie geleitet. Es hängen schwarze Bilder an den Wänden, an kleinen Tischen bekommt man von einer Dame in griechischer Tracht kostenlos Wein ausgeschenkt, ein Staubsauger-Roboter fährt eine weiße Gips-Skulptur durch die Gegend. Der Roboter spricht verzerrtes Deutsch, Englisch und Französisch:

Wir glauben an euch, die ihr uns Leben eingehaucht habt.

Als er an einem Kabel hängen bleibt, steht ein verlotterter Typ im goldenen Mantel aus einem Sessel auf und schlurft der Maschine zur Hilfe. Dann betrachtet er der die schwarzen Bilder eingehend. Hm… sagt der Typ, der einen prima Jesus von Nazareth abgeben würde oder den Dude aus The Big Lebowski, aber wo ist da der Unterschied, denke ich, beide sind Auserwählte, die mit der Welt wie sie eingerichtet ist, mächtig Probleme bekommen. Und beide sind Amerikaner, was man so hört.  Weiterlesen

Don’t be a prisoner of the moment – Zur Eröffnung des letzten Foreign Affairs-Festivals 2016.

 

Das internationale Performing Arts Festival Foreign Affairs der Berliner Festspiele findet dieses Jahr vom 5. Juli bis 17. Juli im Haus der Berliner Festspiele und dem Martin-Gropius Bau statt.
Zum letzten Mal finden sich Künstler und Performer zusammen, um ihre künstlerischen Arbeiten zum diesjährigen Thema „uncertainity“ zu zeigen. Der Martin-Gropius-Bau widmet dem südafrikanischen Künstler William Kentridge eine umfassende Werkschau. An der Schnittstelle von Performance und Ausstellung tummeln sich vielseitige Formate und Events, die auf welche Weise auch immer „uncertain“ sein sollen. Das Thema „Unsicherheit“/ „Uncertainity“, so erklärt der Direktor des Festivals Matthias von Hartz in seiner Eröffnungsansprache, sei von William Kentridge inspiriert und würde weniger einen zeitgenössischen gesellschaftlichen Status quo der Angst ins Zentrum rücken, als vielmehr das Potenzial an Freiheit, das sich in unsicheren Verhältnissen verbirgt. Das Freiheit sich vor allem über Selbstbestimmung herstellt und Sicherheit dafür ein unverzichtbares Gut ist, wird beiseite gelassen. Weiterlesen

Rassistischer Zwischenfall beim Theatertreffen der Jugend

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Vom 3. – 11. Juni 2016 gastiert das Theatertreffen der Jugend im Haus der Berliner Festspiele. Das Theatertreffen der Jugend stellt als jugendliche Version des Theatertreffens das wichtigste überregionale Treffen für junge Theatermacher_innen dar.
Eingeladen wurde diesmal auch «One day I went to Lidl» von den Autodidakten des Ballhaus Naunynstrasse, ein gemeinsames Musik- und Theaterprojekt von Geflüchteten und Berliner_innen of Color, das die Migrationsgeschichte eines Refugees in London mittels Spoken Word, Performance und Live-Musik erzählt. Dass das «ttj» damit gesellschaftliche Normalität abbildet und keine ausschließlich weiße Veranstaltung bleibt, überforderte anscheinend die ebenfalls eingeladene weiße Theatergruppe «rohestheater» aus Aachen.

«Die schlimmste Beleidigung, die ich als Künstlerin je erlebt habe»

Gleich am Eröffnungsabend verunglückte das Theatertreffen der Jugend. Die eingeladenen Gruppen sollten sich gegenseitig vorstellen. Anstatt sich mit dem Projekt «One day I went to Lidl» auseinanderzusetzen, nutzen die Aachener Jugendlichen die Gelegenheit, einen Auftritt hinzulegen, der die Autodidakten des Ballhaus Naunynstrasse rassistisch beleidigte und angriff.

Benita Bailey, die selbst am Ballhaus-Stück mitgewirkt hat und anwesend war – im Gegensatz zum Autor dieses Artikels – beschreibt die Vorgänge so: «21 Jugendliche marschierten militant mit Sonnenbrillen «maskiert» und Einkaufsbeuteln ausgestattet auf die Bühne. Die Steigerung in den Alptraum begann Weiterlesen

VORSCHAU: Was bringt der Juni?

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Vielleicht gaben sich manche zuletzt schon beim Performing Arts Festival freie-Szene-mäßig die Kante. Und vielleicht ist es überhaupt müßig im Juni, wenn sich alle Welt zum Knutschen oder Kiffen an kleinen Wasserflächen versammelt, Ausgehtipps zu geben. Aber man kann ja auch mal bekifft ins Theater. Und händchenhaltend, mit großen Augen warten, dass der Vorhang aufgeht. Wie dem auch sei: Hier eine Auswahl von Premieren und allerlei Dienliches für den Juni!

Im Ackerstadtpalast bringen die Regisseurin Yael Gaathon und die Tänzerin Vangeline das absurde Körpertheater Butoh aus Japan mit der Musik Ludwig van Beethovens zusammen. “Dancing with Ghosts” zieht seine Inspiration Weiterlesen

GRANDE FINALE: Der letzte Tag des Performing Arts Festivals

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© HEARTS IV ♥

Anstatt nun in konjunktivische Wehmut zu verfallen, welche Performance man doch unbedingt hätte sehen müssen, Schluss damit: Es gibt von morgens bis tief in die Nacht am letzten Tag des Performing Arts Festivals genug zu tun/sehen/hören/staunen. Hier unsere Tipps, sortiert nach Kiezen, dann müsst ihr euch theoretisch nicht mal groß vom Fleck rühren, was bei fast 30 Grad mit Sicherheit nicht verkehrt ist! (Sorry Schlachtensee, Wannsee usw. – ihr müsst leider bis Montag warten!)

1. NEUKÖLLN
Es geht los um 12 Uhr im Klunkerkranich über den Dächern (hoffentlich mit reichlich regenerierendem Sonnenschein!) mit dem Festivalbrunch für die ganze Festival-Familie, auch euch!
Ein paar Schritte weiter (direkt am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße) versammeln sich im Theaterprobensaal VHS um 15.00 Uhr alle möglichen Beteiligten des Festivals zu einer Rückmeldung und damit Vorausplanung für 2017. Zurück in die Zukunft sozusagen.
Alternativ kann man auch Richtung Hermannplatz ins Tatwerk zu „CAPTURING A WHITE BIRD. THAT IS ALL THE SAME AS CAPTURING THE BLUE SKY“ (15.30) von 4 Rude spazieren, wo es um Utopien und das Versinken im Sand geht.

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© 4RUDE. „Capturing a white bird“ im TATWERK.

Wieder zurück in der Karl-Marx-Straße geht es zum George Tabori Preis 2016, der um 17 Uhr im Heimathafen verliehen wird. Der Preis stellt die höchste bundesweite Auszeichnung für Ensembles und Künstler*innen aus der freien Theaterszene dar.
Ebenfalls in der Nähe vom Hermannplatz folgt um 18 Uhr im URBANRAUM die Performance „Hearts IV ♥“ zum Thema Künstlerhearts und zum homofonen „basic surviving kit“.

2. NORD-OST
Im Prenzlauer Berg und in Pankow beginnt das Programm noch früher: Weiterlesen

Freikarten für „Algorithmen“ von Turbo Pascal und für „Schlager als Chance“ von Maria Kron #PAF16

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Es gibt etwas zu gewinnen für den letzten #PAF16-Festivaltag:

Um die Freikarten zu bekommen, schreibt uns einfach bis zwei Stunden vor Aufführungsbeginn eine E-Mail mit dem Stichwort „Turbo“ bzw. mit dem Stichwort „Primel“ an: deroberrangdrehtdurch@gmail.com. Viel Spaß!

#PAF16 – Teil III (Samstag) Unterwegs im Prenzlberg

Der Festival-Samstag hat die höchste Veranstaltungsdichte. Und die Veranstaltungen sind über die gesamte Stadt verteilt. Schnell stellt sich die Planungsfrage: Wie komm ich nach der Performance um 16:30 Uhr in Tempelhof zum Tanzstück in Pankow um 16 Uhr…?

Hier ein Vorschlag für den optimal ausgelasteten Tag im Prenzlauer Berg:

Option 2: Ein Tag durch den Prenzlberg

Im Prenzlauer Berg beginnt der Tag natürlich mit Kindertheater. Um 11 Uhr im Theater O.N. am Kollwitzplatz musizieren eine Bassklarinette, Wassergläser und Tenorstimme «Ein Kleines Stück Himmel» herbei. Das Musiktheaterstück reüssierte schon an der Deutschen Oper und ist für Kinder ab 2 Jahren.

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Danach ist genug Zeit für Mittagsnickerchen und Bio-Bärlauch-Rhabarbar-Brei. Ab 13 Uhr gibt’s dann im DOCK 11 die Chance, «15min» allein mit der Performerin Hyoung-Min Kim auf engem Raum zu verbringen und zu erfahren, was ein «Personal Space» ist.

Um 15 Uhr lädt das Ehemalige Stummfilmkino Delphi zur gemeinsamen Standortbestimmung mit der Schaubude ein. Weiterlesen

PAF – Teil II: The Weekend

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Nach dem Tag Pause, der zumindest alle Teilnehmenden/Feiernden eher noch erschöpfter zurück lassen wird als vorher, fängt Freitag der Hauptteil des PAF-Programms an und damit auch der Kampf gegen die Überfülle an Programmpunkten. Gerne assistieren wir von UnruheimOberrang euch bei eurem Weg durch den Festivaldschungel und präsentieren euch eine Auswahl an Stücken und Events.

Voilà:

Mit Ecole Flaneur, einer Walking Performance im öffentlichen Raum, werden wir eingeladen mit unserem ganz persönlichen Flaneur durch Berlin zu streifen (mehrfach Freitag und Samstag beim EDEN*****). Allons-y les enfants!

Ebenfalls draußen wird sich gestritten: in I am reality (die elektroschuhe) dürfen die Zuschauer_innen einem streitenden Pärchen vor dem Baumarkt zusehen; eine Wohltat für alle Singles, die sich im IKEA schon einmal nur mit Zimtrollen über ihre Einsamkeitsgefühle hinwegtrösten konnten.

Site specific wird’s in einer Wohnung im Prenzlauer Berg, in der um 16,18 und 21 Uhr (und nochmals Samstag um 16 und 18 Uhr, 21 Uhr Englisch, Sonntag 3x Englisch) Einblick gewährt wird in das Innenleben von Max Howitz, unter dem Titel: ALL TAG.

In Herakliden.Net können wir einen Vorgeschmack bekommen auf die digitale Zukunft 5.0 oder so, in der sich Computerspiel und Realität vermischen. LAN Party goes PAF! (Fast das ganze Wochenende über in der Willner-Brauerei-Berlin).

In dem von uns vorgestellten Greenhouse gibt’s zu jeder vollen Stunde ab 20 Uhr Hauen und Stechen von LWOWSKI•KRONFOTH•MUSIKTHEATERKOLLEKTIV. Wie so oft versucht das Kollektiv den Raum ihrer Aufführung miteinzubeziehen, was gerade bei dieser Location verspricht spannend zu werden.

Schlager als Chance: In meiner Bluse platzt die Primel von Verena Unbehaun und Stefan Hillebrand, zu sehen im Theaterdiscounter um 22 Uhr (Sonntags nochmal um 19 Uhr), sollte allein schon wegen des Untertitels „Minimalistisches Bürokonzert“ besucht werden.

Außerdem könnt ihr euch im ehemaligen Stummfilmkino Delphi davon überzeugen, dass auch die Oper in Berlins Freie Szene Einzug erhält und erhalten sollte. Die Berlin Opera Group führt Le nozze die Figaro auf, ein klassisches BäumchenWechselDich – Liebes Drama, mit tollem Gesang und in wunderschönen Räumlichkeiten, die für Live-Musik und -Gesang gebaut wurden.

Wem es eher nach gemütlich und weniger Drama ist, darf sich raus nach Friedrichshagen wagen, wo in den Lake Studios die workinprogress der derzeitigen artists in residency vorgestellt werden (Unfinished Fridays Performance Evening) Und wo lässt sich das allabendliche Gewitter schon besser verfolgen als direkt am See?

Also, genießt den ersten Wochenend-Festivaltag und macht euch bereit für ein dreitägiges Performancegewitter!