Zwischen dem besinnlichen Fest und der großen Party -> 6 Theatertipps!

Die letzten Geschenke werden einpackt, die Silvesterpläne gegeneinander abgewogen, der Glühwein warm und der Sekt kalt gestellt. Während die einen die Jahres To-Do Liste noch schell akribisch abarbeiten, sind die anderen schon im Entspannungsmodus. Die Zeit zwischen dem besinnlichen Fest und der großen Party scheint ihre ganz besondere Dynamik zu haben. Aber wie sieht es denn damit in der freien Szene aus?!

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„Terror – Ihr Urteil“: Vom Verflachen des Gerichtstheaters auf dem Flachbildschirm des Unterhaltungsfernsehens

Das interaktive TV-Experiment „Terror – Ihr Urteil“ bringt eine moralphilosophische Debatte ins Unterhaltungsfernsehen. Das fürs Öffentlich-Rechtliche adaptierte Theaterstück steht dabei in einer Traditionslinie mit dem Gerichtstheater: Von Aischylos’ Orestie bis hin zu Peter Weiss’ Ermittlung sollte das Publikum in die Lage versetzt werden, ein ausgewogenes Urteil über die Handlung zu fällen und so zu einer politischen Haltung zu kommen. Doch unter der Maske juristischer Klarheit verkommt dieses einstmals aufklärerische Genre in „Terror – Ihr Urteil“ zu einem diffusen und effektheischenden Spektakel.

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„Selbstbeschwichtigung“ von Turbo Pascal in den Sophiensaelen

„Werden wir unser Verhalten in Zukunft in irgendeiner Form verändern?“, steht im letzten Absatz der Postkarte zum Stück „Selbstbeschwichtigung“ des Berliner Theater- und Performancekollektivs Turbo Pascal, das seine Premiere am 29.09.2016 in den Sophiensaelen feierte.

Die Antwort gleich vorweg: nein, werden wir vermutlich nicht. Zumindest nicht, solange wir uns selbst beschwichtigen. Was zunächst als Schwachstelle, als nicht eintreffende Intension der Gruppe, vermutet werden kann, entpuppt sich bei nochmaliger Reflexion allerdings als ein stimmiges Konzept. Denn mit dieser Schlussfolgerung ist das Stück in sich aufgegangen. Und das ohne erhobenen Zeigefinger.

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White Noise und die Überreizung des Publikums – „Quantified Me 3D. Die Instrumentalisierung meines Schuldgefühls“ im Ballhaus Ost

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Die Inszenierung „Quantified Me 3D“ von virtuellestheater berlin im Ballhaus Ost nimmt sich das Phänomen der Quantified-Self Bewegung zum Thema. Quantified-Self ist ein Phänomen, dessen Wirkung mittlerweile in den verschiedensten Bereichen unseres Lebens zu spüren ist. Die Quantified-Self Bewegung entstand zuerst als eine kleine Community im Internet, die die Daten ihrer Körper archiviert, teilt und vergleicht. Das Datensammeln über die eigene Person und das eigene Leben wird dabei zum Fetisch und die Daten selbst zum Produkt.

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Hex hex im Matriarchat – „Grrrrrl“ in den Sophiensälen

Die vier Performer*innen des Kollektivs Henrike Iglesias kreieren an diesem Abend in den Sophiensälen einen utopischen Raum namens Fort Grrrrrl, in dem das Patriarchat ausgeschaltet ist und Konnotationen des Bösen, die Weiblichkeit zugeschrieben werden, ausgelebt werden können. Sie spielen tabuisierte und negativ assoziierte Themen wie Masturbation, Menstruation, sexuelle Selbstbestimmtheit, was es bedeutet eine „gute“ Mutter zu sein, kraftvoll und unterhaltsam durch. Weiterlesen

Wie der deutsche filmische Realismus sich in Toni Erdmann selbst an den Kragen geht

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Everyone lives in his own fantasy world, but most people don’t understand that. No one perceives the real world. Each person simply calls his private, personal fantasies the truth.

– Federico Fellini

Quälend lange von schräg hinten, vom Türrahmen des Schlafzimmers aus, beobachten wir, wie die Protagonistin versucht sich aus ihrem hautengen Cocktailkleid zu pellen. Es klingelt schon zum dritten Mal. Ines (Sandra Hüller) entscheidet sich binnen Sekunden nackt zu bleiben und leitet damit eine der komischsten und skurrilsten Szenen des jüngeren deutschen Arthouse Films ein.

Die Spielzeit war vorbei, die Bühnen geschlossen, aber Maren Ades „Toni Erdmann“ hat einige von uns das Sommerloch überstehen lassen. Weiterlesen